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Umland Burgwedel Nachrichten Stadt Burgwedel verteidigt ihre Gewerbe-Pläne
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00:18 25.11.2017
Das Gewerbegebiet am Ortsausgang Großburgwedel mit Rossmann (im Vordergrund) und Fiege. Dahinter und links davon liegen die Erweiterungsflächen. Quelle: Dieter Siedersleben
Isernhagen/Burgwedel

 20 Hektar neues Gewerbeland will Burgwedel an der L381 ausweisen – was deutlich mehr als eine Verdoppelung der knapp 15 Hektar bedeutet, die die Drogeriekette Rossmann und der Logistik-Riese Fiege zusammen belegen. Im nahen Isernhagen H.B. kommen diese Pläne nicht gut an – wehren sich die Einwohner dort doch gegen den immer stärkeren Verkehr auf ihrer Ortsdurchfahrt, der viele nervt und durch den Eltern ihre Kinder gefährdet sehen.

Mit orangefarbenen Holzkreuzen protestieren H.B.er gegen die Verkehrsbelastung auf der Ortsdurchfahrt, der L381. Vom wachsenden Gewerbegebiet im nahen Großburgwedel erwarten sie eine weitere Zunahme. Quelle: Frank Walter

Wie kann man die Zahl der Fahrzeuge auf der L381 reduzieren? Mit Tempolimits? Mit Blitzern? Mit Fahrbahnverengungen? Vor allem die Lastwagen sind vielen Anwohnern in H.B. ein Dorn im Auge. Etliche haben sich zur Bürgerinitiative Aktion L381 zusammengeschlossen und drücken ihren Protest mit orangefarbenen Holzkreuzen aus. Doch die L381 ist offizielle Umleitungsstrecke für die Autobahnen, und deshalb soll der Verkehr eigentlich ohne Behinderungen rollen. Aktuell hoffen Anwohner wie Politiker auf den „Modellversuch Tempo 30“, dessen Zukunft unter der neuen Landesregierung jedoch noch offen ist.

Die aktuellen und die künftigen Gewerbeflächen zwischen Großburgwedel und Isernhagen H.B. Quelle: Stadt Burgwedel

Im Ortsrat ist die L381 Dauerthema – und als jetzt die Pläne für das neue Gewerbeland in Burgwedel publik wurden, fielen die Äußerungen dort genauso eindeutig aus wie die Lesermeinungen in dieser Zeitung: Burgwedel siedele immer weiteres Gewerbe an, und die H.B.er litten unter noch mehr Verkehr, so der Tenor.

Düker: Idealer Standort in der Region

Für Burgwedels Bürgermeister Axel Düker und Bauamtsleiter Oliver Götze geht die Rechnung so allerdings nicht auf. „Die Firmen kommen wegen der Autobahnanbindung zu uns. Kein anderer Standort in der Region ist so ideal“, sagt Düker. Dass die Menschen in H.B. genervt seien, könne er zwar nachvollziehen. „Die Frage ist aber doch, ob Rossmann oder Fiege überhaupt dafür verantwortlich sind. Und das glaube ich nicht.“ Er könne niemandem verbieten, durch H.B. zu fahren. „Aber viele H.B.er fahren ja auch durch Burgwedel“, spricht er die Fahrten zum Einkaufen und den Berufsverkehr an. 

Bei der Neuauflage des Regionalen Raumordnungsprogramms hatte Burgwedel erreicht, dass auf dem Areal hinter Rossmann nun Gewerbeland vorgesehen ist. Alternativen dazu, zumal solch verkehrsgünstige, habe es nicht gegeben, betonen Düker und sein Bauamtsleiter unisono – schließlich sei Großburgwedel von Landschaftsschutzgebieten umzingelt. 

Die Bauleitplanung ist in Arbeit. Im Verfahren wird sich die Gemeinde Isernhagen als „Träger öffentlicher Belange“ beteiligen und angesichts der „sehr sensiblen Themas Verkehr in diesem Bereich“, so Isernhagens Bauamtsleiterin Heike Uphoff, wohl ein Verkehrsgutachten fordern.

Grundstückspreis als Steuerungselement

Im Burgwedeler Rathaus geht man davon aus, in etwa zwei Jahren ansiedlungswilligen Unternehmen Grundstücke verkaufen zu können – zu Quadratmeterpreisen jenseits der 100-Euro-Grenze und damit deutlich teurer als beispielsweise in Kleinburgwedel, wo der Preis bei 55 Euro liegt. Düker sieht darin auch ein Steuerungsinstrument: „Für einen Reifenhandel ist so ein Preis völlig unattraktiv.“

Doch Burgwedel gehe es in erster Linie um hochwertige Arbeitsplätze und eine große Wertschöpfung bei möglichst geringem Flächenverbrauch, betont der Bürgermeister. Man benötige Gewerbesteuer, um beispielsweise in die Schulen investieren zu können. Ein Teil des Areals ganz im Norden an der Bahnlinie soll einer Handvoll Betrieben ermöglichen, sich innerhalb der Stadtgrenzen zu vergrößern. Bei der Auswahl, welche neuen Firmen sich ansiedeln dürfen, werde auch das Thema Verkehr berücksichtigt – man wolle schließlich auch die eigenen Straßen nicht überlasten, so Götze.

„Wir wollen, dass möglichst viele Mitarbeiter aus dem Gewerbegebiet  den Personennahverkehr nutzen“, erklärt Düker. Mit Erfolg habe sich die Stadt dafür eingesetzt, dass zum Winterfahrplan die Buslinie 638 vom Bahnhof Großburgwedel bis zu Fiege verlängert wird. Die Busse seien mit dem Metronom-Abfahrtzeiten getaktet, und Fiege habe seinen Schichtwechsel an die Busabfahrtzeiten angepasst. 

Die Frage, ob nach den 20 Hektar neuen Gewerbelands Schluss ist oder danach noch eine Erweiterung in Richtung H.B. denkbar wäre, wollen weder Düker noch Götze abschließend beantworten. „Mit den aktuellen Flächen kommen wir erst mal gut hin“, sagt der Bauamtsleiter. Man könne aber heute nicht sagen, was in zehn Jahren sei. Und Götze schiebt nach: Isernhagen nutze in H.B. bereits das volle Potenzial bis an die Stadtgrenze, während Burgwedel mit seiner Planung immer noch 600 Meter Abstand zum Nachbarn halte.

Gesprächsangebot an die Bürgerinitiative

Düker lädt die Bürgerinitiative ein, zu einem Gespräch ins Rathaus zu kommen. Deren Holzkreuze bleiben indes stille Mahner gegen den starken Verkehr. Dass einige jetzt umgestellt werden, passiert aus Gründen der Sicherheit: Einzelne Kreuze sind an massiven Metallstangen dicht an der Straße befestigt – zu gefährlich, sagen Ordnungsamt und Polizei.

Von Frank Walter

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