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Umland Burgwedel Nachrichten Die Fische schnappen nach Luft
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06:30 16.09.2014
Von Martin Lauber
Des Verbotsschildes bedarf es nicht, denn der Würmsee führt - bis auf eine kleine Fläche im Norden - kein Wasser mehr. Weitgehend trocken sind auch die beiden Teiche im Großburgwedeler Amtspark. Quelle: Martin Lauber
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Burgwedel

Petrus lässt das Gewässer, das keinen Zufluss hat und auf Niederschlag angewiesen ist, im Stich. 433 Liter pro Quadratmeter hat es bis Ende August geregnet – nicht genug. 34000 Kubikmeter Wasser hat der Realverband Kleinburgwedel als Eigentümer des Sees zugepumpt – und vor zwei Wochen die Pumpen abgestellt: Das Jahreskontingent war erschöpft. In den jetzt noch verbliebenen Flachwasserzonen im Norden des Restsees schnappen Karpfen, die offenbar verantwortungslose Angler ausgesetzt haben, nach Luft. Für Reiher sind sie eine leichte Beute.

„Schade, das ist das einzige kleine Erholungsparadies für uns Burgwedeler“, sagt Ingrid Mager, die seit Jahren regelmäßig am Würmsee mit ihrem Hund spazieren geht. Doch ihr Eindruck, so trocken wie derzeit sei der Würmsee noch nie gewesen, täuscht. Die Schlammwüste von Ufer zu Ufer kehre regelmäßig wieder, sagt der Ornithologie Konrad Thye, der zwei- bis dreimal pro Woche am See ist. Und das werde auch so lange so bleiben, wie großräumig entwässert und Grundwasser gefördert wird. Auf die Vogelwelt habe das nur bedingt negative Auswirkungen. Für die seltene Rohrweihe habe dieses Jahr schon zur Brutzeit der Pegel nicht mehr ausgereicht, sie habe im Nabu-Vogelschutzgehölz gebrütet. Die Küken der seltenen Wasserralle seien wegen der Trockenheit wohl Beutegreifern schutzlos zum Opfer gefallen. Für andere Vogelarten wie Reiher oder Eisvogel und manche Amphibienarten sei der Wechsel von Nass und Trocken indes durchaus positiv. Thye spricht von einem natürlichen Prozess – mit der Tendenz zur Verlandung.

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„Genau jetzt ist der beste Zeitpunkt, den Würmsee auszubaggern“: Diese Auffassung vertritt Friedhelm Leisenberg, Vorsitzender des Realverbandes Kleinburgwedel, dem der zurzeit trockene Würmsee gehört. Doch die Frage, ob der fortschreitenden Verlandung mit einer groß angelegten Entschlammung begegnet werden soll, ist seit Jahren ein heißes Eisen. Ein hydrologisches Gutachten, das Aussagen zur Menge des Schlamms, zur Belastung des Sediments und zu den Kosten des Ausbaggerns machen soll, ist laut Umweltkoordinator Malte Schubert gestern per E-Mail im Rathaus eingetroffen, aber noch nicht ausgewertet.

In Sachen Pöttcherteich in Großburgwedel gibt es eine neue unerwartete Entwicklung. Das Isernhagener Bauunternehmen Heinz von Heiden, das für die Arbeiten an seinem einige Hundert Meter entfernten Neubauvorhaben an der Dammstraße den Grundwasserpegel abgesenkt hat, muss das in der Folge ausgetrocknete kleine Gewässer am Stadtrand nun doch nicht wieder mit Wasser befüllen.

Die Untere Wasserbehörde der Region hat die entsprechende, vor vier Wochen erteilte Auflage wieder zurückgezogen. Untersuchungen, die die Behörde in Auftrag gegeben hatte, hätten ergeben, dass sich unter 20 Zentimeter Entengrütze eine weitere 40 Zentimeter dicke Schicht aus Faulschlamm am Teichgrund befindet, die „lebensfeindlich“ sei, so Regionssprecher Klaus Abelmann. Auch an den Ufern hätten sich keine Anzeichen dafür gefunden, dass dort noch Libellen oder Frösche im Pöttcherteich ihren Lebensraum haben. „Unter diesen Umständen können wir den Verursacher nicht zwingen, den Teich mit Wasser aufzufüllen“ - zumal dies mit Lärm und Dieselgestank einer nonstop laufenden Wasserpumpe verbunden wäre. „Wir gehen davon aus, dass sich der Pöttcherteich nach Ende der Bauarbeiten an der Dammstraße zum Winter hin wieder füllt“, ist Abelmann zuversichtlich.

Ein ähnliches Bild bietet sich seit Wochen hinter dem Amtsgericht in Großburgwedel. Die Amtsparkteiche sind bis auf kleine Pfützen ausgetrocknet und geben die Hinterlassenschaft von Trinkgelagen preis. Nach Aussage von Malte Schubert ist vorgesehen, die Gelegenheit zum Ausbaggern der beiden Teiche zu nutzen. Ähnliches stehe auch für den Pöttcherteich auf der Agenda der Stadt, möglicherweise aber erst im Zusammenhang mit der geplanten Bebauung in diesem Bereich.

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