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Umland Burgwedel Nachrichten Die Sorge vor dem Wolf
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19:55 12.12.2014
Von Frank Walter
Was ist, wenn der Wolf kommt? Friedhelm Stein sorgt sich um seine Heidschnucken.
Was ist, wenn der Wolf kommt? Friedhelm Stein sorgt sich um seine Heidschnucken. Quelle: Frank Walter
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Engensen

Sobald Friedhelm Stein sich dem Knotengitterzaun seiner Weide nähert, dann kommen sie angelaufen und reiben ihre Köpfe an seiner Hand: die Exemplare der Grauen Gehörnten Heidschnucke, die er selbst mit der Flasche aufgezogen hat. Seit rund 30 Jahren züchtet der Gastronom und Engenser Ortsbürgermeister Heidschnucken, rund 100 Tiere stehen verteilt auf zwei Koppeln nahe des Dorfes. Das Fleisch der Lämmer und Muttertiere bietet Stein in seinem Gasthof an. „Das ist ein völlig biologisches Lebensmittel, reinste Natur“, wirbt er für die bedrohte Nutztierrasse - die er jetzt vor allem durch die Wölfe bedroht sieht, die mittlerweile mehrfach im Stadtgebiet gesichtet und Mitte November nahe Fuhrberg sogar gefilmt wurden.

„Ich bin es leid, die Hurra-Rufe der Naturschützer zu hören“, fasst der Engenser seinen Frust in Worte. Für ihn ist es nur eine Frage der Zeit, bis einer der Wölfe in seine Herde einfällt. „Schrecklich. Das Desaster werde ich mir dann nicht weiter angucken. Dann könnte ich keine Freude mehr an meinem Hobby empfinden“, lässt er keine Zweifel daran, dass er die Herde dann abschaffen wird.

Schäfer fühlt sich allein gelassen

In seiner Sorge um die Tiere fühlt sich Stein allein gelassen. „Wie soll ich die Herden schützen? Da ist man völlig auf sich gestellt“, meint der Nebenbei-Landwirt. Ein Herdenschutzhund? „Völlig unpraktikabel. Der macht doch alles nieder, auch Pilzsammler, die mal zum Streicheln über den Zaun fassen.“ Ein Elektrozaun? Dazu hätten ihm selbst der Schafzuchtverband und der Wolfsbeauftragte der Region nichts Vernünftiges sagen können „Und der Wolf wird da ohnehin immer ein Loch finden“, ist der Züchter überzeugt.

Für Stein steht fest: Der Wolf gehört hier nicht her, und er kann beim Gedanken an das Raubtier keine Freude empfinden. „Und die öffentliche Meinung wird kippen, wenn erst die ersten Damen ohne ihren Fiffi zurück aus dem Wald kommen.“

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