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Garbsen So funktioniert die Arbeit auf der Campus-Baustelle
Umland Garbsen So funktioniert die Arbeit auf der Campus-Baustelle
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11:14 04.01.2019
Auf der Campus-Baustelle arbeiten 200 Menschen aus 50 Gewerken. Quelle: Collage: HAZ Garbsen
Garbsen-Mitte

Ein Tag kann auf der Baustelle des Campus Maschinenbau in Garbsen Millionen kosten. Ein Tag, an dem Material nicht geliefert wird, Bauarbeiter im Stau stehen, ein Platzregen niedergeht. „Der Forschungsbau zum Beispiel kostet mehr als 40 Millionen Euro und wird unter anderem vom Bund gefördert“, sagt Heiner Bente vom Sachgebiet Bau der Leibniz Universität Hannover. Der Architekt koordiniert die Arbeiten auf der Großbaustelle in Garbsen. „Um das Geld zu bekommen, müssen wir ein sehr enges Zeitfenster einhalten.“ Mit jedem Tag, an dem etwas schief gehe, steige der Druck.

Die Campus-Baustelle in Zahlen

Auf der neun Hektar großen Baustelle sind vom Dachdecker bis zum Kühltechniker und Gartenbauer 40 bis 50 Gewerke tätig. 150 bis 200 Arbeiter sind täglich auf dem Gelände unterwegs. Sie verbauen tausende Kilogramm Beton, verlegen kilometerlange Kabelbahnen und graben zentnerweise Erdboden um. Allein im Rohbau kamen 4500 Tonnen Stahl und 23.600 Kubikmeter Beton zum Einsatz. Mehr als 2000 Fertigteile wurden verbaut. Auf der Baustelle sind allein 15 Kilometer Rohre mit einem Außendurchmesser von 630 Millimetern verlegt. Dachdecker mussten mehr als 21.000 Quadratmeter Dachflächen decken, sie werden von 2.500 Metern sogenannten Attikablechen abgeschlossen. Durch insgesamt 174 Lichtkuppeln fällt das Tageslicht in die acht Gebäude.

Die Trockenbauer haben schon jetzt 80.000 Quadratmeter Gipskarton und 2800 Quadratmeter Zementbauplatten verbaut. Dazu kommen 51.000 Meter Wandprofile und 18.000 Quadratmeter Mineralwolle. Ähnliche Dimensionen können auch die Garten- und Landschaftsbauer verzeichnen: 15.000 Quadratmeter Boden haben sie bereits bewegt, 1800 Meter Rinnen gesetzt und 10.000 Quadratmeter Platten verlegt. Der gesamte Campus thront auf etwa 6650 Rüttelstopfsäulen. Sie verbessern den Baugrund. ton

Gemeinsam mit seinen Kollegen führt Bente ein Großprojekt. Seit dem Baubeginn 2015 sind täglich bis zu 200 Personen auf der Baustelle unterwegs. 50 Gewerke von Dachdecker, Kühltechniker, Trockenbauer bis Landschaftsbauer sind im Einsatz, damit Studenten und Mitarbeiter der Fakultät für Maschinenbau die acht Gebäude im Herbst 2019 in Betrieb nehmen können. Er sei so sortiert, dass er gut schlafen könne, sagt Bente. Bei der Anzahl möglicher Probleme scheint das fast unmöglich: Regen, Frost, Hitze und Sturm können die Bauarbeiten ebenso zurückwerfen, wie ein Stau auf der Autobahn. „Wenn Material nicht geliefert werden kann, kann nicht nur eine Firma nicht weiterarbeiten, sondern auch die, die folgen“, sagt Bente. Die Arbeit auf der Campus-Baustelle sei ein dichtes Geflecht aus feinen Abstimmungen und technischen Abhängigkeiten. Wenn sich Verzögerungen summierten, gerate der gesamte Betrieb in Verzug.

Regelmäßige Baubesprechungen

Damit auf der Baustelle zumindest ein grober Terminplan eingehalten werden kann, trommeln die etwa 13 Bauleiter die Vertreter der Baufirmen einmal wöchentlich zu einer großen Baubesprechung an einen Tisch. „Wir sprechen über aktuelle Schwerpunkte und Probleme“, erklärt Bauleiter Julian von Frisch. „Viele Entscheidungen werden allerdings nicht in Besprechungen, sondern direkt auf der Baustelle getroffen.“ Da könne man nicht warten. Dass Heiner Bentes Telefon stumm bleibt, ist eher selten. Immer wieder tauchen Fragen und Schwierigkeiten auf. „Jedes Gewerk verfolgt auch seinen eigenen Plan“, sagt er. „Und dann passiert es auch, dass plötzlich ein Rohr aus der Wand ragt und es gibt gar keinen Anschluss.“ Dann muss Bente eine schnelle Lösung finden.

„Die Arbeiten sind im Zeitplan“, heißt es immer wieder. Für Bente und von Frisch bedeutet das, dass sie alles, was die Abläufe auf der Baustelle behindert, aus dem Weg räumen. Die Kostensituation sei angespannt, so von Frisch. 150 Millionen kostet der Neubau – bislang. „Manchmal lässt es sich auch nicht vermeiden, dass wir unkonventionelle und auch teurere Entscheidungen treffen“, sagt er. Doch die Zeit sitze ihnen im Nacken. Der Termin für die Eröffnung steht.

Druck bis zur Eröffnung steigt

Abläufe auf der Großbaustelle zu koordinieren bedeutet für Bente und von Frisch auch, die große Menge an Arbeitern als Team zusammenzuhalten. „Wir sind viele verschiedene Gruppen auf der Baustelle“, sagt Bente. Und manchmal machten sie sich gegenseitig das Leben schwer. „Es wird Baumaterial dort abgelegt, wo andere arbeiten müssen und dann verstehen viele der Arbeiter auch kein Deutsch“, sagt von Frisch. Die kommenden Monate werden auf der Campus-Baustelle besonders anspruchsvoll. „Am Ende müssen alle Gewerke schnell durchkommen“, erklärt von Frisch. Es werde aufwändig alles aufeinander abzustimmen – vor allem die Feinjustierungen ganz am Ende. „Das wird noch einmal anstrengend“, sagt Bente. Denn alle Zeit, die man verliere, koste Geld. Ein Zurück vom Eröffnungstermin gibt es nicht. „In Hannover stehen viele schon in den Startlöchern, die die Räume, die frei werden nutzen wollen.“

Andreas Oldvader vom Bauunternehmen ASS-Bau Liebenau arbeitet auf der Campus Baustelle am Rohbau mit. Dieses Mauerwerk wurde erst verschlossen, nachdem das Blockheizkraftwerk geliefert wurde. Quelle: Joanna von Graefe

„Kein Problem, das wir nicht lösen können“

„Es macht mir Spaß, auf dieser Baustelle andere Herausforderungen zu haben“, erzählt Andreas Oldvader vom Bauunternehmen ASS-Liebenau. Seit 14 Monaten ist der Rohbauer an fünf Tagen in der Woche mit seinen Mitarbeitern auf der Campus-Baustelle. Das wird wohl auch noch bis zur Eröffnung im Herbst 2019 so bleiben. Mit Kelle, Hammer und Wasserwaage ziehen sie den Rohbau in die Höhe. Es ist eine besondere Baustelle für ihn. Der Zeitdruck ist hoch – die Anforderungen ebenfalls. Doch das gehöre auf dem Bau dazu, sagt Oldvader. „Es gibt kein Problem, dass wir nicht lösen können.“ Dass diese große Baustelle große Verantwortung mit sich bringt, soll ihn nicht aus der Ruhe bringen: „Wir haben viel Erfahrung und müssen uns daher wenig Sorgen machen.“

Unübersehbar sind die riesigen Öffnungen im Mauerwerk einiger Gebäude. Ist dort das Material ausgegangen? „Das ist Absicht“, erklärt Oldvader. Nur so können die gewaltigen Maschinen ihre neuen Räumlichkeiten beziehen. Vor Kurzem ist das Blockheizkraftwerk eingezogen, die Lücke in der Mauer wurde anschließend geschlossen. Und für den Fall, dass man etwas nachbessern oder austauschen muss, lässt sie sich ganz einfach wieder öffnen.

Der Bauleiter Anton Matan von der Firma Kaefer Constructions ist auf der Campus Baustelle für den Trockenbau zuständig. Quelle: Joanna von Graefe

„Die größte Baustelle, auf der ich je gearbeitet habe“

Für Anton Matan ist die Campus-Baustelle die größte, auf der er je gearbeitet hat: „An der Fläche gemessen – nicht am Auftragsvolumen“, sagt er. 80 000 Quadratmeter Gipskarton, 51 000 Meter Wandprofile, 2800 Quadratmeter Zementbauplatten und 18 000 Quadratmeter Mineralwolle gehen auf seine Schippe. Matan ist bei der Firma Kaefer Construction für den Trockenbau verantwortlich. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern zieht er Wände hoch. Jeden morgen kommt er aus dem Harz zur Baustelle gefahren. „Wenn ein Gebäude fertig wird, ist das für den Trockenbauer immer ein schönes Erfolgserlebnis“, sagt Matan. Zuweilen staune man, was dann alles in die Gebäude wandere.

„Jede Baustelle hat ihre eigenen Herausforderungen“, so der Trockenbauer. Auf dem Campus sei es die Kommunikation – denn wenn so viele Akteure beteiligt seien, müssten sehr klare Absprachen getroffen werden. „Die Besprechungen haben manchmal Dampf. Dann wird der Ton schon mal etwas rau“, erzählt Matan. „Aber auch das gehört zu einer Baustelle dazu und solange die Stimmung so bleibt, dass man abends noch bei einem Bier zusammensitzen kann, ist alles in Ordnung.“

Der Garten- und Landschaftsbauer Schünemann von der Firma Kretschmer ist auf der Campus Baustelle in Garbsen für die Außenanlage zuständig. Quelle: Joanna von Graefe

„Wenn nichts schief geht, blühen bald meine Bäume“

Für die Arbeit von Jürgen ­Schünemann ist das Wetter ganz entscheidend. Der Garten- und Landschaftsbauer aus Pattensen kümmert sich um die Außenanlage. Er plant Fahrwege, Rinnen und bepflanzt das Gelände. Der heiße Sommer hat ihm an einigen Stellen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Der Boden sei so trocken gewesen, dass man ihn nur schwer umgraben konnte. Zuvor hatte viel Regen im Winter die Baustelle an einigen Stellen überflutet. Schünemann ist regelmäßig mit dem Bagger auf der Baustelle unterwegs, um nach dem Rechten zu sehen. Denn auf so einem großen Gelände müssten alle Beteiligten besonders sensibel darauf achten, dass es keine Verzögerung in den Abläufen gäbe.

Zeit ist für viele Arbeiter Geld. „Die Koordination kann schon mal schwierig sein“, erklärt Schünemann. „Weil so große Kostenbeträge hinter unserer Arbeit stehen, bedeutet das manchmal mehr Stress, als ich das sonst auf kleineren Baustellen erlebe“, sagt er. Jetzt beginnt der Winter, doch das bereitet dem Gartenbauer keine Sorgen. Das Wetter werde sich voraussichtlich im Rahmen halten: „Wenn jetzt nichts schiefgeht, blühen bald schon meine Bäume.“

Michael Gerber ist für die Firma Popp & Lausser auf der Campus Baustelle für Kühlleitungen und Kühltechnik zuständig. Quelle: Joanna von Graefe

„Mit so komplexen Geräten hatte ich vorher nichts zu tun“

Michael Gerber kommt nicht aus der Region. Der Freiberger reist montags an und verbringt die Wochenenden in der Heimat in Sachsen. Tagsüber ist er auf der Baustelle – nachts im Hotel in Seelze. „Ich bekomme von der Stadt und Umgebung ehrlich gesagt nichts mit“, sagt er. Seine Firma Popp & Lausser hat Gerber für den Auftrag in den Norden geschickt. Für sie installiert er Kühltechnik für die Versuchsräume und verlegt lange Rohre. Gerber koordiniert die Arbeit, bestellt Material, erstellt Abrechnungen und kommuniziert den Auftrag an die Bauarbeiter. Für die Kommunikation ist Gerber auf Unterstützung aus den eigenen Reihen angewiesen, denn die meisten seiner Mitarbeiter kommen aus Serbien und sprechen kein Deutsch. „Zum Glück gibt es auch Bauarbeiter, die übersetzen können. Anders würde es nicht gehen.“ Mit so komplexen Geräten und Turbinen wie in den Versuchsräumen der Institute habe er vorher nichts zu tun gehabt, sagt der Klimatechniker. Letztlich sei es für ihn aber auch gar nicht relevant: „Ob wir Rohre in einer Kaffeefabrik oder einer Universität legen ist eigentlich egal. Entscheidend ist bei einem Bauprojekt viel mehr die Größe.“

Alle Geschichten rund um den Campus Garbsen finden Sie in unserem Multimedia-Dossier.

Von Linda Tonn

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