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Umland Burgwedel Nachrichten Quittung für Kritik am Klinikum?
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18:24 05.02.2015
Von Martin Lauber
Beim Laternenumzug gegen die Schließung der Geburtshilfe im November stimmt Oberärztin Dagmar Klatt die Menschen auf dem Domfrontplatz auf die Demo ein. Quelle: Martin Lauber (Archiv)
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Großburgwedel

Viele sehen darin die Quittung der KRH-Leitung für ihre kritische Haltung der 65-Jährigen.

Die Geschäftsführung des Klinikums Region Hannover (KRH) erklärt, einer Beschäftigung über das Rentenalter werde „nur in sehr begründeten Einzelfällen zugestimmt“. Zu einzelnen Mitarbeitern und Verträgen könne man sich aufgrund der Fürsorgepflicht als Arbeitgeber nicht äußern.

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„Nachdem im Herbst die Wellen so hoch gingen, hätte ich mich schon sehr gewundert, wenn Frau Klatt als Einspringerin übernommen worden wäre.“ „Sie war zu kritisch.“ „Sie ist das Opfer.“ Das sind Einschätzungen dreier aktueller oder früherer leitender Mitarbeiter im Krankenhaus Großburgwedel. Klatt selbst sagt: „Wenn ich mich nicht rausgehängt hätte, wäre meinem Antrag stattgegeben worden.“

Die KRH-Geschäftsführung stellt das abgelehnte Anliegen Klatts in ihrer Stellungnahme vor den Hintergrund des geplanten Stellenabbaus im Rahmen des Konsolidierungsprogramms und der „Medizinstrategie 2020“. Wann immer möglich, würden Altersteilzeit und natürliche Fluktuation genutzt, um Mitarbeiter, die von strukturellen Veränderungen betroffen sind, weiter im KRH-Netzwerk einsetzen zu können. Daher werde einer Beschäftigung im Rentenalter nur im begründeten Einzelfall zugestimmt.

Kritiker halten dagegen, dass das KRH in der Frauenklinik in Großburgwedel und im Nordstadt-Krankenhaus seit Jahren Ärzte jenseits der 65 beschäftigt. „Im Hintergrunddienst wäre Frau Klatt eine große Unterstützung, ohne jemandem die Arbeit wegzunehmen“, urteilt ein Insider. Ihre Bereitschaft verdiene Respekt, keine Abfuhr ohne Begründung.

Nicht wenige von denen, die bei der internen Abschiedsfeier für Klatt vor zwei Wochen dabei waren, sehen in deren couragiertem öffentlichen Eintreten den wahren Grund: In Podiumsdiskussionen und als Initiatorin des Protestumzugs mit 400 Demonstranten am 7. November in Großburgwedel hatte die Klinikärztin aus Wettmar Tacheles geredet und die Schließungspläne ihres Arbeitgebers als „fahrlässig“ statt „alternativlos“ (KRH-Finanzgeschäftsführerin Barbara Schulte) bezeichnet.

Die Öffentlichkeit war mobilisiert. Unter dem Druck kommunaler Resolutionen und Parteiinitiativen änderte der KRH-Aufsichtsrat Ende November die Prämissen seiner Klinikreform: Eine klinische Gynäkologie und Geburtshilfe für den Nordosten der Region Hannover ist nun in der „Medizinstrategie 2020“ festgeschrieben - entweder am jetzigen Standort Großburgwedel oder in einem Neubau. Klatt habe mit ihrem frühen Protest dem Klinikstandort insgesamt einen Dienst erwiesen, findet ein früheres Direktoriumsmitglied. Klatts Posten ist bisher nicht wieder besetzt worden, ebenso wenig die Stellen zweier Assistenzärzte und zweier Hebammen, die seit der Ankündigung einer „alternativlosen“ Schließung die Abteilung verlassen haben. Nun wolle man die Abteilung wohl „ausbluten“ lassen, mutmaßt eine mit den Verhältnissen in der Frauenklinik vertraute NHZ-Leserin.

Aber die KRH-Geschäftsführung widerspricht: Die Frauenklinik sei uneingeschränkt leistungsfähig, personelle Engpässe gebe es nicht. Fluktuation sei in Krankenhäusern alltäglich, nicht jede Stelle könne umgehend nachbesetzt werden, insbesondere bei Hebammen herrsche Fachkräftemangel. Als großer Verbund von elf Kliniken gelinge es in der Regel, Vakanzen schnell zu beenden. „Generell möchten wir noch einmal betonen“, so das Statement, „dass wir großen Wert auf Transparenz und den Dialog mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern legen.“

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