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Umland Burgwedel Nachrichten Drogendealer erhalten Strafrabatt
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19:30 23.10.2015
Das Amtsgericht in Burgwedel.
Das Amtsgericht in Burgwedel. Quelle: Archiv
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Isernhagen

Die beiden Männer aus Hannover und Hildesheim waren als Dealer eigentlich keine kleinen Fische: Ja, sie hätten in großem Stil gewerbsmäßig mit Marihuana gehandelt, räumten beide insgesamt fünf Taten ein. Wegen ihrer Geständnisse mussten die drei geladenen Zeugen nicht mehr vernommen werden - der erste Pluspunkt.

Dreier Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz war das Duo anno 2007 überführt worden: Dabei hatten die beiden jeweils mehr als zwei Kilogramm im Wert von 3300 Euro in Isernhagen veräußert.

Vier Jahre später flogen die Freunde, die heute keinen Kontakt mehr pflegen, erneut auf: Insgesamt hatten sie mit fünf Kilogramm der Droge gedealt.

Das Gericht verhängte trotzdem nur zwei Jahre Haft und setzte diese zur Bewährung aus. Der eine Angeklagte muss zusätzlich 300 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, der andere 3600 Euro in 100-Euro-Raten zahlen.

Strafmildernd wirkte sich für beide Männer aus, dass sie weder vorher noch nachher strafrechtlich auffielen. Einer der Angeklagten ist gelernter Kfz-Mechaniker, arbeitet für ein Busunternehmen und absolviert derzeit eine Meisterschule. „Mein Mandant weiß sehr wohl, dass er einen falschen Weg beschritten hatte“, sagte sein Verteidiger Christoph Rautenstengel. „Er hat sich die Tat sehr zu Herzen genommen.“ Auch der damalige Dealerkumpan, ein Bäckermeister, baut sich derzeit wieder ein normales Leben auf, nachdem er wegen eines Rückenleidens arbeitslos wurde.

Da beide Ex-Dealer versicherten, auch künftig keine Straftaten mehr zu begehen und die Prognose für die Zukunft auch vom Staatsanwalt als positiv angesehen wurde, sah Amtsrichter Michael Siebrecht davon ab, einen Bewährungshelfer zu bestellen.

Siebrecht erläuterte die milden Strafen: „Durch die lange Verzögerung ist das ein ganz besonderer Fall“, sagte er. Seinen Angaben zufolge sind die Akten - „die fallen bereits auseinander“ - zu lange unbearbeitet im Amtsgericht liegen geblieben. Vor einem Jahr noch wäre das Strafmaß deutlich höher ausgefallen. Und er ergänzte: „Das Urteil von heute wäre damals nicht denkbar gewesen. Normalerweise hätten die Angeklagten für jede Tat mindestens eine einjährige Strafe erhalten.

Von Katerina Jarolim-Vormeier

Martin Lauber 22.10.2015
Martin Lauber 22.10.2015