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Garbsen Fakultät will Erbe aus der Nordstadt erhalten
Umland Garbsen Fakultät will Erbe aus der Nordstadt erhalten
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10:13 19.10.2018
"Da steckt unheimlich viel drin": Eckhard Stasch will das Erbe des hannoverschen Maschinenbaus erhalten. Quelle: Linda Tonn
Garbsen/Hannover

Eckhard Stasch kann jeden Tag sehen, wie der Campus in Garbsen wächst. Er hat sein Büro im Produktionstechnischen Zentrum Hannover (PZH) direkt gegenüber der Baustelle. Stasch ist Projektleiter des Technik Salons und versucht das, was in den Universitätsinstituten geforscht und erarbeitet wird, erlebbar und verständlich zu machen. Beim Umzug der Fakultät für Maschinenbau kommt ihm eine ganz besondere Rolle zu: „Ich begleite das Ganze kulturell“, sagt er, und meint damit, dass er immer wieder schaut, was vom „Alten“ festgehalten und aufbewahrt werden kann – und auch sollte. Eines seiner Projekte ist eine Fotodokumentation der Institutsgebäude in der Nordstadt.

Auf dem neuen Campusgelände in Garbsen werden die unterschiedlichen Institute beinahe uniform in den Flachbauten untergebracht sein. In Hannover sind sie um das Welfenschloss verstreut und haben alle unverwechselbare Merkmale. Gemeinsam mit dem Fotografen Franz Bischof ist Stasch 12 Tage lang von Institut zu Institut gezogen und hat die Atmosphäre in ausdrucksstarken Bildern festhalten lassen. Man blickt in die gewaltige Halle des Instituts für Maschinenkonstruktion und Tribologie (IMKT), sieht Werkstätten und Materiallager. „Wir wollten wissen, was die einschlägigsten Versuchsgegenstände sind“, sagt Stasch.

Poesie der Räume festhalten

Generationen von Maschinenbaustudenten hätten in den ein wenig aus der Zeit gefallenen Räumen gelernt und gearbeitet – und im Herbst 2019 sei das alles Geschichte. Bischofs Bilder dokumentieren detailliert und kunstvoll den Alltag in den Instituten. Der Betrachter erkennt gewaltige Turbinen, Motoren, Leitstände und Arbeitsplätze. Gleichzeitig ist zu erkennen, wie die Zeit ihre Spuren in den Gebäuden hinterlassen hat. „Für mich hat das alles eine Poesie“, sagt Stasch. Bislang wurden die Bilder nur im Otto-Klüsener-Haus auf dem Campus in Hannover ausgestellt. „Man kann alles mögliche daraus machen“, findet Stasch. Wahrscheinlich werden einige der Fotos auch einen Platz in Garbsen finden.

Alte Geräte sammeln und aufbewaren

Neben der Erinnerung an die Institute in der hannoverschen Nordstadt sucht Stasch auch nach Wegen, ausrangierten Messgeräten, alten Computern, Bücher- und Zeitschriftenbeständen eine neue Bleibe zu suchen. Gerade ist er dabei, von Institut zu Institut zu ziehen und die Keller zu durchforsten und alte Schätze vor dem Müll zu retten. „Ich lege eine technische Sammlung an, die auch mit nach Garbsen ziehen wird“, sagt er. Gerade hat er eine Sammlung von Fachzeitschriften entdeckt, die bis ins Jahr 1900 zurückreicht. „Man kann daran toll den Aufstieg und Fall der Atomkraft nachvollziehen“, sagt er. Außerdem sei zur Jahrhundertwende die Dampfmaschine als innovative Technik gelobt worden, bevor sie vom Auto abgelöst wurde. „In solchen Funden steckt unheimlich viel drin“, sagt Stasch.

In den neuen Gebäuden am Maschinenbaucampus in Garbsen wird es keine Keller geben. Daher muss gut überlegt werden, was dort einen Platz finden soll und was nicht. „Viele Ingenieure haben dafür keinen Blick“, beobachtet Stasch. „Sie sind nur am Fortschritt interessiert und schauen nach vorn und nicht zurück.“ Dabei könne man an den alten Maschinen und Geräten so vieles erklären. „Für mich ist das ein kulturelles Erbe, das erhalten werden muss“, sagt er.

Von Linda Tonn

Der 26-jährige Phil Demter ist Mitglied des Fakultätsrats Maschinenbau und begleitet den Umzug. Er befürchtet, dass in Garbsen vieles verloren geht, was das Studieren in der Nordstadt ausmacht.

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