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Nachrichten Pfefferspray und Schrillalarm fürs sichere Gefühl
Umland Burgwedel Nachrichten Pfefferspray und Schrillalarm fürs sichere Gefühl
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00:15 29.01.2018
Dieser „Lippenstift“, den Anette Heinze zeigt, ist in Wahrheit ein getarntes Pfefferspray. Quelle: Gabriele Gerner
Isernhagen K.B

Langsam füllt sich der Heuboden: Rund 20 Männer und Frauen, darunter etliche Geschäftsleute, sind ins Bierlokal gekommen, um sich bei der ersten „Schutzengel-Party“ Norddeutschlands Artikel zum Selbstschutz zeigen zu lassen. Ex-SPD-Ratsfrau Anette Heinze präsentiert Waren vom Pfefferspray bis zum Elektroschocker – Dinge, bei denen die Nachfrage in den vergangenen Jahren deutlich angezogen hatte.

Neugierig durchstöbern die ersten Besucher das Sortiment schon vor Beginn der Präsentation. Der Elektroschocker für Frauen in apartem Pink weckt vor allem das Interesse der Herren – ebenso wie die Alarm-Puschel in Pink und Weiß und die Handschellen. „Oh, das kann man aber auch für andere Sachen verwenden“, kommentiert ein Mann in schlüpfrigem Ton und erntet Gelächter. Frauen begutachten Taschenlampen, die sich als Schlagstöcke eignen, und alle Arten von Schrillalarm-Gebern. „Den kann man an die Handtasche anbringen“, erklärt Heinze. „Wird die Tasche weggezogen, geht der Alarm los.“

Seit Jahren ist die Altwarmbüchenerin im Sicherheitsgewerbe tätig, für eine Firma vertreibt sie Alarmanlagen. Doch nicht nur Gebäude müssen vor Angriffen geschützt werden, auch Menschen. „Über 140.000 Fälle von schwerer und gefährlicher Körperverletzung gab es im Jahr 2015 in Deutschland, über 40.000 Raubdelikte und über 7000 Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung“, beginnt Heinze ihre Präsentation. Dann zeigt sie, wie man sich schützen kann: mit Pfefferspray und -pistole, einem Schrill-Alarm für die Jackentasche, mit Elektroschockern und starken Taschenlampen, die dank stabilem Gehäuse auch eine gewisse Schlagkraft haben. 

Alle Artikel seien legal, betont sie. „Sie dürfen nur nicht bei Großveranstaltungen mitgeführt werden.“ Wie löst man aber das Problem, wenn einem das Pfefferspray an der Disco-Tür oder beim Einlass ins Stadion abgenommen wird, man jedoch auf dem Nachhauseweg geschützt sein will? Eine junge Frau weiß Rat: „Man kann das beim Einlass abgeben und nach der Veranstaltung wieder abholen.“ Zum Schutz auf Reisen eignen sich die Artikel jedoch nicht – zumindest, wenn man fliegt: Pfefferspray und Elektroschocker dürfen nicht in Flugzeugen mitgeführt werden. 

Heinze weist darauf hin, dass Pfefferspray offiziell nur zur Tierabwehr produziert werde – so steht es auch auf der Verpackung. Im Notfall hingegen dürfe es auch gegen Menschen eingesetzt werden. Gleiches gilt für den Elektroschocker, den sie ihrem beeindruckten Publikum demonstriert. Warum es eine Frauen-Variante mit 200.000 Volt und eine Männer-Variante mit 500.000 Volt gibt, bleibt offen. Wollen Frauen andere Menschen, auch Angreifer, etwa nicht so hart attackieren? Immerhin ist der „Lady Power“ in Pink 20 Euro günstiger als der schwarze „Power Max“.

Die Angst, dass die Waffe auch gegen den Besitzer eingesetzt werden könnte, kann Heinze nehmen: „Sobald der Schocker jemandem aus der Hand gerissen wird, löst sich die Armschlaufe. Ohne die funktioniert das Gerät nicht mehr.“ Der Gedanke, so ein Gerät zu benutzen, fällt den anwesenden Frauen dennoch sichtlich schwer. Das als Lippenstift getarnte Pfefferspray spricht sie schon eher an. 

Doch warum kaufen Menschen überhaupt Artikel zum Selbstschutz? Sind die Zeiten etwa rauer geworden? Fühlen die Leute sich unsicherer? „Heutzutage achten die Menschen nicht mehr so aufeinander. Da kann jemand um Hilfe rufen, und viele gehen achtlos vorbei“, sagt Geschäftsfrau Iskira Koenemann. Auch Marita Mensching greift beherzt zu bei den Artikeln. „Ich kaufe die Sachen für meine vier Schwiegertöchter.“ Oliver Bothe erwirbt ebenfalls verschiedene Produkte: „Die sind für meinen Sohn, meine Tochter und meine Schwiegertochter. Das kann nicht schaden, wenn sie unterwegs sind.“

Viele der Anwesenden fühlen sich im Allgemeinen nicht unsicher. Sie wollen sich nur in manchen Situationen schützen – auf Reisen oder abends im Dunkeln. „Natürlich ist mir schon mulmig, wenn ich im Dunkeln von einer Veranstaltung zu meinem Auto gehe“, sagt eine Frau. „Ob mir dabei ein Schlagstock hilft – da bin ich allerdings unsicher.“ Elisabeth Bräuer sieht es präventiv: „Wahrscheinlich ist der psychologische Effekt am wirkungsvollsten: Mit einem Alarm oder Pfefferspray in der Manteltasche geht man viel selbstbewusster durch die Gegend – und wird im Gegenzug erst gar nicht angegriffen.“

Von Gabriele Gerner

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