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Garbsen Bei Italmoto geben Frauen den Ton an
Umland Garbsen Bei Italmoto geben Frauen den Ton an
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00:18 16.08.2018
"Schon viele Frauen in Männerberufen unterwegs": Geschäftsleiterin Jacqueline Sassnick (links) und Auszubildende Kim Sperling. Quelle: Linda Tonn
Berenbostel

Wer bei Jacqueline Sassnick in der Werkstatt steht, muss anpacken können. Auf Hebebühnen thronen glänzende Motorräder. Es riecht nach Öl. Beim Hantieren mit Schraubendreher und Zangen bilden sich schwarze Ränder unter den Fingernägeln. Sassnick ist Chefin über 2400 Quadratmeter, auf denen sich alles um knatternde Zweiräder mit glänzendem Auspuff dreht, um große Maschinen und kleine Roller, um PS und Geschwindigkeit. 1000 Fahrzeuge werden jährlich verkauft. „Testosterongesteuert“ nennt sie die Branche. Kurz: Der Motorradhandel ist etwas für Männer. Schaut man bei Italmoto am Rand von Berenbostel genauer hin, wird deutlich: So einfach ist es nicht.

Frauen zeigen Interesse

Hinter einer großen Maschine in der Werkstatt steht Kim Sperling und schraubt an einem schweren schwarzen Bike. Als sie 2014 plötzlich mit ihrer Mutter in Sassnicks Büro stand, war das eine Premiere: „Sie war meine erste Bewerberin“, erzählt die 54-Jährige, die die Firma 2009 nach dem Tod ihres Mannes übernommen hat. Selbstbewusst habe die 20-Jährige nach einem Praktikum gefragt – heute ist sie im letzten Ausbildungsjahr zur Zweiradmechatronikerin und bereut nichts.

Mittlerweile zählt Sassnick immer mehr Frauen, die sich für den Beruf interessieren. Sie erklärt die für sie längst überfällige Entwicklung mit der Zunahme an weiblichen Motorradfahrern. Und eigentlich wollen die Chefin und ihre Auszubildende gar nicht so gerne über Frauen- und Männerklischees reden: „Wir Frauen sind zu allem fähig“, sagt Sassnick, die mit 14 Jahren die Liebe zum Motorrad entdeckte. Manchmal fehle nur ein wenig die Kraft.

„Es geht ums Team“

Wenn Sperling an großen Schrauben verzweifelt, holt sie sich einfach Hilfe. Ansonsten packt sie furchtlos an. Abneigung habe sie als einzige Frau unter den Männern noch nie erlebt. „Man muss aber zeigen: Ich kann etwas und ich habe Lust darauf“, sagt die 20-Jährige. Das sei das oberste Gebot in der Werkstatt – nicht das Geschlecht. Ist das Garbsener Unternehmen mit seinen 18 Mitarbeitern ein Vorreiter? „Ich beobachte, dass bei uns im Mittelstand eine bessere Balance zwischen Frauen und Männern herrscht, als in großen Unternehmen“, sagt Sassnick, die mit vielen mittelständischen Händlern deutschlandweit vernetzt ist. Werkstätten würden von Meisterinnen geleitet, Kolleginnen übernähmen die Geschäfte der Väter. Das sei nicht neu. Letztlich gehe es in ihrer Werkstatt auch nicht um Frau oder Mann, sondern um das Team. Ihre Auszubildende Kim ist dafür der Beweis: „Als ich sie nach dem ersten Probetag in der Werkstatt gesehen habe, waren die Zweifel ganz schnell weg.“

Von Linda Tonn

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