Corona in Garbsen: Wochenmarkt-Händler befürchten Einbußen
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Corona in Garbsen: Wochenmarkt-Händler befürchten Einbußen

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16:09 21.03.2020
Vitamine sind wichtig: Ahmet Kalyon (links) kauft Mandarinen am Stand von Emre Coskun auf dem Wochenmarkt im Herzen der Horst.
Vitamine sind wichtig: Ahmet Kalyon (links) kauft Mandarinen am Stand von Emre Coskun auf dem Wochenmarkt im Herzen der Horst. Quelle: Jutta Grätz
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Auf der Horst

„Bitte Abstand halten“ – dieser Satz war am Freitagnachmittag auf dem Wochenmarkt auf dem Hérouville-St.-Clair-Platz wohl am häufigsten zu hören – und zwar bei Händlern und Kunden. An den fünf Verkaufsständen im Herzen der Horst drängte sich niemand: Deutlich weniger Kunden als üblich waren unterwegs. Viele Kunden schätzten das, den Händlern macht es Sorgen. Ein Besuch.

„Beim Einkauf an der frischen Luft fühle ich mich viel sicherer als im Supermarkt“, sagt eine Kundin, die gerade Tomaten und Gurken am Stand von Emre Coskun gekauft hat. „Hier kann ich viel besser Abstand halten, und die Atmosphäre ist längst nicht so erdrückend, als wenn fast alle Mundschutz tragen.“ Menschen mit Mundschutz sind auf dem Wochenmarkt zwar nicht zu sehen, die meisten der Händler tragen aber Einweghandschuhe. So wie Turgut Öncü, der schon seit mehr als 20 Jahren am Freitagnachmittag seinen Stand zwischen Schwimmbad und Supermarkt aufbaut.

Kunden sind vorsichtiger geworden

„Wir haben uns der aktuellen Situation angepasst“, sagt der Händler, der an einem meterlangen Stand Obst und Gemüse anbietet und einer Kundin rote Weintrauben zeigt. Er und seine Mitarbeiter desinfizieren so oft die Hände wie möglich, hoffen auf ausreichend Abstand. „Die meisten unserer Kunden sind jetzt auch vorsichtiger geworden“, hat er beobachtet. „Das ist schon ein Unterschied zur vergangenen Woche.“

Nein, Umsatzeinbußen hätten sie noch nicht. „Wir haben viele Stammkunden, aber wer weiß, was noch kommt“, sagt Öncü und schaut sich auf dem verwaisten Platz um. Abstand halten heißt es auch am Verkaufswagen eine Händlers, der überwiegend russische Waren anbietet – Wurst, Kekse und Süßigkeiten. Dieser Einkauf sei viel angenehmer als im Supermarkt, sagt auch eine junge Frau. „Ich muss es wissen“, fügt sie hinzu. „Ich arbeite dort, und zurzeit kommen dorthin ganze Familien – das ist wirklich unverständlich bei der aktuellen Ansteckungsgefahr.“

„Wir haben unsere Händler detailliert zu Hygienevorschriften informiert und angewiesen “, sagt Marktleiter Frank Werner, der die Garbsener Wochenmärkte am Hérouville-St.-Clair-Platz und am Kastanienplatz in Altgarbsen betreut. Auch die Händler seien froh, dass sie im Freien arbeiten dürften. Und dass sie öffnen dürften. „Die Wochenmärkte dienen der Versorgung der Bevölkerung“, sagt Werner, „Und sind damit dem Supermärkten gleichgestellt.“

Kartoffeln und Zwiebeln sind der Renner

Am Stand von Öncü drängen sich die Kunden derweil um einen Wagen mit Kartoffelsäcken. „Zwei Säcke kosten 5 Euro“, sagt ein junges Paar erfreut. „Wir hamstern nicht, nehmen aber dennoch zwei Säcke mit.“ Weniger Kunden, aber größere Umsätze, das hat auch der Verkäufer von schlesischen Wurstwaren beobachtet.

„Renner sind bei uns momentan Kartoffeln, Knoblauch, Zwiebeln“, sagt Emre Coscun vom Stand gegenüber. „Keiner der Händler weiß, wie es weiter geht.“ Er habe beim Großmarkt zehn Paletten mit Ware bestellt, und drei bekommen. „Die Unsicherheit ist hoch und die Preise ziehen auch langsam an, sagt er und lässt Kunde Ahmet Kalyon von den Mandarinen probieren. „Vitamine sind wichtig, zu Coronazeiten mehr denn je“, sagt der junge Mann.

Was ist während und trotz der Corona-Krise auf Garbsens Wochenmärkten los? Wir haben mit Händlern und Kunden auf dem Markt auf dem Hérouville-St.-Clair-Platz gesprochen.

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Von Jutta Grätz