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Nachrichten Initiativgruppe will Waldbestattungen ermöglichen
Umland Burgwedel Nachrichten Initiativgruppe will Waldbestattungen ermöglichen
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00:17 24.11.2017
Meinolf Helling (von links), Günter Schröder, Manfred Aulfes, Christian Oehlschläger und Gerhard Windmeier sind die „Initiativgruppe Waldesruh“. Falls die Stadt Burgwedel grünes Licht gibt, wollen sie gemeinsam eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts gründen für den Betrieb eines Ruheforsts zwischen dem städtischen Waldfriedhof in Wettmar und der Bahnlinie. zu  Quelle: Martin Lauber
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Burgwedel/Wettmar

Fünf gestandene Burgwedeler planen ein Start-Up-Unternehmen, das sich größter Aufmerksamkeit sicher sein kann: In privater Regie möchten sie einen Ruheforst betreiben. Ein Waldstück westlich von Wettmar haben sie dafür in Aussicht. Der Stadt Burgwedel liegt das Angebot ihrer „Initiativgruppe Waldesruh“ schon seit längerem vor.  

Krimiautor Christian Oehlschläger ist Burgwedels Revierförster, sein Kollege Günter Schröder zuständig für den Enercity-Wald im Fuhrberger Holz. Steuerberater Manfred Aulfes, Bilanzfachmann Meinolf Helling und Betriebsprüfer Gerhard Windmeier ergänzen in der Initiativgruppe die kaufmännisch-betriebswirtschaftliche Kompetenz. Eine sinnvolle Aufgabe und ein Zubrot für den Ruhestand schwebt ihnen vor. Aber es gibt auch diesen Hintergrund: „Man ist Burgwedeler und muss doch, weil diese Bestattungsform hier fehlt, am Ende auswandern.“ Am Ende, damit meint Manfred Aulfes: nach dem Tod.

Vorbei am Wasserverband Nordhannover in Wettmar geht es auf der verlängerten Herrenhäuser Straße zum städtischen „Waldfriedhof“ – und möglicherweise dereinst auch zu jenem Waldstück, in dem die Initiativgruppe „Waldesruh“ in privater Regie Waldbestattungen anbieten will. Quelle: Martin Lauber

Ein 2015 auf Initiative des WEB-Ratsherrn Friedhelm Stein gestarteter erster Anlauf, westlich von Großburgwedel im „Märchenwald“ einen Ruheforst einzurichten, war unter anderem an komplizierten Grundstücksverhältnissen gescheitert. Vor einem Jahr erklärte die Stadtverwaltung dann auch die Suche nach geeigneten alternativen kommunalen Flächen für ergebnislos. 

In der Zwischenzeit hat sie allerdings ihr Friedhofskonzept reformiert und Taten folgen lassen. Bald gebe es Urnengrabstellen unter Bäumen in allen Ortsteilen, sagt Bürgermeister Axel Düker. Private Konkurrenz dürfe den Zuschussbedarf für die eigenen Friedhöfe nicht weiter erhöhen. Gleichwohl: Wenn die Voraussetzungen stimmten, könne die Initiativgruppe Waldesruh durchaus ein Partner der Stadt werden. „Sobald wir einen konkreten Antrag haben, legen wir das der Politik vor.“ Dabei hatte die Gruppe ihre Pläne schon vor einem halben Jahr im nicht-öffentlich tagenden Verwaltungsausschuss vorgestellt, passiert ist seitdem nichts.

Oehlschläger: Viele haben sich Grabstellen in Uetze oder Deister gesichert

Oehlschläger hatte schon beim ersten Ruheforst-Anlauf im Märchenwald zu den treibenden Kräften gehört. „Daran, dass ich als Förster immer wieder gefragt werde, warum wir keinen Ruheforst anbieten“, sagt er, habe sich in der Zwischenzeit nichts geändert. Viele Burgwedeler hätten längst schon ihre Grabstelle unter einem Baum im Uetzer „Friedwald Uetzer Herrschaft“ oder im „RuheForst Deister“. Der Förster nennt das Beispiel eines Chorkameraden aus Wettmar: Dessen Familie habe sich kürzlich zwei Eichen mit insgesamt 20 Grabstellen in Uetze gesichert. Waldesruh-Mitstreiter Helling hätte solch ein Angebot lieber vor Ort. „Meine Kinder leben in Braunschweig, Münster und Shanghai. Keiner wird hier ein Grab pflegen, aber sie wollen einen würdigen Platz haben, wo sie hingehen können.“ 

Wettmars Pastorin Reni Kruckemeier-Zettel bietet alle zwei Jahre Exkursionen in den FriedWald an. Dort gestaltet sie auch ein bis zwei Beisetzungen jährlich. Bei einem ortsnahen Angebot, so glaubt sie, wäre die Nachfrage sicher größer. Die St.-Marcus-Gemeinde sei offen für Waldbestattungen. Vorstand und Friedhofsausschuss haben grünes Licht für Gespräche mit den „Waldesruh“-Leuten gegeben. Denn der Wald, in dem die Initiativgruppe ihren Ruheforst betreiben will, gehört zum Teil auch der Kirchengemeinde.

„Waldesruh“ würde fast an städtischen Friedhof angrenzen

Wenn man den Wasserverband und den städtischen Waldfriedhof in Wettmar links liegen lässt, erstrecken sich westlich davon die fraglichen 18,6 „Waldesruh“-Hektar links und rechts des asphaltierten Weges: Kiefern, Eichen, Birken, Buchen, Ilex . Die Bahnlinie markiert die westliche Grenze. Dieses Areal würde die Forstgenossenschaft Schelp der Initiativgruppe für 99 Jahre verpachten. Den Waldbesitzern würde das sichere Einkünfte garantieren –und auch der Naturschutz profitieren, erklärt Schröder: „Der Bestand würde alt. Wir belassen den Wald, wie er ist.“ Nur ein kleiner Andachtsplatz mit ein paar Ruhebänken und einem einfachen Holzkreuz solle angelegt werden.

Von Verkehrssicherung über Dokumentation bis zum Ausheben der Grube für die Urne – die „Waldesruh“-Gesellschafter wären für den kompletten Betrieb zuständig. Den Weg dafür freimachen kann aber nur die Stadt - eine Änderung ihrer Friedhofssatzung ist die Voraussetzung. Aufwänd käme auf die Kommune kaum zu. AlsTräger könne sie zudem von Gebühreneinnahmen profitieren – ohne Risiko, wie Aulfes beteuert. Die 99 Jahre Laufzeit würden durch Rücklagen, Bürgschaften und Pachtverträge notariell abgesichert.

Rockahr: „Die Leute wollen in den Wald“

Heinz Theo Rockahr, Ortsbürgermeister von Thönse, ist ein Befürworter eines ortsnahen Angebotes von Waldbestattungen, obwohl er als Bestatter mit konventionellen Bestattungen nach eigener Aussage mehr verdienen könnte. „Das nimmt zu“, ist er sicher. „Die Leute wollen in den Wald.“  Für den Schelp-Forst spreche seine gute Erreichbarkeit und, dass man die Kapelle auf dem benachbarten kommunalen Friedhof mitnutzen könnte. „Wenn ich jünger wäre, würde ich mich beteiligen“, sagt der 70-jährige Rockahr. Denn das sei sicher: Der aktuelle Beerdigungs-Exodus würde sich umkehren. „Viele würden von außerhalb kommen.“

Von Martin Lauber

Auf dem kommunalen Waldfriedhof in Wettmar sind ab sofort Bbestattungen unter insgesamt 40 Bäumen möglich. Dafür hat die Stadt Burgwedel den Bereich unter den Eichen für 45.000 Euro umgestaltet. 

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