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Garbsen Auf Tour mit dem Fahrservice des DRK
Umland Garbsen

Garbsen: Auf Tour mit dem Fahrservice des DRK in Berenbostel

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06:00 20.09.2019
Ingo Breitwieser (links) und Dennis Wieczorek vom DRK-Fahrservice helfen einer Frau in ihre Wohnung. Quelle: Gerko Naumann
Berenbostel

Jeder Arbeitstag beginnt für Dennis Wieczorek und Ingo Breitwieser mit einem gewissen Überraschungseffekt. Beide sind seit Jahren für den Fahrservice des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Berenbostel im Einsatz. Und sie erfahren erst morgens in der Wache per Telefon, wohin sie ihre erste Tour führt. Heute liegt das Ziel im Zooviertel in Hannover. Für Wieczorek und Breitwieser heißt es also: Ab auf die Autobahn 2 – aufgrund von Baustellen und Staus verständlicherweise nicht gerade die liebste Strecke der beiden.

Zwischen Taxi und Krankentransport

Unterwegs bereitet Wieczorek schon mal den Papierkram vor, der zur lästigen Pflicht gehört. Parallel erklärt er, was so ein Fahrservice überhaupt macht, der allein in und um Hannover 22.000-mal pro Jahr angefordert wird. „Wir sind das fehlende Puzzleteil zwischen einem Taxi und einem Krankentransport mit Sanitätern an Bord“, beschreibt Wieczorek seinen Beruf. Den macht der gelernte Tankwart seit sieben Jahren – das erste davon im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres. Konkret bedeutet das: Die DRK-Mitarbeiter fahren Menschen, vor allem Senioren, zu Arztterminen oder ins Krankenhaus – oder holen sie von dort ab und bringen sie nach Hause.

Das ist der Fahrdienst des DRK in der Region Hannover

Beim DRK-Fahrservice heißen die Kunden nicht Patienten, sondern Fahrgäste. Unterwegs werden – außer im akuten Notfall – keine medizinischen Leistungen angeboten. Es handelt sich um sogenannte Personenbeförderungen. Diese führen meist zu Ärzten oder anderen Behandlungen. Zudem gibt es Schülertransporte und private Fahrten, etwa zu Firmenfeiern.

Im Jahr 2018 sind beim Roten Kreuz in der Stadt Hannover und im Umland mehr als 22.000 solcher Fahrten gebucht worden, sagt Fahrdienstleiter Henrik Töpfer. Derzeit stehen dafür 19 Fahrzeuge an sechs Standorten bereit. Die werden von der Zentrale des DRK in Springe aus koordiniert, die im Oktober nach Laatzen umzieht.

Die Kosten trägt in der Regel die Krankenkasse. Rechtlich gilt der Service als Taxigewerbe. Die Mitbewerber des DRK sind andere Hilfsorganisationen, Taxiunternehmen und private Anbieter. Die Mitarbeiter müssen neben einem Führerschein auch einen Personenbeförderungsschein vorweisen. Die Fahrer erhalten den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn, der liegt derzeit bei 9,19 Euro pro Stunde.

So wie die ältere Dame, die die beiden DRK-Fahrer als Nächstes aus einer Dialysepraxis in Burgwedel abholen. Die Seniorin grinst, als sie ihre Chauffeure erkennt und lobt sie ungefragt: „Das sind ganz liebe Leute. Die kenne ich schon lange“, sagt sie und klopft Breitwieser freundschaftlich auf die Schulter. Vor allem wegen solcher Momente mache er den Job, sagt Breitwieser. Früher hat er Pakete ausgeliefert. Jetzt fährt er Menschen. Das gefällt ihm deutlich besser, auch wenn der Job anspruchsvoller ist. „Die schlechte Laune musst du zu Hause lassen. Zu den Fahrgästen bin ich immer freundlich, ich lasse sie nie spüren, wenn mich etwas bedrückt“, sagt der 44-Jährige.

Fahrer erhalten den Mindestlohn

Und Grund zur schlechten Laune haben die Fahrer regelmäßig, daraus macht Wieczorek keinen Hehl. Seit Jahren setzt er sich gemeinsam mit Kollegen dafür ein, dass der Lohn für die Mitarbeiter des Fahrdienstes angehoben wird. „Wir bekommen gerade mal den Mindestlohn, das sind momentan etwas mehr als 9 Euro pro Stunde“, berichtet der 29-Jährige. Die Bezahlung empfinde er als unfair. Schließlich leisteten er und seine Kollegen eine verantwortungsvolle und zudem körperlich anstrengende Arbeit. „Wenn wir einen Kunden mit dem Tragestuhl in den fünften Stock gebracht haben, brauchen wir abends nicht mehr ins Fitnessstudio zu gehen.“ Darüber hinaus störe ihn, dass die Fahrzeuge, die ihnen das DRK zur Verfügung stellt, häufig schon über ihren Zenit hinaus seien, ergänzt Wieczorek. „Mehr als 250.000 Kilometer auf dem Tacho sind keine Seltenheit.“

Der Fahrservice des Deutschen Roten Kreuzes transportiert täglich rund 100 Menschen in der Region Hannover. Wir haben ein Team der Wache in Berenbostel begleitet.

„Manches musst du abends hinter dir lassen“

Dazu komme die psychische Belastung aufgrund der oft schweren Schicksale der Fahrgäste. „Wir haben fast täglich mit schwer und unheilbar kranken Menschen zu tun“, sagt Wieczorek. Das zu verarbeiten habe er erst lernen müssen. „Manche Erlebnisse musst du abends bewusst hinter dir lassen, sonst machst du den Job nicht lange. Das gebe ich Neulingen auch immer mit auf den Weg“, sagt der 29-Jährige.

Aber selbst erfahrene Fahrer wie sein Kollege Breitwieser haben Momente erlebt, die sie nicht so schnell abschütteln können. Er sollte einen älteren Mann abholen und in ein Heim fahren, wo er für eine begrenzte Zeit gepflegt werden sollte. Schon bei der Ankunft merkten die DRK-Mitarbeiter, dass es dem Mann sehr schlecht ging. Also taten sie das, was in dieser Situation zu tun ist: Sie riefen den Rettungsdienst und kümmerten sich um die Erstversorgung. Vergeblich, der Mann starb quasi in Breitwiesers Armen, vor den Augen seiner Familie. „Ich war so fertig, ich habe mich erst mal in den Wagen gesetzt und geheult. An dem Tag konnte ich nicht mehr weiterarbeiten“, sagt Breitwieser.

Fahrdienstler haben auch Glücksmomente

Zum Glück gibt es auch diese anderen, wunderschönen Tage. An einen davon erinnert sich Breitwieser noch heute gern. „Wir haben mal eine ältere Dame aus einem Seniorenheim zu einem Klassentreffen in ihrer Heimatstadt gebracht“, berichtet er. Vor Ort haben die Fahrer ein paar Stunden Zeit verbracht, bis die Frau freudestrahlend aus einer Gaststätte kam – bereit für die Rückfahrt. „Sie hat sich tausendmal bei uns bedankt und uns umarmt. In so einem Moment wird dir klar: Du hast gerade einem Menschen einen der schönsten Tage seines Lebens bereitet.“

Henrik Töpfer ist als Fahrdienstleiter Ansprechpartner für die Mitarbeiter des DRK-Fahrservices. Quelle: Gerko Naumann

„Wir müssen unsere Mitarbeiter vernünftig entlohnen“

Nachgefragt bei: Henrik Töpfer, Fahrdienstleiter des Deutschen Roten Kreuzes in der Region Hannover

Guten Tag, Herr Töpfer. Ihre Mitarbeiter vom Fahrservice klagen über eine zu geringe Bezahlung. Haben Sie dafür Verständnis?

Ja, natürlich. Deshalb diskutiere ich auch regelmäßig mit unserer Geschäftsführung über dieses Thema. Für mich passt es nicht zusammen, dass wir als Rotes Kreuz den Grundwert der Menschlichkeit vertreten wollen, aber die Mitarbeiter leider scheinbar damit nicht genug Gehör finden.

Wie könnte man die Bedingungen für die Fahrer aus Ihrer Sicht verbessern?

Ich bin der festen Überzeugung, dass es einen Mittelweg gibt: Wir müssen ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen sein und unsere Mitarbeiter gleichzeitig vernünftig entlohnen. Dazu sollte man Prozesse straffen und über sinnvolle Einsparungen an anderer Stelle nachdenken.

Apropos Einsparungen: Ein weiterer Kritikpunkt der Fahrservice-Mitarbeiter ist die teils veraltete Flotte.

Ein Großteil unserer immer noch zuverlässigen Fahrzeuge hat tatsächlich schon eine hohe Kilometerleistung auf dem Tacho. Aber es wäre aus meiner Sicht sinnvoller und langfristig günstiger, früher in neue Wagen zu investieren. Außerdem wäre das auch ein Zeichen der Wertschätzung an die Fahrer. Bei all diesen durchaus kritischen Themen bin ich schon lange im direkten Gespräch mit der Geschäftsführung und hoffe, dass wir bald eine Verbesserung der Situation erreichen.

Von Gerko Naumann

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