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Nachrichten Hebammen sind über Schließung schockiert
Umland Burgwedel Nachrichten Hebammen sind über Schließung schockiert
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19:21 26.10.2014
Die Geburtsklinik im Krankenhaus Großburgwedel soll geschlossen werden. Quelle: Frank Walter
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Burgwedel

Als „schockierend“ bezeichnet Professor Harald Riedel die Nachricht, dass die Geburtsklinik schon im nächsten Jahr geschlossen werden soll. Riedel war selbst jahrelang Chefarzt der Abteilung. Die Konsequenzen einer Schließung wären für ihn fatal: „Das bedeutet, dass Frauen aus dem Nordosten der Region bei normalen Wetter- und Verkehrsverhältnissen eine halbe Stunde und bei Schnee, Eis oder Stau wesentlich länger nach Celle oder in eine Klinik in Hannover fahren müssen.“ So etwas sei nicht verantwortbar. „In der Geburtshilfe wird erwartet, dass Gefahren für Mutter und Kind innerhalb von 20 Minuten kompetent behandelt werden.“ In der Schwangerschaft könne es immer unerwartet zu gefährlichen Situationen kommen. „Man denke nur an akute Blutungen oder eine Plazentaablösung“, nennt Riedel zwei Beispiele. Die Geburtshilfe in Großburgwedel sei für solche Notfälle fachlich bestens gerüstet. „Bei allen Sparmaßnahmen sollte man eine flächendeckende Notfallversorgung nicht aus den Augen verlieren.“

Nicht nur die Notfallversorgung, sondern die komplette Betreuung der Schwangeren sieht die Isernhagener Hebamme Christiane Weber gefährdet, die viele Mütter im Nordosten der Region betreut: „Wo sollen wir die Frauen dann noch hinschicken?“ Die Erfahrung zeige, dass die Geburtskliniken in Hannover schon jetzt überlastet seien. Manche Frauen seien aus Kliniken schon nach Hause geschickt worden, weil der Andrang zu groß und ihre Wehen nicht stark genug waren. „Hunderte Geburten werden mit einer Schließung auf den Markt geworfen. Das ist unmöglich, das geht gar nicht.“ Mit der Entbindung allein sei es ja nicht getan: „Darunter wird auch die Qualität der Betreuung auf den Wochenbettstationen leiden“, ist Weber überzeugt.

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Alle Mütter, die sie betreut hat, seien mit der Entbindungsstation in Großburgwedel zufrieden gewesen. „Da hat sich personell und baulich so viel getan in den letzten Jahren.“ Die Schließung sei das Gesprächsthema Nummer eins bei ihren Kolleginnen und vielen Schwangeren. „Wir haben nichts gewusst. Alle sind schockiert.“

Auch in Langenhagen rührt sich derweil der politische Widerstand. Die Pläne für den Neubau einer Klinik als Ersatz für die Krankenhäuser in Großburgwedel und Lehrte seien noch nachvollziehbar gewesen, teilte die CDU Langenhagen mit. Die kurzfristige Schließung der Geburtsstation in Burgwedel aber könne nicht mitgetragen werden - erst recht nicht, nachdem erst die Geburtshilfe in der Paracelsus-Klinik ihre Pforten schließen musste. „Damit blutet die gynäkologische Versorgung im östlichen Bereich der Region aus“, befüchtet die CDU und kritisiert: „Es liegt der Verdacht nahe, das neue Klinikum Siloah soll zu Lasten der Umlandkrankenhäuser gestärkt werden.“

Aktion auf Bissendorfer Markt

Für den Erhalt der Geburtsklinik ist eine Aktion während des Wochenmarktes in Bissendorf geplant. Jana Thomsen, Kinderkrankenschwester auf der Entbindungsstation, wird zusammen mit Ehemann Niels sowie Kolleginnen am Donnerstag, 30. Oktober, ab 14 Uhr auf dem Platz vor dem Bürgerhaus (Am Markt) Unterschriften sammeln. Sie hat die Kampagne „Wir sagen JA zu Burgwedel – Gegen die Schließung der Geburtsstation Burgwedel“ gestartet. Alle Informationen stehen auf der Facebook-Seite facebook.com/ge?burtgbw. Die Seite ist auch ohne eigenen Account sichtbar. Der Facebook-Hashtag #krhgbw informiert über alles. Um der Aktion ein Gesicht zu geben, ist auch eine Fotoaktion mit Unterstützern geplant.

Von Carina Bahl

Frank Walter 23.10.2014
Martin Lauber 22.10.2014