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Burgwedel Defekte Mehrfachsteckdose löste tödlichen Brand aus
Umland Burgwedel Defekte Mehrfachsteckdose löste tödlichen Brand aus
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00:16 21.03.2019
Die Drehleiter und ein Löschfahrzeug aus Langenhagen am Einsatzort in Großburgwedel. Quelle: privat
Großburgwedel

Ein technischer Defekt an einer Mehrfachsteckdose hat den folgenschweren Brand in einem Mehrfamilienhaus an der Straße Im Steinkamp ausgelöst. Davon gehen die Ermittler der Polizei aus, die den Brandort am Montag untersucht haben. Bei dem Feuer am Sonntagmorgen war ein 67 Jahre alter Mann ums Leben gekommen.

Den entstandenen Schaden schätzt die Polizei auf rund 200.000 Euro. Teile des Hauses sind derzeit unbewohnbar. Alle Bewohner konnten laut der Stadtverwaltung bei Freunden und Verwandten unterkommen. Andernfalls hätte die Stadt ihnen eine Unterkunft zur Verfügung gestellt.

Brand bricht in Arbeitszimmer aus

Den ersten Ermittlungen der Polizei zufolge war das Feuer gegen 10.10 Uhr im Arbeitszimmer im ersten Stock ausgebrochen, in dem sich der 67-Jährige zu diesem Zeitpunkt aufhielt. „Die Flammen breiteten sich schnell im Zimmer aus und griffen auch auf den Flur über“, teilte Polizeisprecherin Isabel Christian mit. Nach Informationen dieser Zeitung könnte ein Beatmungsgerät mit Sauerstoffflasche eine Rolle dabei gespielt haben, dass sich die Flammen derart schnell ausbreiten konnten.

Ein Brand in einem Mehrfamilienhaus in Großburgwedel hat am Sonntagmorgen einen Toten gefordert. Neun weitere Menschen wurden verletzt.

Der 67-Jährige konnte die Wohnung nicht mehr selbstständig verlassen, die alarmierten Rettungskräfte entdeckten ihn auf dem Balkon. Trotz sofort eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen verstarb der Mann noch vor Ort.

Ehefrau erleidet schwere Rauchgasvergiftung

Seine gleichaltrige Ehefrau hatte sich durch das Treppenhaus in Sicherheit bringen können. Sie erlitt eine Rauchgasvergiftung und wurde stationär in eine Klinik aufgenommen. Acht weitere Bewohner des Mehrfamilienhauses zwischen zwei und 73 Jahren wurden durch das Rauchgas leicht verletzt, sie wurden ambulant in Krankenhäusern behandelt. Eine Belastungsprobe war der folgenreiche Brand auch für die Einsatzkräfte: Ein jüngerer Kamerad habe vor Ort kurz seelsorgerisch betreut werden müssen, gab Burgwedels Stadtbrandmeister Ingo Motl Auskunft.

Drehleiter ist nach 15 Minuten vor Ort

Dass in Ermangelung einer eigenen Drehleiter in Burgwedel die Langenhagener Drehleiter angefordert werden musste, hatte bei manchem Augenzeugen vor Ort wie auch in Kommentaren in den sozialen Netzwerken im Internet für Entsetzen und Kritik gesorgt. Laut Langenhagens Stadtfeuerwehrsprecher Stephan Bommert hatte es von der Alarmierung bis zum Eintreffen der Langenhagener Drehleiter in Großburgwedel 15 Minuten gedauert, bei elf Minuten reiner Fahrtzeit.

Am Montagmorgen wandte sich der Großburgwedeler Marcus Fortmüller an die Redaktion, der tags zuvor Zeugen des Einsatzes geworden war. In Burgwedel gebe es noch viel höhere Gebäude, beispielsweise am Pappelweg. „Nicht auszudenken was passiert, wenn hier nicht binnen Minuten Menschen aus einer ähnlichen Situation wie Im Steinkamp gerettet werden können“, so Fortmüller. In einer der reichsten Kommunen Niedersachsens müsse die Politik endlich grünes Licht für eine eigene Drehleiter geben, so seine Forderung.

Motl: Einsatz seriös nachbearbeiten

Stadtbrandmeister Motl stellte gestern allerdings in Frage, ob die Drehleiter bei dem konkreten Einsatz am Sonntag überhaupt das entscheidende Rettungsmittel war – sprich, ob der Bewohner hätte gerettet werden können, wenn die Drehleiter schneller vor Ort gewesen wäre. Bei allem Verständnis für die hochschwappenden Emotionen: „Der Einsatz hat eine seriöse Nachbearbeitung verdient.“

Losgelöst vom Brandeinsatz vom Sonntag bleibe die Stadtfeuerwehr aber grundsätzlich bei ihrer Forderung nach einer Drehleiter, machte Motl deutlich – die ablehnende Haltung der Politik ändere nichts an den Argumenten. „Je eher eine Drehleiter vor Ort ist, desto besser“, so der Stadtbrandmeister.

Stadtverwaltung ist tief betroffen

Die Stadtverwaltung äußerte sich am Montag tief betroffen über den Todesfall bei dem Wohnungsbrand. Man sei froh, dass alle anderen Bewohner aus dem Haus gerettet werden konnten. „Wir wünschen, dass die verletzten Hausbewohner schnell genesen und das Erlebte verarbeiten mögen“, hieß es in einer Stellungnahme. Der Einsatz müsse nun hinsichtlich der Einsatzzeiten analysiert werden, bevor eine abschließende Einschätzung zur Diskussion um eine eigene Drehleiter für Burgwedel gegeben werden könne.

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Von Frank Walter

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