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18:47 22.10.2014
Von Martin Lauber
Nach der Versammlung stellen sich Mitarbeiter des Krankenhauses zu einem Foto auf, um auf ihre Arbeitsplatzsorgen aufmerksam zu machen. Quelle: Martin Lauber
Burgwedel

Mehr als zwei Stunden lang dauerte die vom Betriebsrat einberufene Versammlung hinter den geschlossenen Türen der Mitarbeiterkantine. Wie sie sich persönlich angesichts der trüben Zukunftsaussichten für ihren Krankenhausstandort fühlen, das hatten Krankenschwestern, Hebammen, Pfleger und Ärzte schon vor Beginn der Sitzung einem mannshohen Poster anvertraut: „Verunsichert“, „demotiviert“ und „belogen“, „überlastet“, „verkauft“ oder „am Arsch“ stand dort zu lesen. Zwischen all den Unmutsbekundungen gab es auch ein einsames „zuversichtlich“, das stammte von Barbara Schulte, der für Finanzen zuständigen KRH-Geschäftsführerin. Sie war gemeinsam mit ihrem Geschäftsführerkollegen Professor Thomas Moesta nach Großburgwedel gekommen, konnte mit ihrer Zuversicht die Klinikbelegschaft aber nicht anstecken.

Wutentbrannt hatte eine Hebamme schon nach einer Stunde die Versammlung verlassen. „Eine Katastrophe“, lautete der Kommentar einer Ärztin, die ebenso vorzeitig los musste. Insbesondere dem Team der Geburtshilfe waren keine Hoffnungen gemacht worden. Ein „hohes sechsstelliges Defizit“ soll die Abteilung jährlich erwirtschaften, erklärte der in Großburgwedel zuständige kaufmännische Direktor Marcus Kirchmann nach der Versammlung auf Anfrage. Die Fallpauschalen betrügen circa 1400 Euro, auch die nach Schließung der Paracelsus-Geburtshilfe gestiegene Zahl der Entbindungen sei keine tragfähige Basis für einen wirtschaftlichen Betrieb.

Für die für 2015 angekündigte Schließung der Geburtshilfe gebe es zwar noch keine konkrete Zeitschiene, sie sei aber als „alternativlos“ dargestellt worden, sagte Oberärztin Dagmar Klatt nach der Versammlung. Was vor diesem Hintergrund überhaupt noch die Zusicherung wert sei, dass die Krankenhäuser in Lehrte und Großburgwedel bis zu ihrer geplanten Zusammenlegung „im Vollbetrieb“ weiterlaufen sollen, fragte sich eine Mitarbeiterin.

Die Sorge um Arbeitsplätze war zum Greifen. Unbefristete Arbeitsverträge forderte die ver.di-Jugend für die Auszubildenden. „Was wird, wenn ihre Verträge auslaufen?“, fragte ein Gewerkschaftsvertreter. „Personalabbau - Wir sagen Nein!“ hieß es auf Flugblättern, die ver.di-Vertrauensleute verteilten. Und: „Wir brauchen KollegInnen, die ohne Angst um ihren Arbeitsplatz zur Arbeit gehen!“

Vor dem Krankenhausportal stellten sich Mitarbeiter nach der Versammlung für ein Foto auf, das die Sorgen aller 314 Beschäftigten im Krankenhaus Großburgwedel illustrieren soll. „Standort weg - wo bleib ich?“, diese Frage streckten Frauen und Männer in einzelnen Buchstaben der Kamera entgegen.

Aber über die eigene berufliche Zukunft hinaus sind es auch die Konsequenzen für die Patienten, die insbesondere das Personal der Geburtshilfe bewegen. Nur noch in den KRH-Häusern in Neustadt und Gehrden soll künftig entbunden werden, in Großburgwedel und im Nordstadtkrankenhaus ab 2015 nicht mehr. Karin Heine, die an der Fuhrberger Straße das zehnköpfige Hebammenteam leitet, verschweigt ihre persönliche Befürchtung nicht: „Die Versorgung der Schwangeren wird schlechter werden“, sagt sie. Ganz zu schweigen sei von der Vor- und Nachsorge. „Ich möchte nicht wissen, wie viele Kinder auf der Autobahn geboren werden, wenn die Wege zum Kreißsaal länger werden“, meint eine ihrer Kolleginnen und verweist auf die damit verbundenen Risiken für Kind und Mutter.

Die Argumentation, dass ohne umfassend ausgestattete Perinatalzentren, wie es Neustadt künftig vorhalten soll, in der Geburtshilfe nichts mehr gehen soll, bleibt bei den Fachkräften in Großburgwedel nicht unwidersprochen. „Wir haben ständig die Anästhesie und ein OP-Team parat. Auch wir können Notfälle sicher behandeln“, sagt Heine.

Die wohnortnahe medizinische Versorgung darf nicht zur Disposition gestellt werden – das ist die Kernaussage der Resolution, mit der sich Burgwedels Rat gegen die geplante Schließung des Krankenhauses Großburgwedel wendet.

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