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Garbsen „Ich erwarte, dass man klotzt statt kleckert“
Umland Garbsen „Ich erwarte, dass man klotzt statt kleckert“
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13:19 30.11.2018
"Ich würde nicht nach Garbsen ziehen": Phil Demter begleitet den Umzug der Fakultät für Maschinenbau. Quelle: Linda Tonn
Garbsen/Hannover

Im Otto-Klüsener-Haus in der Hannoverschen Nordstadt haben die Maschinenbau-Studenten ihr Reich. Auf mehreren Etagen haben sie sich ausgebreitet. Man sieht unaufgeräumte Büros mit Plakaten an der Wand, zerschlissene Sofas, Tischkicker, gefüllte Kühlschränke, leere Flaschen und sogar ein Aquarium. Die Studenten verwalten das Gebäude selbst, es ist voll in ihrer Hand und für viele ein Gemeinschaftsort – auch über das Lernen hinaus. In einem der Büros sitzt der 26-jährige Phil Demter. Er ist Mitglied des Fakultätsrats Maschinenbau und begleitet den Umzug nach Garbsen – ein wenig widerwillig, wie er sagt. Vor einigen Jahren ließ er T-Shirts mit dem Spruch „Garbsen, nein danke“ bedrucken.

Wie hat es sich angefühlt, als Sie das erste Mal gehört haben, dass die Fakultät nach Garbsen ziehen muss?

Ich habe nichts gegen den Umzug nach Garbsen, bin weder glücklich noch unglücklich damit. Aber es gibt viele Punkte, die ich sehr kritisch sehe.

Zum Beispiel?

Es ist fatal, dass wir alleine umziehen, man arbeitet viel mit anderen Studiengängen zusammen. Ich habe auch die Befürchtung, dass nicht genug an die Zwischenstudiengänge, die an unserer und anderen Fakultäten studieren, gedacht wurde – die müssen dann ständig zwischen Hannover und Garbsen pendeln.

Würden Sie nach Garbsen ziehen?

Nein, auf keinen Fall. Aber ich bin auch schon in der Mitte des Masterstudiums. Das Hin- und Herfahren wird nervig sein, aber das nehme ich in Kauf. Ich glaube auch nicht, dass Studenten nach Garbsen ziehen werden. Sie werden sich eher Wohnungen in Hannover an der Stadtbahn suchen.

Wie gefällt Ihnen der neue Campus Maschinenbau?

Wenn man an den Stadtrand zieht, erwarte ich, dass man klotzt statt kleckert. Man hätte alles größer bauen können, stattdessen müssen wir uns verkleinern.

Was heißt das genau?

Hier in Hannover im Otto-Klüsener-Haus (OK-Haus) haben wir Studenten vier Stockwerke mit knapp 500 Quadratmeter zu unserer freien Verfügung. Jede Saalgemeinschaft kann sich ausbreiten. Auf dem Campus in Garbsen wird das auf zwei Stockwerke mit ca. 300 Quadratmetern zusammengeschrumpft. Man muss aber auch sagen, dass das schon Luxus ist. So viel Platz haben wenige Studenten. Dazu kommt ein drittes Stockwerk mit Aufenthaltsräumen, Kicker, Sofas und Räumen für den Fachschaftsrat.

Was geht verloren?

Die vielen Freiräume, die wir hier im OK-Haus haben. Die Saalgemeinschaften sind wie ein riesiger Freundeskreis. Man trifft hier in den Räumen zu jeder Tages- und Nachtzeit jemanden an. Auch an Weihnachten. In Garbsen wird das wahrscheinlich eher ein Campus, an dem sich die Studenten von 8 bis 18 Uhr aufhalten.

Was bietet die Lage in der Nordstadt noch?

Das lässt sich an einem einfachen Beispiel erklären. Wenn wir mittags essen gehen, können wir in die eine Richtung gehen und treffen die Physiker in der Hauptmensa. Oder wir gehen in die andere Richtung und treffen die Juristen am Conti-Campus. Oder wir suchen uns was auf dem Engelbosteler Damm. In Garbsen werden wir sehr isoliert sein.

Was ist daran so bedenklich?

Ich weiß nicht, ob das so ein tolles Aushängeschild ist. Wir sehen jetzt schon, dass die Zahlen der Bachelorstudenten sinken. Ich befürchte, dass das noch zunimmt, weil die Fakultät für Maschinenbau an den Stadtrand ausgelagert wird.

Was ist Ihre Aufgabe beim Umzug nach Garbsen?

Wir studentische Einrichtungen werden die ersten sein, die umziehen. Das begleite und organisiere unter anderem ich. Das OK-Haus existiert seit 50 Jahren. Da gibt es eine ganze Menge Zeug. Wir müssen katalogisieren, was umzugswürdig ist, ausmisten und bestimmen, was mit nach Garbsen kommt.

Können Sie dem Wechsel gar nichts Gutes abgewinnen?

Doch, natürlich. Es wird alles neu sein, das ist toll. Ich lasse mich gern überraschen und tu mein Bestes, dass es gut wird.

Interview: Linda Tonn

Hier geht es weiter mit allen Geschichten rund um den Campus Maschinenbau Garbsen.

Von Linda Tonn

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