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Garbsen Junge (3) in Kita verletzt – wer trägt Schuld an Sturz?
Umland Garbsen

Garbsen: Junge wird bei Sturz in Kita schwer verletzt - Verfahren am Amtsgericht Neustadt eingestellt

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15:39 03.09.2019
Das Verfahren gegen die Sozialassistentin ist vom Amtsgericht Neustadt gegen eine Geldauflage eingestellt worden. Quelle: Gerko Naumann
Auf der Horst

Albtraum für alle Eltern und Mitarbeiter in Kindergärten: Ein Kind wird beim Spielen schwer verletzt. In einer Kita in Garbsen hat sich im Mai 2018 ein solcher Fall ereignet. Ein damals dreijähriger Junge ist auf einer Hochebene in einem Gruppenraum über eine Brüstung geklettert und 2,5 Meter in die Tiefe gefallen. Dabei erlitt er unter anderem einen Schädelbasisbruch. Am Dienstag musste sich eine 47-jährige Sozialassistentin aus Barsinghausen vor dem Amtsgericht Neustadt verantworten – wegen fahrlässiger Körperverletzung durch Unterlassen, wie der Tatbestand im Juristendeutsch heißt. Die Frau hatte am Tag des Unfalls Aufsicht.

Während ihrer Aussage brach sie mehrfach in Tränen aus. Sie schilderte, dass sie über eine Zeitarbeitsfirma als sogenannte Springerin immer wieder in anderen Kindergärten tätig war. In zweieinhalb Jahren habe sie zwölfmal den Standort gewechselt. In der Kita in Garbsen sei sie schon seit einigen Monaten vor dem Unfall im Einsatz gewesen.

Kind klettert über Geländer

„Es war eigentlich ein ganz normaler Tag“, sagte sie. Sie habe mit zwei Mädchen an einem Tisch gebastelt, zwei Jungen spielten währenddessen „mucksmäuschenstill“ auf der Hochebene. Zu dem folgenschweren Sturz kam es aus Sicht der Staatsanwaltschaft, weil der Dreijährige auf die Lehne eines Kinderstuhls kletterte und so das etwa einen Meter hohe Geländer aus Plexiglas überwand, das genau vor solchen Stürzen schützen soll. Er fiel auf den Linoleumboden und verletzte sich schwer.

Die Angeklagte selbst bezweifelte, dass der Junge auf den Stuhl geklettert sei. Den Sturz selbst habe sie nicht gesehen – und auch niemand sonst. Die 47-Jährige räumte aber ein, dass sie den Jungen zuvor schon ermahnt hatte, weil er seine Pantoffeln über die Brüstung geworfen hatte. „Es tut mir unendlich leid, was passiert ist“, sagte die Sozialassistentin. Direkt nach dem Unfall habe sie sich um den Dreijährigen gekümmert und die anderen Kinder beruhigt. „Er wollte aufstehen und weiterspielen“, sagte die Barsinghäuserin.

Vermutlich keine Spätfolgen

Stattdessen wurde er mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht, berichtete der Vater des verunglückten Jungen. Das habe er schon am selben Tag wieder verlassen können. Als „stabiler, unauffälliger“ Patient, wie es im Bericht der Klinik heißt. Als es dem Jungen einige Tage schlechter ging, kam er erneut für drei Tage ins Krankenhaus. Bis heute muss der Junge regelmäßig zu weiteren Untersuchungen. „Die Ärzte sind aber relativ zuversichtlich, dass er keine Spätfolgen davontragen wird“, sagte der Vater.

In Absprache mit der Staatsanwältin stellte Richter Jens Wesche das Verfahren gegen die 47-Jährige nach etwa einer Stunde Verhandlung ein. Das sei möglich, weil „die Schuld der Angeklagten gering“ sei, auch wenn es die Folgen nicht seien, sagte Wesche. Wie es genau zu dem Unfall gekommen ist, sei nicht mehr im Detail zu klären, weil es keine Erwachsenen als Augenzeugen gibt. Die Angeklagte muss eine Geldauflage von 500 Euro bezahlen und gilt dann auch in Zukunft als nicht vorbestraft. Das Geld geht an ein Kinderhospiz.

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Von Gerko Naumann

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