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Garbsen Eltern kritisieren Brandschutz am Johannes-Kepler-Gymnasium
Umland Garbsen

Garbsen: Eltern kritisieren Brandschutz am Johannes-Kepler-Gymnasium

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16:05 05.11.2019
"Die Stadt soll zumindest das Nötigste machen": Schulleiter Thomas Göhmann (von links) sowie die Elternvertreter Silke Hausmann und Matthias Kohrt fordern einen besseren Brandschutz für das JKG. Quelle: Gerko Naumann
Auf der Horst

Wie schnell ein Feuer ausbrechen kann, haben Schüler und Lehrer des Johannes-Kepler-Gymnasiums (JKG) vor wenigen Wochen hautnah erlebt: Im Obergeschoss des Gebäudes war kurz vor Schulbeginn ein Trafo durchgebrannt und hatte angefangen zu qualmen. Glücklicherweise hat die Stadt Garbsen kürzlich Rauchmelder einbauen lassen. Die haben Alarm geschlagen – Schulleiter Thomas Göhmann ließ das Gebäude sofort räumen. „Zum Glück waren zu der frühen Uhrzeit noch nicht so viele Menschen in der Schule“, sagt er rückblickend. Die Feuerwehr musste lediglich lüften, dann konnte der Unterricht mit leichter Verspätung beginnen. Trotzdem habe dieses Ereignis gezeigt, welche Gefahren drohen.Lesen Sie auch: Rauchmelder löst Alarm aus: JKG wird vor Schulbeginn geräumt

Das haben Elternvertreter des JKG zum Anlass genommen, um auf den mangelhaften Brandschutz an der Einrichtung hinzuweisen. Die stellvertretende Vorsitzende Silke Hausmann trug ihre Bedenken der Verwaltung und den Politikern bereits bei der jüngsten Ratssitzung vor. „Derzeit wird viel über den Neubau IGS diskutiert. Dabei darf die Stadt die anderen Schulen nicht vergessen“, sagt sie. An der IGS Garbsen ist der Brandschutz nach einem Gutachten besonders unzureichend. Vermutlich läuft es deshalb auf einen Neubau hinaus, der nach neuesten Schätzungen rund 80 Millionen Euro kosten dürfte.

Alarm am Johannes-Kepler-Gymnasium in Garbsen: Ein Rauchmelder hatte wegen einer qualmenden Trafos ausgelöst. Quelle: privat

Am JKG sieht es jedoch nicht viel besser aus, sagt Hausmann. „Es gibt etwa nach wie vor keinen zweiten Fluchtweg“, sagt sie. Das bedeutet: Wenn es etwa in einem der Flure in den oberen Stockwerken der Schule brennen sollte, sind Schüler und Lehrer quasi auf ihrer Ebene eingeschlossen. Deshalb fordern die Eltern eine sogenannte Rettungstreppe, die im Notfall den Weg über ein Fenster ins Freie gewährleistet. „Die Stadt sollte wenigstens das Nötigste machen und nicht an der Sicherheit sparen“, fordert die Elternvertreterin.

Rettung würde lange dauern

Darin stimmt ihr Kollege Matthias Kohrt zu. Der ist als Berufsfeuerwehrmann vom Fach und macht sich Sorgen: „Die Rettung über eine Drehleiter dauert etwa drei Minuten – und zwar pro Person“, sagt er. Entsprechend lange würde es dauern, möglicherweise mehrere Schulklassen aus den oberen Etagen des brennenden Gebäudes zu holen.

Bei aller Kritik erkennen die Elternvertreter auch an, dass sich die Stadt Garbsen um Verbesserungen bemüht hat – etwa beim Einbau der anfangs erwähnten Rauchmelder. „Die können Leben retten“, weiß Kohrt.

Im Zusammenhang mit dem Brandschutz sorgt sich Schulleiter Thomas Göhmann noch um ein anderes Problem: Die immer akuter werdende Raumnot. „Unsere zwölften Jahrgänge haben jetzt schon keine eigenen Klassenräume mehr“, sagt er. Die Stadt habe dem Gymnasium zwar acht Räume in der benachbarten Hauptschule Nikolaus Kopernikus zur Verfügung gestellt. Das sei aber keine langfristige Lösung, sagt Göhmann.

Spätestens 2022 werden die Räume von der neu gegründeten Oberschule Garbsen benötigt. Gleichzeitig ist absehbar, dass das JKG weiter wächst. Zum einen melden ohnehin mehr Eltern ihre Kinder am Gymnasium an. Und zum anderen verstärkt die Umstellung auf G9 – also das Abitur nach 13 Schuljahren – die Problematik. „Wir haben jetzt 810 Schüler, im nächsten Jahr werden es 900 sein“, rechnet Göhmann vor.

Dieser Kunsttrakt am JKG soll eventuell abgerissen und mehrstöckig neu gebaut werden, um die Raumnot zu lindern. Quelle: Gerko Naumann

Deshalb gab es schon vor etwa einem Jahr Überlegungen, auf dem JKG-Gelände anzubauen. Da der Platz jedoch praktisch ausgereizt ist, ist der Abriss des Kunsttraktes und ein mehrstöckiger Neubau an gleicher Stelle im Gespräch. Doch Göhmann vermisst eindeutige Zusagen der Stadtverwaltung, ob und wann es dazu kommt. Er kündigt schon mal an, dass Schüler und Lehrer in der Bauzeit Kompromisse in Kauf nehmen würden: „Wir könnten den Kunstunterricht vorübergehend in andere Räume verlegen.“

Das sagt die Stadtverwaltung

Stadtsprecher Benjamin Irvin bestätigt, dass ein Neubau im Bereich des Kunsttraktes nach wie vor angedacht sei. Vorher werde es eine Übergangslösung innerhalb des Schulzentrums I geben. Entsprechende Gespräche würden derzeit mit der Schulleitung des JKG geführt. Zu Kosten und zum Zeitrahmen könne die Verwaltung derzeit noch keine Aussagen tätigen.

Beim Thema Brandschutz habe die Verwaltung alle Forderungen erfüllt, die ein Experte in einem Gutachten aufgelistet hat. Dazu gehörte neben den Rauchmeldern auch das Abbauen von Außenjalousien und die Einführung regelmäßiger Evakuierungsübungen. „Sonst hätten wir den Schulbetrieb gar nicht fortführen dürfen“, sagt Irvin. Ein zweiter Rettungsweg sei grundsätzlich erforderlich und Bestandteil des Brandschutzkonzeptes. Angedacht sei ein freistehendes Treppenhaus mit integriertem Aufzug, um hier auch die Barrierefreiheit zu gewährleisten.

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Von Gerko Naumann

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