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Umland Burgwedel Nachrichten Sie strickt das Glück in winzige Söckchen
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16:58 13.01.2017
Von Martin Lauber
Die Freude, die sie mit ihren Glückssocken verschenkt, "bekomme ich zurück", sagt Monika Giesecke.
Die Freude, die sie mit ihren Glückssocken verschenkt, "bekomme ich zurück", sagt Monika Giesecke. Quelle: Martin Lauber
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Großburgwedel

Viele kennen Monika Giesecke als „die Kleene, die immer rennt“, wie sich die gebürtige Leipzigerin schmunzelnd selbst vorstellt. Aber die 79-jährige Großburgwedelerin hat noch einen anderen Spitznamen, der sogar auf ihrer Visitenkarte steht: Sie ist die „Socken-Moni“, die seit genau zehn Jahren ihr Reihenhaus am Erdbrandweg nicht mehr verlassen hat ohne einen Vorrat an winzigen selbst gestrickten „Glückssocken“ in der Jackentasche. Mehr als 10.000 hat sie seitdem gestrickt und unters Volk gebracht.

Ein bisschen verrückt

Wer ihr ein Lächeln schenkt oder wer traurig auf sie wirkt – dafür hat sie eine sensible Antenne – und Monika Giesecke auch an sich heranlässt, der hat gute Chancen, einen der handgestrickten wollenen Glücksbringer von ihr geschenkt zu bekommen. „Das kostet mich doch nichts, wenn ich freundlich bin. Und das kriege ich ja alles zurück“, sagt sie.

Wer den bisweilen unfreundlichen Alltag außer Kraft setzen und etwas freundlicher machen will, der muss wohl ein bisschen verrückt sein – so verrückt wie Socken-Moni, die das auch selbst von sich glaubt. „Aber es hält mich aufrecht.“

Giesecke, die in der DDR als Mechanikerin ausgebildet wurde und dann nach dem Umzug in den Westen bei Telefunken und später bei der Tui in Hannover arbeitete, lebt seit 1957 in Großburgwedel. Ihren Mann hat sie früh verloren, und danach noch zwei weitere Partner beerdigen müssen. „Wenn es auch schwer war“, moralisch eingeknickt sei sie nie, „weil ich dankbar für alles bin. Es gibt Menschen, die haben nicht mal eine warme Stube. Jeden Abend sage ich Danke für den Tag.“

Das tägliche Glück verschenken ist Monika Giesecke zum Lebensinhalt geworden, seit sie vor zehn Jahren in einem Sanatorium in Bad Kissingen einen Mini-Socken strickenden Kurgast kennenlernte. „Die Frau hat mir die kleine Ferse beigebracht“ – und danach ging es auch schon los mit den Söckchen in allen erdenklichen Farben und Ringelvariationen. Klar, dass Familie und Nachbarschaft am Erdbrandweg zuerst dran waren. Aber auch in die Krippe im Jugendzentrum bringt sie dreimal im Jahr Söckchen-Sätze in Gruppenstärke.

Ihre Freundinnen im Klön-, Strick- und Bastelclub in Langenhagen und bei der AWO in Großburgwedel sind versorgt wie auch das komplette Personal ihres Stamm-Supermarktes und ihrer Apotheke. Ihr Hausarzt fragte: „Haben Sie noch eine Glückssocke für meine Tochter? Sie hat eine Prüfung vor sich.“ Klar, dass sie diese Bitte nicht ausschlug.

Ob die Glücksbringer wirken? Monika Giesecke , die stets welche mit in die Kur nimmt, um Patienten aufzumuntern, ist überzeugt davon, allerdings: „Ich selbst habe noch nie eine bekommen.“

10.000 Glückssocken in zehn Jahren – manche verschenkte sie en gros und auf Bestellung. Wie oft hat sie schon die Tischdeko ganzer Geburtstagsgesellschaften gestrickt. Wenn auch mal eine Party floppte, über das Mitgebsel habe sich immer jeder gefreut. Glückssocken-Kalender zur Geburt oder Heirat erfreuen sich großer Beliebtheit. „Kleines Wunder“ und „Liebe ist“ schreibt sie dann auf die Söckchenhalterklammern. Sogar zum Geburtstag einer 100-Jährigen griff sie zu den Stricknadeln – für jedes Jahr ein Söckchen.

Alles verschenkt sie. „Geld will ich keins. Ich will nur, dass die anderen auch zufrieden sind“. So zufrieden wie Socken-Moni, die sich, so sie selbst, „über jeden Mist freuen kann“.

50 Minuten klappern die Nadeln, bis ein Glückssöckchen fertig ist

Manch hölzerne Stricknadel hat Monika Giesecke schon „rundgestrickt“ oder abgebrochen – die meist hölzernen Zweieinhalber-Nadeln sind irgendwann einfach verschlissen. Kein Wunder bei einem Pensum von mindestens drei Stück pro Tag, das sie meist abends vor dem Fernseher oder beim Musikhören absolviert. Bei aller Routine nach mehr als 10.000 Glückssöckchen: 50 Minuten braucht die 79-Jährige schon für jedes einzelne. Für zwölf bis 13 Söckchen reicht nach ihrer Erfahrung ein 50-Gramm-Knäuel. Gut, dass ihre Strickleidenschaft so bekannt ist und sie deshalb manches geschenkt bekommt. Trotzdem: Weil sie es nicht dem Zufall überlassen will, dass ihre Glücksbringer auch optisch etwas Besonderes sind, versorgt sie sich regelmäßig und durchaus wählerisch im Wollladen mit Nachschub.

Fotostrecke Burgwedel: Sie strickt das Glück in winzige Söckchen
Martin Lauber 13.01.2017
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