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Umland Burgwedel Nachrichten Stadt bedankt sich bei Flüchtlingshelfern
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00:17 18.11.2017
Ein syrisches Ensemble aus Hannover gestaltet den Empfang musikalisch. Walid Amer spielt die Oud, die Geschwister Maya und Jobran Azam singen dazu.  Quelle: Martin Lauber
Burgwedel

Viele Geflohene hätten in Burgwedel eine neue Heimat gefunden, die Stadtgesellschaft sei bunter geworden: Zwei Jahre nach der großen Flüchtlingswelle zog Bürgermeister Axel Düker am Dienstagabend beim ersten offiziellen Empfang der Stadt für ehrenamtliche Flüchtlingshelfer eine durchweg positive Bilanz.  Dass die Integration bisher so „gut funktioniert“  habe,  sei einerseits dem Konzept der dezentralen Unterbringung zu verdanken, so Düker, vor allem aber das Verdienst der ganzen Burgwedeler Stadtgesellschaft. 

Keiner wüsste das besser als Otto Krull, der seit mehr als 20 Jahren für Flüchtlinge zuständige Sozialarbeiter im Rathaus. „Sie geben dem Willkommen ein Gesicht“, wandte er sich an die versammelten Flüchtlingshelfer. Rund 200 hatte er eingeladen, um ihnen im Namen von Stadt und Rat Danke zu sagen. In den Großburgwedeler Amtshof kamen 70 Männer und Frauen. Mit fast jedem innerhalb dieses Netzwerkes ist Krull per Du.

Für die Integration der Geflüchteten setzen sich viele Burgwedeler ein – ob als Familienpate oder Sprachlehrer, in der Tafel oder in der Kleiderei. Die Stadt hat sich mit einem Empfang dafür bedankt.

Das im Amtshof-Foyer angerichtete  Büffet mit syrischen Spezialitäten musste 90 Minuten warten.  Denn im Saal – umrahmt von Musikstücken eines syrischen Ensembles aus Hannover  – bekamen die Ehrenamtlichen ihre Bühne. Mancher der Engagierten selbst wirkte überrascht über die Vielfalt der Integrationsbemühungen, als Krull all die Gruppen nacheinander für ein kurzes Frage-Antwort-Spiel nach vorne bat.  

Zweierlei zog sich wie ein roter Faden durch die Kurzberichte: Das Ehrenamt sei anspruchsvoll, aber  man bekomme viel zurück, sei der eigentlich Beschenkte. Er sei  „vielfacher Onkel“, schmunzelte zum Beispiel Peter Paulsen, der sich als Familienpate einsetzt – wie  Rosemarie Visel, die aus 25-jähriger Erfahrung erklärte, dass man als Flüchtlingsbetreuerin aber auch mehr Distanz wahren dürfe. 

Sich helfen lassen ist auch Vertrauenssache

„Manchmal sind wir mehr Sozial- als Leselernhelfer“, sagte Helmuth Vicum, der für mehr als 20 Mentoren sprach.  Dolmetscherin Samira Nassar hob hervor, dass ihr Ehrenamt besonders bei Arztbesuchen fordernd sei – wegen der medizinischen Fachbegriffe, aber auch, weil die Flüchtlinge ihr so viel Vertrauen entgegen bringen müssten. Gerd Duckstein  freute sich, dass die Burgwedeler Tafel mit ihren 60 Helfern zu einer wöchentlichen Ausgabe von Lebensmitteln zurückkehren könne, nachdem die Zahl der Flüchtlinge unter den Kunden wieder zurück gegangen sei. 

500 Fahrräder haben die Schrauber der Fahrradwerkstatt im Keller unter dem Großburgwedeler Jugendzentrum fit gemacht und an Flüchtlinge ausgegeben. Werkstattleiter Michael Schneider war es ein Anliegen, sich bei den Burgwedelern für ihre  immense Spendenbereitschaft zu bedanken. 

16 Frauen arbeiten mit im Team der Kleiderei, die in einer Wohnung der Pestalozzi-Stiftung gebrauchte Kleidung ausgibt und, nachdem sie sich von der Stadt selbstständig gemacht hat, nun einen kleinen Obolus verlangt. Mit dem Geld werden Kinder-T-Shirts und -Rücksäcke gekauft und verbilligt abgegeben. Karin Weyler hilft auch Sonntags beim Abfassen von Bewerbungen. Carola Voß und Raja Friedrich haben einen neuen Gesprächskreis aufgebaut, dem sich außer Flüchtlingsfrauen auch Frauen mit Migationshintergrund angeschlossen haben, die schon länger in der Stadt leben. 

Vom Ein-Euro-Job zur Lehrstelle

Die Gelegenheit, sich für die Hilfe von Krull und seinem Team wie auch bei den ehrenamtlichen Unterstützern zu bedanken, nutzte Mohammad Zarfran. Der junge Mann aus Pakistan lebt seit 2013 in Burgwedel, startete mit einem Ein-Euro-Job im städtischen Bauhof durch und hat just eine Ausbildung als Koch im Fuhrberger Heidehotel Klütz begonnen. Auch Leyla Shikho verbeugte sich vor so viel Hilfsbereitschaft. Die Geschichte ihrer kleinwüchsigen, stark körperbehinderten Schwester Hajar kennen viele Burgwedeler aus der Zeitung. Das Netzwerk Burgwedel hatten der Syrerin einen Elektro-Rollstuhl gespendet. Mittlerweile sind die beiden Schwestern aus der Sammelunterkunft an der Fuhrberger Straße in eine kleine Drei-Zimmer-Wohnung umgezogen. Beide besuchen Sprachkurse und machen gute Fortschritte.

Ein Jahr raus aus dem Beruf, um in der Flüchtlingsarbeit zu helfen

Die regelmäßigen Austauschtreffen der Burgwedeler Integrationshelfer darf er koordinieren und daran teilnehmen. Am Leitfaden für die ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuer hat Bernd Pietzsch ebenfalls mitgearbeitet. Auch dabei hat es sich als Glücksgriff für die Abteilung von Flüchtlingssozialarbeiter Otto Krull erwiesen, dass ihr aktueller Freiwilliger ein gestandener Mann und vom Fach ist. Denn der Wettmarer ist gelernter Drucker, was man der Info-Broschüre durchaus ansieht. 

Warum er als 51-jähriger Familienvater seinen Beruf für anderthalb Jahre an den Nagel hängt, um als BuFDi (Bundesfreiwilligendienst) im Burgwedeler Rathaus in der Flüchtlingsarbeit mitzuhelfen? Er wollte mal etwas anderes sehen, sagt Pietzsch, der froh ist, dass sein Arbeitgeber jetzt sogar zugestimmt hat,  dass er sein Sabbatjahr noch einmal um sechs Monate verlängert. Warum er das halbe Jahr dranhängt? „Ich bin total überrascht über die Vielfalt der Hilfeszene und auch begeistert, ein Teil davon zu sein.“ 

  

Von Martin Lauber

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