Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Garbsen Nur die Hälfte der Studenten sind am Campus
Umland Garbsen Nur die Hälfte der Studenten sind am Campus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:58 30.11.2018
162 Studenten finden im neuen Studentenwohnheim am Campus Platz. Beim Wohnungsbau nimmt Bürgermeister Christian Grahl die Masterstudenten ins Visier. Quelle: Gerko Naumann
Garbsen

In elf Monaten zieht die Fakultät Maschinenbau nach Garbsen. Wie viele Menschen kommen da? Werden das tägliche Schichtwechsel wie bei VWN mit Kolonnen von Autos und verstopften Stadtbahnen? Die Fakultät ist mit knapp 4000 Studenten und 700 Mitarbeitern eine der größten der Uni Hannover. Tatsächlich werden nach Prognosen und Erfahrungswerten voraussichtlich maximal 2000 Studenten täglich in Garbsen sein. So sieht es der Studienverlaufsplan vor. Und dieser Plan sieht ganz anders aus, als sich das Uni und Stadt Garbsen vor einem Jahr noch vorgestellt haben.

Basis-Vorlesungen bleiben in Hannover

Die Stadt hatte – im eigenen und im Interesse der Studenten gehofft: Alle Lehrveranstaltungen in Garbsen, kein permanentes Pendeln zwischen Garbsen und Hannover, mehr junge Menschen im Stadtbild, mehr Einkauf, mehr Kneipenpublikum, mehr Mitglieder für die Sportvereine, letztlich auch mehr Einwohner. Dass er Wohnungen für vielleicht 3000 Uni-Angehörige bauen lassen muss, damit rechnet Bürgermeister Christian Grahl jetzt längst nicht mehr. Denn die Uni hat sich für das Pendler-Modell entschieden.

Die Bachelor-Studenten werden in den ersten Semestern zwischen Garbsen und Hannover pendeln. Grund dafür sind die großen Einführungsvorlesungen mit bis zu 800 Bachelor-Studenten aus Fakultäten wie Mathematik/Physik oder Naturwissenschaften. Diese Vorlesungen vermitteln das Basiswissen. Mit etwa 300 Studenten pro Jahr bilden die Maschinenbauer dort die Minderheit.

„Räumlich ist die Universität für diese Vorlesungen bereits ausgestattet“, sagt Studiendekan Stephan Kabelac. Deshalb wurde im Campus kein Hörsaal dieser Größe gebaut. Die Konsequenz: Die Bachelor-Studenten kommen nur zu kleineren Seminaren nach Garbsen. In den ersten beiden Semestern beschränkt sich das auf einen Tag in der Woche, im dritten und vierten auf drei. Erst in den beiden letzten Semestern und im Masterstudium sind die Studenten an fünf Tagen am neuen Campus. „Gewünscht hätten wir uns einen eigenen Hörsaal für Garbsen schon. Wir sehen so eine Verteilung auf zwei Standorte als nicht optimal“, sagt Kabelac.

Neben dem Campus Maschinenbau wird ein Wohnheim für mehr als 160 Studenten gebaut. Bei der Grundsteinlegung haben die Verantwortlichen eine „Zeitkapsel“ eingemauert.

Studenten müssen pendeln

Laut Kabelac habe die Universität nach Lösungen für einen durchgehenden Lehrbetrieb in Garbsen gesucht: Eine Option war, die großen Vorlesungen zu teilen. Maschinenbau in Garbsen, Studenten der übrigen Fakultäten in Hannover. Zweite Option: Videoübertragungen von Hannover nach Garbsen. „Die Summe der Vorlesungen für die Dozenten zu verdoppeln, stößt aber nicht auf Gegenliebe“, sagt Kabelac. Und für die Umsetzung einer Videoübertragung fehle es an technischen Möglichkeiten. So bleibe der Universität keine andere Möglichkeit, als die Studienanfänger pendeln zu lassen.

„Die Entscheidung müssen wir akzeptieren“, sagt Garbsens Bürgermeister Grahl. Er hat die Planung seit Jahresbeginn verfolgt, kennt den genauen Studienverlauf aber erst seit zwei Wochen. Grahl hatte der Universität angeboten, zum Beispiel das Cinestar vormittags als Vorlesungssaal zu nutzen. Dieser Vorschlag sei aus verschiedenen Gründen abgelehnt worden. Grahl hatte bei Investoren für die Neue Mitte auch darum geworben, Multifunktionsräume für Seminare, Vorlesungen, Symposien und Kulturveranstaltungen zu schaffen, um Engpässe am Campus abzufedern und Kulturtreibenden eine professionelle Bühne zu geben. Vorerst gibt es dafür keinen Bedarf. Die Pendler-Entscheidung der Uni hat damit unmittelbare Auswirkungen auf die Stadtentwicklung.

„Ich kann auch verstehen, dass die Bachelor-Studenten nun eher in Hannover nach einer Wohnung suchen werden“, sagt Grahl. Beim Wohnungsbauprogramm nimmt er jetzt die älteren Semester im Masterstudium, die Doktoranden, die wissenschaftlichen, gewerblichen und die Mitarbeiter in den Institutsverwaltungen in den Fokus.

„Sie werden Wohnungen brauchen und auch in Garbsen suchen“, sagt Grahl. Eine Erhebung der Universität zeige, dass 60 Prozent der Master-Studenten von externen Universitäten, also nicht aus Hannover, kämen. Dass nicht alle Studenten an fünf Tagen in der Woche in Garbsen sind, würde am Wohnungsbau für Garbsen nichts ändern, sagt Grahl. „Die Verwaltung setzt sich nach wie vor für eine gute Infrastruktur ein. Wir bauen ein Wohnheim, eine Kita, Straßen und werben massiv für den Radschnellweg.“ Er setze darauf, dass sich der Standort Garbsen über die Jahre entwickelt. „Die beliebte Nordstadt ist auch nicht von einem Tag auf den anderen so geworden, wie sie heute ist. Das ist ein Prozess, der auch in Garbsen einige Zeit brauchen wird und bei dem die Universität und die Stadt sich gegenseitig inspirieren werden.“

Alle Berichte rund um den neuen Campus Maschinenbau in Garbsen finden Sie in unserem Multimedia-Dossier.

Von Joanna von Graefe und Linda Tonn

Garbsen Unsere Veranstaltungstipps - Das ist am Wochenende in Garbsen los

Weihnachtsmärkte und Adventliches, Jazzabend mit der Big Band, Theater im Kulturverein und Bachmanns Comedy Corner. Das und mehr ist am Wochenende in Garbsen los.

30.11.2018

Die Bürgerinitiative „Besser ohne Nachtflug – Hannover Airport“ hat bei einer Versammlung im Hotel Körber in Osterwald ihre Anliegen vorgestellt. Ihr Ziel ist ein Nachtflugverbot.

29.11.2018

Ein Investor aus Bergisch-Gladbach baut das Nord-West-Zentrum bis Ende 2019 für mehr als 10 Millionen Euro um. Als neue Geschäfte ziehen TK Maxx, die Drogerie dm und das Siemes-Schuhcenter ein.

02.12.2018