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Garbsen Joachim Runkel kennt Baustelle wie kein anderer
Umland Garbsen Joachim Runkel kennt Baustelle wie kein anderer
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15:35 19.10.2018
"Nur wenige kennen sich so gut aus wie ich": Joachim Runkel koordiniert die technischen Arbeiten. Quelle: Linda Tonn
Garbsen

Wer tagtäglich auf der Baustelle des Campus Maschinenbau unterwegs ist, muss immer eine Türklinke bei sich tragen – oder jedenfalls ein Werkzeug, das einer Türklinke ähnelt. Nur dann gelangt man ins Innere der Gebäude, in denen auf mehreren Etagen Büros, Werkstätten, Forschungsbereiche mit Maschinen und Hörsäle für die Fakultät Maschinenbau der Leibniz Universität Hannover entstehen. „Die Türen sind zwar schon da, aber die Klinken fehlen noch“, sagt Joachim Runkel. „Ein Schlüssel würde da wenig helfen.“ Der Ingenieur, orangefarbene Warnweste über weißem Hemd, kennt die neun Hektar große Baustelle wie kein anderer. Sicher bewegt er sich in den Rohbauten wie in den eigenen vier Wänden. Er kennt viele der Vorarbeiter genauso gut wie Stolperfallen und fehlende Geländer.

Bis zum Wintersemester 2019/20 die Studenten auf dem Campus Maschinenbau in Garbsen anfangen können, gibt es noch einiges zu tun. Die Gebäude stehen schon, jetzt steht der Innenausbau an. Ein Rundgang.

Bauarbeiten sind im Zeitplan

Runkel ist auf der Großbaustelle von Seiten der Fakultät für Maschinenbau für die technische Koordination zuständig und hat ein Auge auf die rund 150 Arbeiter, die täglich auf der Baustelle unterwegs sind. Seit 2008 ist der Ingenieur, der sich früher als Oberingenieur mit Kerntechnik beschäftigte und fünf Jahre im niedersächsischen Landtag saß, mit dem Projekt betraut. Auf der Baustelle ist er seit dem ersten Spatenstich 2015. Sein Computer steht in einem weißen Baucontainer gleich neben dem Schrank mit den Helmen und Sicherheitsschuhen. Runkel hat die Pläne im Kopf, er weiß, was die insgesamt 13 verschiedenen Institute brauchen und wie sie ausgestattet sein müssen.

"Nur wenige kennen sich so gut aus wie ich": Ingenieur Joachim Runkel koordiniert die technischen Arbeiten. Quelle: Linda Tonn

Wo ein Laie bislang nur Betonwände, lose Kabel und unfertige Treppenhäuser erkennt, sieht der Ingenieur Fundamente die schwingen, Lüftungskanäle, Steuerkabinen und Reinräume in denen die Temperatur konstant bleibt. Drei fast baugleiche Institutsgebäude sind auf dem Gelände zu finden, daneben unter anderem ein Hörsaalgebäude, ein Forschungsgebäude, die Mensa. Bis hier in knapp einem Jahr die Studenten ihre hungrigen Mägen füllen, muss aber noch einiges passieren. „Die Bauarbeiten sind im Zeitplan“, sagt Runkel – obwohl der heiße Sommer den Arbeitern teilweise sehr zu schaffen machte. „Im Zeitplan“ heißt, dass in einigen Räumen schon die Deckenlampen hängen, während in anderen noch der Dämmschaum aus der Wand quillt.

Farbkonzept für die Räume

Ein künftiges Büro hat Runkel allerdings schon, in der ersten Etage eines der Institutsgebäude mit Blick auf einen Innenhof. „In der nächsten Woche kommt der Teppich“, sagt er und führt weiter ins Hörsaalgebäude. Durch ein großes Foyer gelangt man in die zwei Hörsäle, über zwei Etagen gebaut, einer mit grüner, der andere mit blauer Decke. Viele der Räume und Fassaden auf dem Campus folgen dem Farbkonzept des Schweizer Künstlers Jörg Niederberger. Ein ausgeklügeltes System kühlt und heizt die Hörsäle, später sollen die Studenten durch die oberen Türen rein und durch die unteren Türen rausgehen – alles hat hier ein System. Genauso wie die Löcher, die in einigen Wänden gelassen worden sind. „Manche Forschungsgeräte sind so groß, dass sie erst eingesetzt werden, bevor die Wand geschlossen wird“, erklärt Runkel.

Im Gesicht breitet sich ein Lächeln aus, wenn der Ingenieur von seinem Lieblingsbau spricht – einem dunklen, langgezogenen Gebäude auf der Südseite des Campus. Dort entsteht für knapp 15 Millionen Euro der Forschungsbau „Dynamik der Energieumwandlung“ (DEW). „Das ist unser Paradestück“, sagt Runkel und lüftet den Bauvorhang. In den riesigen Hallen winden sich Rohre an den Wänden empor und es lassen sich erste monströse Maschinen erkennen. In dem Bau werden Turbinen getestet und daran getüftelt, wie Triebwerke etwa von Flugzeugen leiser werden können.

Knapp 150 Millionen Euro kostet der Neubau des Campus Maschinenbau – eine Zahl die Heiner Bente von der Bauabteilung der Universität immer wieder hinterfragt. Er teilt sich mit Runkel das Büro und ist auf der Baustelle für die Kommunikation mit den Architekten und dem Bauleiter zuständig. „Ich manage alles“, sagt er. Bente rechnet, prüft und koordiniert die knapp 80 Firmen, die am Bau beteiligt sind. Der Architekt ist im Jahr 2012 in die Leitung der Baustelle eingestiegen. „Die Baustelle ist herausfordernd und deshalb interessant“, sagt er. Der Campus sei das Ergebnis eines Gesamtteams: „Jeder Handwerker ist genauso wichtig wie die Planer.“

Hier geht es weiter zu allen Geschichten rund um den Campus Maschinenbau Garbsen.

"Jeder Handwerker ist genau so wichtig wie ein Planer": Heiner Bente behält die Arbeit auf der Baustelle im Blick. Quelle: Linda Tonn

Von Linda Tonn

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