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Nachrichten Vor 25 Jahren drohte "das Ende der Kunst"
Umland Burgwedel Nachrichten Vor 25 Jahren drohte "das Ende der Kunst"
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00:17 25.08.2017
Heller Granit, kristalline Struktur, bruchrauh belassen: "Innewohnende Kraft und Lebendigkeit" misst Jörg Enderle den Steinen seiner Skulptur Rosa bei. Quelle: Jürgen Zimmer
Großburgwedel

Was is'n das? Das fragt sich bis heute mancher, der von der Von-Alten-Straße vorbei an der Bücherei zum Parkplatz an der Dr.-Albert-David-Straße geht. Ob einheimisch oder zugereist: Die mächtigen behauenen Steine geben Rätsel auf. Zufällig liegen sie dort aber nicht.

Zur Erklärung muss man 27 Jahre zurückblenden: Zur 1990 in historischem Fachwerk neu eröffneten Bücherei Großburgwedel sollte ein Kontrapunkt gesetzt werden, so dachten sich die kulturbeflissenen Gemeindeväter - eine moderne Skulptur wäre dafür genau das Richtige. Ein Ideenwettbewerb wurde vor genau 25 Jahren ausgeschrieben.

Schon mit seinem Standortwunsch fiel der Bildhauer Jörg Enderle aus dem Rahmen: Er war nämlich der Ansicht, dass seine Plastik statt repräsentativ vor der Bücherei besser dahinter stehen sollte, weil sie sich dort "in der relativen Bescheidenheit und Ruhe des Ortes" am besten entfalten könne. Etwas Neues wollte er erschaffen, eine noch nicht dagewesene abstrakte Form kreieren. Vertikale und horizontale Linien wollte er zeigen, eine "Abgehobenheit der Masse innerhalb von Räumlichkeit".  

Wie dem auch sei: Die Gemeinde folgte der Wahl der mit Kunstexperten aus Hannover hochkarätig besetzten Jury zugunsten von Enderle. Das war "durchaus nicht selbstverständlich", wie Burgwedels damaliger Bürgermeister und heutiger Ehrenbürgermeister Karsten Hoppenstedt bei der Einweihung im Mai 1994 erklärte - und sich damit  auch selbst auf die Schulter klopfte. Beherzt war der Beschluss für das Kunstobjekt im öffentlichen Raum aber tatsächlich. Denn, dass die damalige Gemeinde Burgwedel sich die Plastik satte 80.000 D-Mark kosten ließ, war durchaus umstritten.

Dass Kunst im Auge des oft laienhaften Betrachters liegt und für viele Mitmenschen der röhrende Hirsch im Morgennebel der Kunst genug ist, das hatte auch Hoppenstedt damals erfahren müssen. Bei der Einweihungsfeier hinter der Bücherei verschwieg er nicht, dass im Vorfeld wiederholt Kritik laut geworden sei, sowohl am Aufstellungsort wie auch an der Skulptur selbst. Sein Stoßseufzer: „Kultur ist ein schwieriges Gebiet, weil da die subjektiven Geschmäcker aufeinander treffen." Und genau das geschah auch bei der Zeremonie. Bildhauer  Enderle erinnert sich noch heute daran, dass bei der Einweihung auf Transparenten das „Ende der Kunst“ prognostiziert wurde.

So ist es dann doch nicht gekommen. Mit einer Diareihe über die Entstehung seines Kunstwerks hatte der Künstler damals versucht, interessierte Einwohner mitzunehmen. Diese erfuhren, dass er drei Monate lang in einem Steinbruch der Granitregion Gallura im Norden der Insel Sardinien gewesen war, um dort an den beiden zehn und vier Tonnen schweren Granitblöcken aus „Rosa Sardo“ zu arbeiten, die nun hinter der Bücherei ihr beabsichtigtes Schattendasein führen. Dem Gestein, entstanden im Karbon vor etwa 330 Millionen Jahren, verdankt seine Skulptur auch den Namen: Sie heißt Rosa, nach dem Stein, aus dem sie gehauen wurde.

Aber solches Wissen ist in Burgwedel mangels Hinweistafel oder Infoblatt weitgehend unbekannt, ebenso der Wunsch des Künstlers, dass die vertikalen und horizontalen Linien von "Rosa" gerne begrabscht und bestiegen werden. "Stein ist ein Anziehungspunkt für Kinder und lädt zum Anfassen ein", das hatte Enderle schon in seine Ideenskizze hineingeschrieben.

 Jörg Enderle: Vom Stein her denken

Jörg Enderle teilt sich seit den 90-iger Jahren mit Doris Schälling ein Atelier. Beide sind 1956 geboren und haben sich während des Studiums an der Hochschule der Bildenden Künste Berlin kennengelernt. Für die beiden Bildhauer ist der Steinbruch ein symbolischer Ort, an dem sichtbar wird, wie der Mensch auf der Erde steht, wie er zur Erde steht und wie er in sie eingreift. Ihr beider Motto heißt daher „vom Stein her denken“.

Das Künstlerpaar lebt in Liège (Lüttich), in der Nähe mehrerer Steinbrüche in den belgischen Ardennen, wo sie  ihre Skulpturen und Projekte entwickeln. Von dort aus reisen ihre Arbeiten in die Welt hinaus. Sogar in China vor dem Pekinger Today Art Museum ist eine Plastik aufgestellt. Und natürlich in Großburgwedel - zwischen Bücherei und Parkplatz.

Fotostrecke Burgwedel: Vor 25 Jahren drohte "das Ende der Kunst"

Von Jürgen Zimmer

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