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Garbsen „Wie sieht Schloß Ricklingen in Zukunft aus, Herr Wollny?“
Umland Garbsen

Garbsen: Eine Stunde mit Franz Wollny, Urgestein aus Schloß Ricklingen

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18:01 27.09.2019
"Schloß Ricklingen liegt mir am Herzen": Franz Wollny will die Zukunft seines Heimatdorfes weiter mitgestalten. Quelle: Jutta Grätz
Schloß Ricklingen

Ein kräftiger Händedruck im Vorgarten, umgeben von pinkfarbenen Hortensien: Die Begrüßung von Franz Wollny ist herzlich. „Ich habe mich sehr auf den Besuch gefreut“, sagt der Schloß Ricklinger. Im Wohnzimmer gibt es erst einmal ein Stück goldbraunen Streuselkuchen und einen starken Kaffee.

Spaziergang durch den Heimatort

Das Getränk ist noch heiß, da kommt Wollny schon auf seine neueste Idee zu sprechen. „Ich möchte für Garbsener und auswärtige Besucher einen historischen Spaziergang durch Schloß Ricklingen anbieten.“ Mit Stationen unter anderem an der Barockkirche, dem Amtmannshof, am Herzog-August-Denkmal und der Von-Woyna-Brücke.

„Schloß Ricklingen liegt mir am Herzen“, sagt der 86-Jährige. Die jahrhundertealte Geschichte ebenso wie die Zukunft des 3000-Seelen-Dorfes. Trotz seines hohen Alters ist Wollny noch immer aktiv, fühlt sich gefordert, wenn es um seinen Heimatort geht. „Ich bin hier aufgewachsen, bei meinen Großeltern.“ Und um den beiden in den Sechzigerjahren ein Grundstück zu kaufen, habe er sogar sein Auto verkauft.

Serie: „Eine Stunde mit:...“

Eisverkäufer, Flüchtling, Künstleragentin, Landwirt oder Pastorin: In unserer Serie „Eine Stunde mit ...“ wollen wir die Garbsener zum Gespräch bitten, sie kennenlernen und ihre Geschichten erzählen. Wir treffen Menschen in ihrem beruflichen Umfeld und zu Hause, wollen herausfinden, wie sie leben, was sie machen und was sie an der Stadt mögen. Unsere Reporter sind unterwegs, um eine interessante, aufschlussreiche und spannende Stunde mit ihnen zu verbringen. ton

Vorsitzender der Turngemeinschaft

„Ich will aber nicht nur Vergangenheit bewahren“, sagt er, mit Blick auf seine – digitalen – Fotoalben. Nein, er wolle auch die Entwicklung des Dorfes mitgestalten. Sechs Jahre lang war er Vorsitzender des TSV Schloß Ricklingen, viele Jahre Mitglied im Kirchenvorstand der Barockkirche und vor 36 Jahren Mitbegründer der Turngemeinschaft (TG). In dem Verein engagiert er sich noch immer und zwar als Vorsitzender. „Ich bin damit der wohl älteste Vereinsvorsitzende Garbsens“, meint Wollny.

Er schätze die vielen Generationen und Kulturen des Vereins und die vielfältigen Sparten von Fitness bis Linedance. Seine Frau Margret leitet die Turnsparte. „Wir sind sozusagen ein Familienbetrieb“, sagt er.

Mitreden will Wollny besonders bei aktuellen Themen, wie beim geplanten Bestattungshain der Humanisten am Lönsweg, bei Lösungen zur Verkehrssituation in Schloß Ricklingen, den Plänen zur 800-Jahr-Feier des Dorfes im Jahr 2025 und eben bei Ideen wie den Denkmalspaziergängen. Er tut das, ohne aufdringlich zu sein. „Warum brauchen wir den Ruhewald?“, fragt der Senior. „Wir haben doch schon zwei Friedhöfe im Ort.“

Er befürchte einen Bestattungstourismus ebenso wie mehr Müll, sagt er. Und eine Toilette fehle bei den Planungen auch. Der 86-Jährige war auch einer der Initiatoren der Unterschriftensammlung gegen den Bestattungshain, hat seine Bedenken an Politik und Verwaltung formuliert. Nun wird der Ruhewald bald realisiert – ohne Toilette.

„Der Verkehr muss raus aus Schloß Ricklingen“

Ich lebe in Garbsen seit ...

... meiner Geburt im Januar 1933.

Ich mag an Garbsen ...

... die Big Band Berenbostel – eine der besten Schülerbands Deutschlands.

Das könnte man verbessern ...

Der Verkehr muss raus aus Schloß Ricklingen, dann können wir den Ort noch stärker als kulturelles Kleinod bewahren – und noch attraktiver machen.

Interview: Jutta Grätz

Schloß Ricklingen hieß „Trudelmannsdorf“

Geht es nach dem Schloß Ricklinger, muss in die Dorfmitte rund um die Barockkirche investiert werden. „Am liebsten hätte ich eine Fußgängerzone, denn in Schloß Ricklingen fehlt ein Dorfmittelpunkt“, sagt Wollny. Dabei biete das Areal rund um die Kirche und den Amtmannshof so viel Potenzial. „Schön wäre ein Café für die Besucher der Kirche und die Radfahrer, die Halt machen in unserem Ort.“

Und er erinnert sich noch an seine Kindheit, als das beschauliche Dorf Ziel von Touristen aus ganz Deutschland war. „Damals nannte man Schloß Ricklingen übrigens Trudelmannsdorf“, so Wollny. Besucher würden auch die dringend notwendige Infrastruktur im Ort stärken.

Ein Riesenproblem seien auch die Lastwagen. „Der Schwerlastverkehr quält sich durch den Ort“, sagt er. Er hofft, dass das neue Verbot den Schwerlastverkehr endlich aus dem Ortskern verbanne. Die Von-Woyna-Brücke darf nun nicht mehr von Lkw ab 7,5 Tonnen befahren werden. Und er kritisiert nicht nur die vielen Lkw, sondern auch den maroden Zustand vieler Fußwege. „Mit meinem Rollator muss ich deswegen oft auf der Straße gehen“, berichtet Wollny.

Treffen sich in Schloß Ricklingen: Franz Wollny und Jutta Grätz, Mitarbeiterin der HAZ/NP in Garbsen. Quelle: Jutta Grätz

Großvater war der letzte Leine-Fährmann

Wohl kaum jemand in Schloß Ricklingen hat ein so gutes historisches Gedächtnis wie Wollny: Da ist der Beginn seiner Grundschulzeit im Jahr 1941 im heutigen Gemeindehaus, die Landung eines italienischen Besatzungsflugzeugs im Spätsommer 1944 auf einem nahen Acker und die 750-Jahr-Feier des Leinedorfes 1975.

„Kindheitserinnerungen“ heißt das gebundene Heft mit vielen Fotos, das Wollny in den Händen hält. Darin widmet er auch ein Kapitel seinem Großvater Friedrich Bradenstahl. „Er war der letzte Fährmann von Schloß Ricklingen“, berichtet Wollny. „Bis der Bau der Von-Woyna-Brücke den Fährbetrieb auf der Leine 1895 überflüssig machte.“

Der Leinebogen zählt daher auch zu den Lieblingsorten von Wollny und soll auch ein Ziel seiner geplanten Ortsspaziergänge sein. Zum Abschied gibt es ein Exemplar seiner „Kindheitserinnerungen“ in die Hand gedrückt. „Zum Weiterlesen“, sagt Wollny.

Alle Teile der Serie lesen Sie hier:

Eine Stunde mit Jürgen und Heike vom Hof Hornbostel in Stelingen

Eine Stunde mit Künstleragentin Mone Werner aus Altgarbsen

Eine Stunde mit Friedhofsgärtner Stefan Wassmann 

Eine Stunde mit Eisproduzent Giorgio Capalbo aus Stelingen

Eine Stunde mit Imbissbetreiber Rudi Schubert in Altgarbsen

Eine Stunde mit der Badeaufsicht Sahin Canbolat am Blauen See

Eine Stunde mit Pflegekraft Angelique Kummer

Eine Stunde mit Aktivistin und Oma gegen Rechts Monika Stiel

Eine Stunde mit dem Kontaktbeamten der Polizei, Guido Parbs 

Eine Stunde mit Erzieherin Sherin Hussein, die aus Syrien nach Garbsen kam

Eine Stunde mit Hausmeister Andrej Baer an der IGS Garbsen

Von Jutta Grätz

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