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Garbsen Dauercamper genießen die Freiheit am Blauen See
Umland Garbsen Dauercamper genießen die Freiheit am Blauen See
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15:51 09.04.2019
So leben Camper am Blauen See in Garbsen. Quelle: Gerko Naumann
Garbsen

 Heike Gutermuth und ihr Verlobter Detlef Sträck lassen es gemütlich angehen. Die gelernte Friseurin und der Rentner sitzen bei der zweiten Tasse Kaffee und einer Zigarette am Frühstückstisch. Darunter liegt Schäferhund Buma und wartet auf die nächste Streicheleinheit oder einen ausgiebigen Ausflug am Blauen See. Dort leben die drei, genauer gesagt auf dem Campingplatz. Gutermuth und Sträck sind seit drei Jahren Dauercamper. Von Anfang April bis Ende Oktober verlassen sie ihre Zweizimmerwohnung im Quartier Kronsberg in Berenbostel und ziehen in ihr gemütlich eingerichtetes Domizil in einem Wohnwagen mit geräumigen Vorzelt um.

Urlaub in Garbsen? Am Blauen See gibt es das. Einige Dauercamper verbringen dort fast das ganze Jahr. Um noch mehr Touristen zu überzeugen, hat der Besitzer nun zehn Holzhütten angeschafft.

Zwischen den beiden Wohnorten liegen nur wenige Kilometer. Für Sträck reichen die aber, um in eine andere Welt einzutauchen. „Sobald wir die Schranke passiert haben, beginnt ein schöneres Leben“, sagt er. Und auch seine Verlobte schwärmt von der Freiheit, die sie am Blauen See spürt. „Im Sommer ist es hier proppenvoll mit Touristen. Aber um diese Jahreszeit ist es hier sehr ruhig.“ Außer dem Paar leben noch einige andere Dauercamper auf dem Gelände. Jeder kennt jeden, man duzt sich.

Camper halten zusammen

Genau dieser Zusammenhalt ist auch das größte Plus auf einem Campingplatz, findet Sträck. Das zeige sich vor allem in schlechten Zeiten. So sei vor Kurzem der Wohnwagen eines anderen Campers komplett abgebrannt. „Alle haben sich bemüht, dass er schnell wieder auf die Beine kommt“, erzählt der Berenbosteler. Ein Nachbar hat dem Betroffenen sogar einen Wohnwagen geschenkt, viele haben beim Aufbau mitangepackt. So läuft das immer. „Wenn ich Hilfe brauche, schreibe ich es in unsere WhatsApp-Gruppe. Ein paar Minuten später stehen hier zehn bis 15 Leute und fragen, was los ist“, berichtet Sträck.

Der Blaue See lockt jedes Jahr viele Touristen nach Garbsen. Quelle: Gerko Naumann

Ganz ohne Konflikte läuft das Leben auf engem Raum natürlich nicht ab. „Auf einem Campingplatz gibt es klare Regeln, und an die muss sich jeder halten“, sagt der 57-Jährige. Das tut aber nicht jeder. Zuletzt sei ein Paar vom Platzverwalter rausgeschmissen worden, das immer wieder durch Lärm und Beleidigungen gegenüber anderen Bewohnern aufgefallen sei. „Normalerweise regeln wir Probleme untereinander“, sagt Sträck. Meist reiche es schon, gemeinsam ein Bier im Garten zu trinken und vernünftig über Probleme zu sprechen. Erst wenn auch das nichts bringt, werden die Verantwortlichen oder sogar die Polizei hinzugeholt.

„Wir haben hier alles“

Ob sich das Paar noch einen anderen Lebensstil vorstellen kann? „Nein“, sagt Sträck – ohne auch nur eine Sekunde zu überlegen. „Wir haben sogar schon darüber nachgedacht, unsere Wohnung in Berenbostel ganz aufzugeben.“ Damit würde das Paar auch eine Menge Geld sparen. Die Pacht für den Wohnwagen kostet rund 100 Euro pro Monat, dazu kommen die Kosten für Strom und Gas. Ums Geld geht es den Campern aber gar nicht so sehr, betont Sträck. „Wir haben hier alles, was wir brauchen und lernen immer neue Leute kennen. So fühlt sich das ganze Jahr an wie Urlaub.“

Mit den neuen Holzhütten im "Bergdörfchen" will Betreiber Peter Amend noch mehr Touristen nach Garbsen holen. Quelle: Gerko Naumann

Holzhütten werden ab Ostern vermietet

Garbsen hat nicht mal Berge – und trotzdem neuerdings ein „Bergdörfchen“. So nennt Peter Amend, Besitzer der Freizeitanlage am Blauen See, zehn neue Holzhütten auf dem Gelände. Die werden derzeit aufgebaut und eingerichtet. Ab Ostern werden sie dann an Touristen vermietet. „Die ersten Buchungen sind schon eingegangen“, berichtet Amend. Der will mit dem neuen Angebot auch Menschen überzeugen, die kein Interesse am klassischen Camping haben. Die Hütten sind 6,7 mal drei Meter groß und haben pro Stück rund 40.000 Euro gekostet. Sie verfügen über eine Teeküche, ein kleines Bad mit Dusche und bis zu vier Schlafplätze für zwei Erwachsene und zwei Kinder.

Mit dem Angebot will Amend auf die Bedürfnisse der Touristen reagieren, von denen stetig mehr nach Hannover und in die Region kommen. „Von der Übernachtungszahlen sind wir wieder da, wo wir bei der Expo 2000 waren“, sagt er. Die Nacht in einer der Hütten kostet – je nach Saison – 60 bis 80 Euro für zwei Erwachsene. Im Winter könnte sich Amend aber vorstellen, die geheizten Räume deutlich günstiger zu vermieten, nämlich an Studenten des Campus Maschinenbau. „Ich habe selbst zwei Töchter die studieren und weiß, wie rar günstiger Wohnraum ist“, sagt er.

Von Gerko Naumann

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