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Garbsen Campus Garbsen: Neue Zeitrechnung für den Maschinenbau
Umland Garbsen

Der Campus Maschinenbau Garbsen ist eröffnet

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18:40 19.09.2019
Ein Rundgang führt die Vertreter von Politik und Universität auch in das Gebäude „Dynamik der Energiewandlung“. Quelle: Linda Tonn
Garbsen

Von einem „Meilenstein“ ist die Rede, von „exorbitant“ und einem entscheidenden Schritt in die Zukunft, von einem historischen Moment: Bei der Eröffnung des Campus Maschinenbau Garbsen (CMG) am Donnerstagmittag fallen große Worte über das aktuell größte Wissenschaftsbauwerk in Niedersachsen. Garbsens Bürgermeister Christian Grahl hängt die Latte ein wenig tiefer: „Der Campus ist ein Geschenk an die Stadt. Wir heißen die Fakultät Maschinenbau herzlich willkommen und nehmen die Verantwortung für dieses Geschenk an.“

Grahl weiß, dass das Geschenk nichts für die Vitrine ist. Es ist eher ein Baum, der Licht, Luft, Wasser und Platz braucht. „Gutes Klima eben“, sagt Grahl. „Wir als Politik und Verwaltung dürfen das Geschenk nicht als gegeben hinnehmen, sondern müssen ständig daran arbeiten, dass sich dieser Wissenschaftsstandort weiterentwickelt.“ Das sei die Verantwortung der Stadt.

Das Geschenk kostet rund 175 Millionen Euro. Inklusive der Campus-Kita (5 Millionen Euro), des Studentenwohnheims (12 Millionen Euro) und des Straßenbaus werden es rund 200 Millionen Euro. Es braucht die Fläche von 26 Fußballfeldern und wird das wissenschaftliche Zuhause von 3800 Studenten plus rund 1200 bis 1800 Mitarbeitern – die Zahlen unterscheiden sich von Redner zu Redner. Uni-Präsident Volker Epping, Ministerpräsident Stephan Weil, Wissenschaftsminister Björn Thümler, Regionspräsident Hauke Jagau, Bürgermeister Grahl, Hausherr Jörg Wallaschek als Dekan der Fakultät sowie Imke Struve und Jannis Vosberg als Vertreter der Studenten würdigen die Bedeutung des Vorhabens aus ihrer Sicht. Die Stadt Hannover hat keinen Repräsentanten entsandt.

Umzug soll im Frühjahr 2020 abgeschlossen sein

Und jetzt? Der Campus wird erst nach und nach in Betrieb gehen. Bis Ende April/Anfang Mai 2020 sollen alle Institute von der Nordstadt in Hannover umgezogen sein. Erst danach läuft der Forschungsbetrieb auf vollen Touren, wird studentisches Leben in der Stadt sichtbar. Für den Wissenschaftsstandort Garbsen ist die Eröffnung der bisher stärkste Turbo. „Wir wollen jetzt Brücken schlagen, damit das akademische Leben hier am Campus und das städtische Leben zusammenwachsen können“, sagt Grahl.

Garbsens Schuldezernentin Monika Probst will Kooperationen zwischen den Instituten und den Schulen anbahnen. Soziale, kulturelle und sportliche Vereine haben mit der Stadt ein Willkommenspaket für die Universitätsangehörigen geschnürt. Grahl verspricht in seiner Rede außerdem, das Projekt Radschnellweg ins Zentrum Hannovers weiter zu forcieren. Und er verspricht eine Aufwertung der Grünanlagen rund um den Campus (Baßriedebecken, Stadtpark). „Das liegt hier vor Ihrer Haustür. Wir entwickeln es zu dem, was für die Uni in Hannover der Große Garten ist“, sagt Grahl.

Aus dem Geschenk werde ein nachhaltiger Erfolg, „wenn Garbsen, Landeshauptstadt, Uni, Region und Land zusammenarbeiten“, sagt Grahl. „Bis wir allerdings die Kneipenvielfalt der Nordstadt erreicht haben, werden wir noch viele Biere trinken müssen.“

„Anbindung muss verbessert werden“

Bei den Studenten klingt die Euphorie noch ein wenig zurückhaltend. Es sei toll, den Campus jetzt so fertig zu sehen, sagt Vosberg vom Fachschaftsrat. Allerdings falle vielen der Abschied aus der Nordstadt schwer. „Wir hatten unsere Heimat im OK-Haus in der Nordstadt“, sagt Struve. Bis sie in Garbsen eine neue Heimat finden könnten, müsse noch einiges passieren. Die Verbindung zwischen beiden Städten müsse ausgebaut werden – vor allem in den Abendstunden. „Dann könnten wir unsere Räume in Garbsen auch wirklich nutzen.“

Immerhin sei das von den Studenten mitgestaltete IK-Haus ein großer Trost und eine Motivation für den Umzug nach Garbsen. Ihren Wohnsitz komplett an den neuen Standort zu verlegen könnten sich die meisten allerdings nicht vorstellen, sagt Voßberg. „Ich denke, viele werden sich Wohnungen in Herrenhausen oder Leinhausen nah an der Stadtbahn suchen.“

Sobi begrüßt die Gäste – die Prominenz setzt eine Mega-Maschine in Betrieb: Impressionen von der Eröffnungsfeier am Donnerstag.

Campus entwickelt sich weiter

Dass sich der Campus schon kurz nach der Eröffnung weiterentwickelt, wird in wenigen Wochen an der Straße zu den Kleingärten hinter dem Produktionstechnischen Zentrum Hannover (PZH) sichtbar: In diesem Jahr wird dort das neue Institut für Kunststoff- und Kreislaufwirtschaft gebaut, außerdem die Forschungseinrichtung Scale für die Entwicklung industrieller Großbauteile etwa für Kraftwerke. Die Region Hannover hat ein fertiges Konzept in der Tasche für eine Art Technologie-Transfer-Zentrum auf dem freien Acker an der Walter-Koch-Straße, damit junge Ingenieure ihre Ideen zusammen mit Wirtschaftspartnern zur Serienreife bringen können. Das Projekt ist noch sensibel, weil Hannover mit dem Taurus Technopark im Wissenschaftspark Marienwerder an den Start gehen will.

Grahl wehrt sich gegen jede Art von Wettbewerbsdenken zwischen Garbsen und Hannover. Auf dem Feld der Wissenschaft „ist Garbsen Hannover, und Hannover ist Garbsen. Wenn der Campus gut läuft, ist das ein Gewinn für die Leibniz-Universität und damit für Hannover, wirtschaftlich für die ganze Region“, sagt er. „Altes Kirchturmdenken ist passé. Für die Studenten zählt nicht, ob draußen Garbsen oder Hannover dran steht. Es zählen gute Studienbedingungen und ein nützliches und angenehmes Umfeld.“

Kauroff: Ingenieuren Perspektiven anbieten

Die CDU-Landtagsabgeordnete Editha Westmann erlebt es etwas schärfer: „Hannover hat die große Historie des Maschinenbaus, Garbsen hat die Zukunft.“ Sie erlebe landesweit keine Stadt, die sich so rasant verändert habe wie Garbsen. „Hier wird noch viel passieren“, sagt sie. Garbsens SPD-Landtagsabgeordneter Rüdiger Kauroff sieht ähnlich gute Perspektiven. „Dafür müssen sich aber unsere Wirtschaftsförderung und der Campus jetzt verzahnen. Nichts wäre schlimmer, als dass fertige Ingenieure ihre Firma gründen wollen und wir ihnen nichts anbieten können“, sagt er.

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