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Garbsen Auch Verletzung stoppt Feuerwehrfrau nicht
Umland Garbsen Auch Verletzung stoppt Feuerwehrfrau nicht
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00:17 23.12.2018
Mit Leidenschaft ist Katja Bienert für die Meyenfelder Feuerwehr im Einsatz.
Mit Leidenschaft ist Katja Bienert für die Meyenfelder Feuerwehr im Einsatz. Quelle: Anke Lütjens
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Meyenfeld

„Das ist pures Adrenalin, wenn die Sirene geht“, sagt Feuerwehrfrau Katja Bienert. Die 36-Jährige gehört der Ortsfeuerwehr Meyenfeld seit 25 Jahren an. Helfen sei ihre größte Motivation, darum ist sie dabei. Bienert hebt auch die harmonische Kameradschaft in der mit 25 Aktiven eher kleinen Feuerwehr hervor. „Die Feuerwehr ist für mich wie eine Familie, das sind alles Freunde“, sagt die zierliche Frau mit den kurzen schwarzen Haaren.

Vertrauen ist wichtig bei der Feuerwehr

Seit 25 Jahren gehört Katja Bienert der Ortsfeuerwehr Meyenfeld an. Sie ist Atemschutzgerätewartin und -trägerin. Beim Brand des Sportcenters US Sport zog sie sich einen Bruch des Wadenbeins zu.

Gerade im Einsatz müssten sich die Kameraden aufeinander verlassen können und Vertrauen haben, sagt Bienert. An ihren ersten Einsatz unter Atemschutz erinnert sie sich noch – den Brand eines ehemaligen Asylbewerberheims an der Bundesstraße 6 im Juni 2010. „Ich war froh, dass ich einen erfahrenen Kollegen an der Seite hatte“, sagt die Feuerwehrfrau. Sie ist Atemschutzgeräte- und Zeugwartin sowie stellvertretende Erste Gruppenführerin. Dazu hat sie vor einigen Jahren einen Gruppenführer-Lehrgang gemacht. „Wenn wir im Einsatz sind, müssen acht Männer auf mich hören“, sagt Bienert mit einem Lachen.

Beim Einsatz das Wadenbein gebrochen

Beim Brand des Spieleparadieses und Sportcenters US Sports im Juni hat sich die 36-Jährige das Wadenbein gebrochen. „Ich habe der Einsatzleitung sofort Bescheid gesagt, die haben sich auch regelmäßig gemeldet“, sagt sie. Sechs Wochen hat es gedauert, bis die Medizinische Fachangestellte wieder arbeiten konnte. „Wir Feuerwehrleute sind über die Feuerwehrunfallkasse versichert“, berichtet Bienert. Eine Verletzung gelte als Arbeitsunfall und werde mit der Berufsgenossenschaft abgerechnet.

Mit elf Jahren in Feuerwehr eingetreten

Angst, in ein brennendes Haus vorzurücken, hat sie dennoch nicht. „Wir haben gesunden Respekt vor dem, was wir machen“, unterstreicht Bienert. „Das Schönste ist, wenn keine Menschen in Gefahr sind“, so die Feuerwehrfrau weiter. Mit elf Jahren ist sie zusammen mit ihrer Schwester in die Jugendfeuerwehr eingetreten. „1993 gab es noch nicht so viele Mädchen und Frauen in der Feuerwehr“, erzählt Bienert. Sie fand es toll, gleich eine Ausstattung mit Helm, Handschuhen und Schuhen zu bekommen.

Kurz vor ihrem 17. Geburtstag ist sie 1998 in die aktive Feuerwehr übernommen worden. Drei Jahre Pause hat die Meyenfelderin wegen der Geburt ihres Sohnes eingelegt. Seitdem ist sie wieder regelmäßig bei Diensten, Übungen und Einsätzen mit voller Leidenschaft dabei. „Ich würde alles bei der Feuerwehr machen – außer Maschinist und das Löschfahrzeug fahren. Das traue ich mir nicht zu“, sagt Bienert. Außer ihr gibt es noch zwei weitere Frauen in der aktiven Wehr und eine in der Altersabteilung.

Höhe und Einsatzkleidung bereiten Probleme

Vorurteile gegenüber Frauen hat sie bei ihren Kameraden noch nie erlebt – auch nicht bei anderen Feuerwehren oder im Einsatz. „Respekt ist da. Es spielt keine Rolle für sie. Sie staunen eher, wenn sie mich bei Feiern im Kleid und geschminkt sehen“, sagt Bienert. Sie findet eher Fragen befremdlich, die Leute mit wenig Verständnis für die Feuerwehr stellen wie: Kochst du den Männern da den Kaffee? „Größeres Problem für Frauen in der Feuerwehr ist bislang, passende Einsatzkleidung zu bekommen – besonders, wenn sie kleiner sind“, macht Bienert deutlich. Dann sind auch höher gelegene Geräte im Feuerwehrwagen schwer zu erreichen. Dann helfen sicher die Kameraden.

Den ersten Teil unserer Serie über Anna Wehde von der Feuerwehr Horst finden Sie HIER.

Als Betreuerin ist Anna Wehde bei den Übungen der Jugendfeuerwehr in Horst dabei. Sie gibt ihr Wissen an die Jungen und Mädchen weiter und sorgt dafür, dass die Kinder Spaß haben.

Von Anke Lütjens