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Garbsen Heinrich Nädler aus Osterwald forscht zum Ersten Weltkrieg
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Garbsen: Heinrich Nädler aus Osterwald forscht zum Ersten Weltkrieg

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18:03 22.11.2019
Heinrich Nädler forscht intensiv über die Schicksale von Soldaten aus der Region im Ersten Weltkrieg. Quelle: Thomas Tschörner
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Osterwald

Mit seinem Großonkel Christian Nädler und seinem Großvater Fritz Backhaus hat es angefangen: Heinrich Nädler aus Osterwald Oberende wollte mehr über die Soldatenzeit seiner beiden Vorfahren im Ersten Weltkrieg in Erfahrung bringen. Das Thema ließ den Landwirt und Rechtsanwalt im Ruhestand nicht mehr los. Er forschte über die Schicksale anderer Osterwalder und stieß auf das Drama eines „vergessenen Bataillons“ im Ersten Weltkrieg aus Hannover.

Forschung über den Großonkel

In seinem 2012 erschienenen Buch „Einer von zwei Millionen“ hat der Osterwalder seine Forschung über den am 7. August 1917 in Frankreich gefallenen Großonkel veröffentlicht. Ausgangspunkt war ein Todestelegramm mit spärlichen Angaben und ein Foto.

Mithilfe von Bibliotheken und Archiven, aber auch von Freunden und Internetforen konnte Nädler die Geschichte des Grenadiers auf rund 80 Seiten nachzeichnen. Christian Nädler wurde auch nach zweieinhalb Jahren Kriegserfahrung nicht vom Grenadier zum Gefreiten befördert, und er erhielt trotz zweier Verwundungen kein Verwundetenabzeichen. „Es geht um ein ganz normales Soldatenschicksal, wie es oft vorgekommen sein dürfte“, ist Nädlers nüchternes Fazit.

Vom Scharfschützen zum Koch

Etwas einfacher hatte er es bei seinem Großvater, der den Krieg überlebte. Von ihm lagen mehr Dokumente vor, unter anderem die Verleihungsurkunde für das Eiserne Kreuz Zweiter Klasse. Er gehörte zu den legendären Osterwalder Koppelknechten. Sie galten als Pferdeflüsterer, und auch Backhaus heilte das kranke Pferd seines Kompaniechefs mit einer Mischung aus starkem Kaffee und Cognac.

Backhaus, der zum Unteroffizier befördert wurde, war Scharfschütze und beim Reserve Infanterie Regiment (RIR) 74 im Einsatz. Als dringend ein Koch gesucht wurde, meldete er sich und war bis zum Ende des Krieges bei der Feldküche im Einsatz. „Das hat ihm möglicherweise das Leben gerettet“, sagt der Enkel heute.

Nädler weitet Recherchen aus

Das Thema ließ Nädler nicht los, er sammelte weiter Material. „Ich plante ein Buch über alle Osterwalder Kriegsteilnehmer“, sagt der 70-Jährige. Ein Anhaltspunkt waren die Erinnerungstafeln, die nach dem Krieg von Fotografen zusammengestellt worden waren. Schnell stieß Nädler auf Ungenauigkeiten. So waren längst nicht alle Gefallenen aufgeführt. Und auch von den Kriegsteilnehmern fehlten einige.

Das aufzuarbeiten war letztlich für Nädler ein Stück Regionalgeschichte. Denn das 3. Bataillon des RIR 74 mit Sitz in Hannover bestand aus Hannoveranern und Männern aus umliegenden Kommunen. Sein Großvater wurde in dieses Bataillon erst im März 1915 eingezogen – zu einem Zeitpunkt, als die Einheit schon schwere Verluste erlitten hatte.

Denn am 6. und 7. September 1914 hatte das Bataillon mit einer Stärke von rund 1000 Mann bei La Godine in Frankreich eine Position weit im Westen erreicht. Als sich die Deutschen hinter die Marne zurückzogen, wurde dieses Bataillon „vergessen“ und nicht über den Rückzug informiert. Warum es zu der Tragödie kam, sei nie aufgeklärt worden, sagt Nädler. „Schuldige sind nicht gesucht worden, ein Menschenleben war nichts wert.“

500 bis 600 Männer seien bei La Godine gefallen. Genauer ließe sich die Zahl aufgrund widersprüchlicher Angaben nicht eingrenzen, so Nädler. In der offiziellen Regimentsgeschichte seien die circa 400 Soldaten als gefallen aufgeführt worden, die auch für tot erklärt worden waren.

Vermisste seien aber meist auch ums Leben gekommen. Die 400 offiziell als gefallen aufgeführten Namen hat Nädler bei einer Onlinegräbersuche eingegeben – nur zwei liegen auf einem deutschen Soldatenfriedhof. „Verheizt, verscharrt und vergessen“, sagt Nädler erschüttert.

Heinrich Nädler hat sich in Frankreich bei La Godine umgeschaut und Krokusse gepflanzt. Quelle: privat

Verluste bleiben weiter hoch

Bis zum Ende des Krieges gingen 22.000 Mann durch das RIR 74. Dies zeige die hohen Verluste, sagt der Osterwalder. „Krieg ist das Schlimmste, was sollte das bringen?“ Er war oft auf den Spuren der Osterwalder Soldaten unterwegs und hat in Frankreich auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges Krokusse und Schneeglöckchen gepflanzt.

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Von Thomas Tschörner

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