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Garbsen Eltern kämpfen für mehr Hortplätze in Schloß Ricklingen
Umland Garbsen

Garbsen: Eltern kämpfen für mehr Hortplätze in Schloß Ricklingen

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10:00 30.01.2020
Kämpfen für eine schnelle Lösung: Andrea Keßler (von links), Daniela Avila Alvarez, Claudia Vatterott und Johanna Bicker. Quelle: Linda Tonn
Schloß Ricklingen

Wer in Schloß Ricklingen sein Kind zur Betreuung in den Hort geben will, muss derzeit mit einer Absage rechnen. „Es fehlen Hortplätze“, sagt Johanna Bicker. Sie ist selbst Mutter und im Vorstand des Fördervereins der Kita Schloß Ricklingen.

30 Plätze bietet der Hort in den Räumen des evangelischen Gemeindehauses an der Voigtstraße. Die Grundschüler werden dort ab Schulschluss bis 16 Uhr betreut. Zudem gibt es ab 7 Uhr einen Frühdienst. „Für mehr Plätze reichen die Räume nicht aus“, sagt Bicker. Doch die Nachfrage steige.

Junge Familien ziehen in den Ortsteil

Weil die Politik bislang keine Lösung vorgebracht hat, hat sich eine Gruppe von Eltern zusammengetan, um nach einem Ausweg für das Problem zu suchen. „Unser Dorf wird immer tot geredet, dabei stimmt das gar nicht“, sagt Daniela Avila Alvarez, die Vorsitzende des Elternbeirats der Kindertagesstätte Schloß Ricklingen. Gerade in jüngster Zeit seien vor allem junge Familien in den Ortsteil gezogen.

In Zusammenarbeit mit dem Dorfentwicklungs- und Traditionsverein (DTV) wurde eine Umfrage durchgeführt. Das Ergebnis: Von 18 Familien, deren Kind im Sommer eingeschult wird, hätten 14 Interesse an einem Hortplatz bekundet, sagt Claudia Vatterott. Es würden allerdings nur sieben Plätze frei.

Vatterott ist mit vielen Eltern ins Gespräch gekommen. Alleinerziehende und Berufstätige seien auf einen Betreuungsplatz angewiesen, betont sie. „Familien mit nur einem Kind oder diejenigen, die bislang keinen Platz in Krippe oder Kindergarten bekommen haben und sich in der bisherigen Betreuung auf andere Ortsteile umorientieren mussten, fallen bei der Hortplatzvergabe oft durchs Raster. Obwohl beide Eltern arbeiten.“

Angaben der Stadt zufolge stehen derzeit zwölf Kinder auf der Warteliste für den Hort in Schloß Ricklingen, ab dem Sommer würden dort sechs Plätze frei.

Auch Krippenplätze fehlen

Dass in Schloß Ricklingen die Betreuungsplätze knapp werden, geht auch aus der sogenannten Kindertagesstättenbedarfsplanung der Stadt für das Jahr 2019 hervor. Künftig werden 22 Krippenplätze fehlen, im Kindergarten sind es sechs. Die Stadt Garbsen plant bereits für dieses Jahr, die Kindertagesstätte mit einem Neubau um eine Krippengruppe zu vergrößern.

„Wenn mehr Kinder in der Krippe betreut werden können, kann man auch davon ausgehen, dass es künftig mehr Hortkinder werden“, sagt Avila Alvarez. Die Eltern seien auf einen Hort angewiesen – zumindest bis 2025. Ab dann soll ein Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung in der Grundschule gelten. „Diese zeitliche Lücke müssen wir schließen“, sagt Vatterott.

Räume der Grundschule nutzen?

Die Mütter haben auch schon eine Idee, wie schnell zusätzliche Hortplätze geschaffen werden könnten. „Man könnte sich die Räume mit der Grundschule teilen“, sagt Andrea Keßler. Die liege direkt auf der anderen Straßenseite, das Außengelände des Horts könnte von allen Kindern genutzt werden.

Gesetzlich wäre eine Doppelnutzung möglich: Im August 2018 hatte der niedersächsische Bildungsminister Grant Hendrik Tonne (SPD)eine Vereinbarung auf den Weg gebracht, der zufolge Räume von Schule und Hort gleichzeitig genutzt werden können. Das sollte den Kommunen helfen, den Rechtsanspruch auf eine Tagesbetreuung sicherstellen zu können. „Die Grundvoraussetzungen sind eigentlich gut“, sagt Bicker. „Jetzt müssen wir diese Lösung schnell auf den Weg bringen.“

Sozialdezernentin Monika Probst steht dem Vorschlag offen gegenüber. „Die Möglichkeit der Doppelnutzung besteht grundsätzlich“, sagte sie in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses. Allerdings müssten für den konkreten Fall in Schloß Ricklingen noch rechtliche Fragen geklärt werden. „Ich kann noch keine Entwarnung geben.“ Zudem müssten auch genug Betreuer vorhanden sein.

Kein neues Problem

Dass Hortplätze fehlen, sei kein neues Thema, sagen die Eltern. Es sei aber viel zu lange nichts passiert. Ihre Befürchtung ist, dass Eltern ihre Kinder per Sondergenehmigung in Horst oder anderen Stadtteilen einschulen – weil sie in Schloß Ricklingen keinen Platz in der Nachmittagsbetreuung finden. „Das würde dann vielleicht sogar das Ende der Grundschule bedeuten“, meint Avila Alvarez.

Bereits im Jahr 2008 hatten sich die Eltern in Schloß Ricklingen für einen Hort in ihrem Ortsteil starkgemacht. Damals hatten mehr als 40 Familien mit rund 60 Kindern Interesse an einem Hort bekundet. Als Ort wurde das evangelische Gemeindehaus ausgewählt.

Gehen Anmeldungen über das Kita-Portal verloren?

Seit dem 1. August 2016 können Eltern in Garbsen ihre Kinder über das Kita-Portal der Stadt online anmelden. Auf einen Klick wird dort sichtbar, ob es noch Plätze in der Wunscheinrichtung gibt, wie die Betreuungszeiten und Sonderangebote aussehen. Doch anscheinend funktioniert die Onlineanmeldung nicht ganz einwandfrei. Er habe von einer Familie erfahren, dass sie ihr Kind über das Portal in einer Kita angemeldet habe – die Einrichtung davon aber gar nichts wusste, berichtet Ratsherr Günter Barthel (SPD). Diese Geschichte sei kein Einzelfall.

„Dass Datensätze verschwinden, ist unwahrscheinlich“, sagt Sozialdezernentin Monika Probst. In den meisten Fällen sei der Grund dafür ein Fehler bei der Bedienung – entweder seitens der Eltern oder seitens der Einrichtung. „Man kann unterschiedliche Filter einsetzen, um zu sehen, wer sich für die Kita vorgemerkt hat“, erläutert Probst. „Wir schulen die Kita-Leitungen intensiv im Umgang mit dem Portal, damit solche Fehler nicht passieren.“ Sollte es doch der Fall sein, dass eine Anmeldung verschwinde, versuchten die Mitarbeiter der Stadt, den Fall nachzuvollziehen, damit das Kind trotzdem die gewünschte Einrichtung besuchen könne, ergänzt die Sozialdezernentin. Das komme allerdings sehr selten vor.

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Von Linda Tonn

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