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10:50 05.11.2017
Wie immer unter seiner Mähne versteckt: "Mister Boogie Woogie" auf der Bühne des Isernhagenhofs.
Wie immer unter seiner Mähne versteckt: "Mister Boogie Woogie" auf der Bühne des Isernhagenhofs. Quelle: Jürgen Zimmer
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Isernhagen F.B

 Das Gesicht des Manns am Klavier, dessen rote Schuhe in rasantem Tempo den Takt auf den Boden hämmern, ist von seiner Haarmähne verdeckt. Aber das kennt man ja seit Jahrzehnten von Mister Boogie Woogie, einem der Großen seines Genres. Am Freitagabend war Axel Zwingenberger zum wiederholten Mal mit Henning Pertiet, einem weiteren Hochkaräter der Szene, zu Gast im Kulturkaffee Rautenkranz. Stefan Rautenkranz hatte den richtigen Riecher, als er das Konzert in die Kulturscheune des Isernhagenhofs verlegte, damit die mehr als 200 Gäste an langen Tischen bequem unterkamen.

Isernhagen ist seit Jahren eine Boogie-Hochburg. Genre-Größen Axel Zwingenberger und Henning Pertiet füllten am Freitagabend die Scheune des Isernhagenhofs –gemeinsam mit einem Überraschungsgast.

Pertiet, Gewinner des German Blues Award 2017, und Zwingenberger, von britischen Kritikern „Boogiemeister oft he world“ getauft, spielten zusammen an zwei Klavieren den „Opening Boogie“. Den Rest des Abends gestalteten die beiden „ziemlich besten Freunde“ zwar zusammen, aber getrennt jeweils an ihren Tasten. All die wunderbaren Titel waren zu hören: Zwingenberger brachte mit dem Honky Tonk Blues von Hank Williams aus dem Jahr 1952 einen Hit aus der Country-and -Western-Schublade, landete über den Suitcase Blues mit „Be with me“ im Boogie-Fach. Von der Richtigkeit des Selbstbekenntnisses „Ich kann besser spielen als reden“ musste Zwingenberger in Isernhagen niemanden überzeugen. 

Dann ging er von der Bühne und Pertiet übernahm. Mit dem Chicago Blues oder CMP Boogie und Lingony Ext. stand er seinem Freund in nichts nach. „Ich spiele nur mit Menschen, die ich mag“, sagte er. Und da er mit Zwingenberger schon eine halbe Ewigkeit zusammen spielt, muss er ihn wohl sehr mögen. Seinen German Blues Award 2017 betrachtet Pertiet als „eine wirklich große Ehre“. 

Die Fangemeinde erlebte einen außergewöhnlichen Blues-Abend mit gleich drei großartigen Pianisten, denn ein dritter Könner der Sonderklasse wurde überraschend avisiert: Mark Braun aus Detroit. Der war ganz privat bei den Zwingenbergers zu Besuch. Und was bot sich da mehr an, als ihn mitzunehmen und in Isernhagen spielen zu lassen. Braun, in gelben Schuhen, bekam für seinen Auftritt stehenden Applaus.

Von Jürgen Zimmer