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Garbsen Frau nimmt ihre drei Kinder zum Stehlen im Supermarkt mit
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Garbsen: Frau nimmt ihre drei Kinder zum Stehlen im Supermarkt in Auf der Horst mit

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16:26 26.09.2019
Die Staatsanwaltschaft wird der 25-jährigen Frau insgesamt 19 Taten vor. Quelle: Peter Steffen/dpa (Symbolbild)
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Auf der Horst

Die Liste der Anklagepunkte ist lang: Am Donnerstag hat am Amtsgericht Hannover ein Prozess gegen eine 25-Jährige aus Helmstedt begonnen, der 19 Fälle von Betrug und Diebstahl vorgeworfen werden. Die Taten haben sich unter anderem in Garbsen, Langenhagen, der Wedemark und Hannover abgespielt. Die Frau soll dabei mit anderen Täterinnen einen Schaden von rund 7000 Euro angerichtet haben.

In Handschellen in den Gerichtssaal

Vor den Augen ihrer drei kleinen Kinder wurde die Angeklagte in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Sie sitzt seit einigen Wochen in Untersuchungshaft. Die staatenlose Roma-Frau lebt seit 2016 in Deutschland. Immer wieder suchte sie während der Verhandlung den Blickkontakt zu ihrer Familie im Zuschauerraum und brach in Tränen aus.

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Bei der Tat in Garbsen, die sich bereits im Juli 2018 zugetragen haben soll, spielen die Kinder der Angeklagten eine entscheidende Rolle. Gemeinsam mit einer weiteren Frau und insgesamt sechs Kindern – das älteste war gerade einmal sechs Jahre alt, soll die Angeklagte im Edeka im Planetencenter eine ältere Kundin bestohlen haben.

Um an deren Geld zu gelangen, blockierte sie den Gang mit einem Kinderwagen, während die fünf weiteren Kinder um das Opfer „herumwuselten“. Die Unruhe nutzen die Erwachsenen, um an das Portemonnaie mit 85 Euro zu gelangen.

In anderen Fällen soll die Beute der Angeklagten und ihrer Begleiterinnen deutlich höher gewesen sein. So stahlen sie in mehreren Fällen EC-Karten und hoben damit Geld von den Konten der Eigentümer ab. Oder sie kauften sie in Supermärkten für teils mehrere Tausend Euro ein – etwa im November 2018 in Langenhagen und im Dezember 2018 in der Wedemark.

Darüber hinaus sollen sie im Dezember 2018 bei einem Weihnachtsmarkt in Hannover einer anderen Besucherin das Handy gestohlen haben. Bei einem weiteren Versuch, einen Rucksack zu öffnen, wurden die Frauen von der Besitzerin erwischt.

Angeklagte gibt Tat in Garbsen zu

Die Angeklagte selbst äußerte sich nicht zu den Vorwürfen, sie ließ ihren Verteidiger eine Erklärung verlesen. Darin räumte sie zumindest die Tat in Garbsen ein. In den anderen Fällen sei sie als Mitläuferin „nur mit kleinen Beträgen beteiligt“ gewesen oder habe damit gar nichts zu tun. Richter Ulrich Kleinert und die Staatsanwältin signalisierten die Bereitschaft, die Anklage zumindest in fünf der 19 angeklagten Taten fallenzulassen. In anderen Fällen sei zumindest die Mittäterschaft praktisch erwiesen – etwa weil die Angeklagte auf Bildern von Überwachungskameras zu sehen ist.

Kurz vor Ende des ersten Prozesstages versuchte der Verteidiger der 25-Jährigen, sie aus der Untersuchungshaft zu holen. Seiner Ansicht nach sei diese Maßnahme nicht mehr notwendig, da die Frau mit einer Bewährungsstrafe rechnen könne. Das sah Richter Kleinert entschieden anders. In einem ähnlichen Verfahren hatte sich eine Verwandte der Angeklagten, die ebenfalls drei kleine Kinder hat, ins Ausland abgesetzt. „Von daher sehe ich hier eine akute Fluchtgefahr“, sagte Kleinert.

Der Prozess wird am 17. Oktober mit der Befragung von Zeugen fortgesetzt.#

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