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Garbsen Freundeskreis verleiht Schülerpreise
Umland Garbsen Freundeskreis verleiht Schülerpreise
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00:17 31.03.2019
Die ausgezeichneten Schüler mit Laudator Roland Scharf. Quelle: Markus Holz
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Garbsen

Der Freundeskreis Garbsen hat am Donnerstagabend alles aufgefahren, was eine Ehrung besonderer Köpfe besonders macht: Sieben aufgeregte Preisträger, stolze Familien, Lehrer, denen die Freude im Gesicht abzulesen war: Der Verein hat sieben Schüler aus fünf weiterführenden Schulen mit Preisen für besonderes Engagement ausgezeichnet. Bürgermeister Christian Grahl stellte den Garbsener Parlamentssaal zur Verfügung. Die Rathausterrassen zauberten die Bewirtung, und die 37-köpfige Stageband des Geschwister-Scholl-Gymnasiums bewirtete die Ohren mit den passenden Arrangements „Fantasy“, „Fool on the hill“ und „I got the music in me“.

Fantasie haben die sieben jungen Leute an irgendeiner Stelle ihres Schullebens ganz sicher einsetzen müssen, um Ziele zu erreichen, Konflikte zu schlichten oder zu helfen. Als „foolish people“, dumme Leute, mögen sie von Mitschülern belächelt worden sein, weil sie Zeit investiert haben in den Kitt, der eine Klasse oder gar Schule zusammenhält. Und um den dritten Musiktitel zu zitieren: Alle sieben tragen etwas in ihrem Herzen, das einzigartig, wichtig und herausragend ist – eine Art soziales Gewissen.

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Der Freundeskreis Garbsen zeichnet im Rathaus sieben Jugendliche mit Schülerpreisen aus.

Die Geehrten sind in alphabetischer Reihe Celina Michelle Baier, Birte Neubauer, Mathis Hortig, Annika Probst, Aysenur Sengül, Artani Vasanthakumaran und Roldan Villacorta. Der Freundeskreis und die beratenden Lehrer haben diese sieben nicht (nur) wegen ihrer Noten nach vorne gebeten. Schulische Leistung allein hat für diesen Preis noch nie ausgereicht. „Häufig bleiben diejenigen, die ihre Kraft für andere einsetzen, unerwähnt“, sagte Laudator Professor Roland Scharf.

Die Jugendlichen seien ausgewählt worden, „weil sie wichtig sind für unsere Gesellschaft“, sagte Grahl. „Man darf sich nicht allein darauf verlassen, dass Schulen, Universitäten, Gerichte oder Parlamente schon alles richten werden. Es sind Individuen wie Sie, die solchen Institutionen Leben geben. Sie sind Schlüsselbürger für die Gestaltung der Zukunft.“ Solches Lob und die Urkunde wirken vielleicht tiefer und nachhaltiger, als die 500 Euro, die jeder Preisträger erhält.

Den Schülerpreis des Freundeskreises gibt es seit 2001. Der Mitbegründer des Vereins, Professor Heinz Haferkamp, hatte bis 2016 die Regie über die Auszeichnung. Danach setzte der Verein die Preisverleihung zwei Jahre aus. Roland Scharf hat sie in der Haferkampschen Tradition wieder aufleben lassen, aber frischer und näher an den jungen Menschen. Scharf legte ihnen drei Grundwerte ans Herz: Einfühlungsvermögen, Mut und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Alle drei sind den Jugendlichen nicht fremd, das zeigen kurze Blicke in ihre Karriere.

Celina Michelle Baier, IGS. Quelle: Markus Holz

Celina Michelle Baier ist in der Jugendfeuerwehr Heitlingen engagiert, als Tanzlehrerin für Kinder bei Wacker Osterwald und als Trainerin der Cheerleader im Musikcorps Altgarbsen. Die nächsten Ziele der IGS-Schülerin sind der erweiterte Realschulabschluss und eine Ausbildung zur Bürokauffrau.

Birte Neubauer, IGS. Quelle: Markus Holz

Birte Neubauer absolviert jetzt ihre Abiturprüfungen an der IGS. Sie ist leidenschaftliche Lacrosse-Spielerin und vor wenigen Tagen in die deutsche Nationalmannschaft berufen worden. Sie ist Juniorbotschafterin des Europaparlamentes und Betreuerin von Kindern im dreiwöchigen S0mmercamp und im zweiwöchigen IGS-Nachhilfeprojekt während der Osterferien.

Mathis Hortig, Oberschule Berenbostel. Quelle: Markus Holz

Mathis Hortig kommt aus dem Realschulzweig der Oberschule Berenbostel. Der Trompeter ist einer der wenigen Mitglieder in der Stageband, der nicht vom Gymnasium kommt. „Er ist während seiner Praktika im Landesblindenzentrum Hannover mit seiner besonderen Freundlichkeit aufgefallen“, sagte Scharf. Hortigs Ziele: Abitur, Studium, Lehrer werden. „Ich glaube, Sie bringen ganz tolle Voraussetzungen mit“, sagte Scharf.

Annika Probst, Geschwister-Scholl-Gymnasium. Quelle: Markus Holz

Annika Probst, angehende Abiturientin vom Geschwister-Scholl-Gymnasium, hat als besonderes Hobby Nachhilfe für behinderte Kinder. Sie hat das anerkannte Delf-Sprachdiplom für Französisch erworben und im internationalen Vorlesewettbewerb der Stadt gesiegt.

Aysenur Sengül, Hauptschule Nikolaus Kopernikus. Quelle: Markus Holz

Aysenur Sengül von der Hauptschule Nikolaus Kopernikus, unter anderem Mitglied der Schülerband, ist dem Freundeskreis aufgefallen, weil sie sehr gerne und herzlich besonders älteren Menschen hilft.

Artani Vasanthakumaran, IGS. Quelle: Markus Holz

Artani Vasanthakumaran, angehende Abiturientin am Johannes-Kepler-Gymnasium, ist gebürtige Tamilin. Sie hat verstanden, dass Integration nur über Sprache gelingt. Artani hilft Kindern aus Migrationsfamilien, nach zehn Jahren Schule einen Abschluss zu schaffen.

Roldan Villacorta, Oberschule Berenbostel. Quelle: Markus Holz

Roldan Villacorta hat die vielleicht erstaunlichste Entwicklung aller Preisträger. 2016 konnten sich Lehrer an der Georg-Elser-Hauptschule mit ihm nur auf Englisch verständigen. Der Teakwondo-Leistungssportler war zwei Jahre später Klassenbester und Schülersprecher. Er hilft Jugendlichen, die die Schule aus gesundheitlichen Gründen längere Zeit nicht besuchen können. An der Leibniz-Uni lernt er ab Sommer den Beruf des Industriemechaniker.

Von Markus Holz