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Garbsen Oberschule Berenbostel nutzt Tablets im Sportunterricht
Umland Garbsen Oberschule Berenbostel nutzt Tablets im Sportunterricht
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13:18 28.03.2019
Sportlehrer Jan Vedder erklärt am Bildschirm den Ablauf der Stunde. Quelle: Linda Tonn
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Berenbostel

 Lara springt von einem Kasten zum anderen. Dann läuft sie schnell zu Klassenkameradin Alisia und wirft einen Blick auf den Tablet-Computer in deren Händen. Auf dem Bildschirm sind Laras Beine und Füße zu sehen, wie sie von einem zum anderen Kasten springen. „Ich habe das zeitverzögert aufgenommen“, sagt die die elfjährige Alisia. „Dann können wir uns nach dem Springen die Übungen noch einmal genau anschauen.“ Neben Bällen, Matten, Kästen und Barren gehören seit knapp einem Jahr auch Tablets und ein großer Bildschirm zum Sportunterricht an der Oberschule Berenbostel (OBS). Dort wird digitales Arbeiten seit dem Schuljahr 2016/17 groß geschrieben: Mit Tablet-Klassen, in denen die Schüler mit eigenen mobilen Computern lernen und arbeiten, ist die OBS Berenbostel derzeit in Garbsen und auch der Region Hannover noch ein Vorreiter. In vier Jahren sollen alle 460 Schüler mit den Geräten ausgestattet sein. „Die Tablets sind für die Schüler ein multifunktionales Werkzeug“, sagt Sport- und Deutschlehrer Hendrik Anterhaus. „Sie können Texte lesen, schreiben, filmen und aufnehmen.“ Die Technik, die bislang vorrangig in Fächern wie Deutsch und Mathematik Anwendung fand, soll nun auch in die Sporthalle einziehen.

Neben Barren, Matten und Kästen kommen an der Oberschule Berenbostel auch Tablets im Sportunterricht zum Einsatz. Die Schüler filmen und analysieren Bewegungsabläufe.

An diesem Tag hat Sportlehrer Jan Vedder einen Parkour mit den Sechstklässlern aufgebaut, an dem sie einzelne Übungen an Sprungkästen, an der Stange und weichen Matten trainieren können. Das Thema der Stunde ist Stärke und Beweglichkeit. Doch bevor es ans Bewegen geht, kommen die Schüler erst einmal vor einem großen Fernsehbildschirm zusammen. Vedder präsentiert das Programm für die Stunde: Aufwärmen, Stationen und Analyse, Besprechung, Parkour-Run. „In der letzten Stunde haben wir gemeinsam sogenannte Stationskarten erstellt“, sagt Vedder. Auf dem Tablet haben die Schüler zu den einzelnen Übungen Videos gesucht und aufgeschrieben, was bei den Bewegungsabläufen zu beachten ist. „Das können sie dann immer wieder mit ihren eigenen Ergebnissen abgleichen“, sagt Vedder. Schon beim Aufwärmen macht nicht der Sportlehrer die Übungen vor, sondern Trainer auf dem Computer. „Ziel ist es, dass der Unterricht nicht mehr nur zentral auf mich als Lehrer ausgerichtet ist, sondern, dass die Schüler auch eigenständig lernen und ihre Fehler erkennen“, sagt Vedder.

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Tablet hilft bei der Analyse

Die elfjährige Alisia findet die Arbeit mit dem Tablet gut. „Wenn wir uns gegenseitig filmen, können wir sehen, was wir verbessern können“, sagt sie. Auch der 13-jährige Ender nutzt das Gerät, um sich seine eigenen Bewegungen genau anzuschauen. Dafür muss er aber erst einmal einen langen Anlauf nehmen, sich auf dem Kasten abstützen und drüberspringen. „Ich gebe mir mehr Mühe“, sagt er. Es sei Übungssache, die Abläufe analysieren zu können und dadurch zu verbessern, sagt Vedder. Das Videoschauen gehört für ihn zum Lernen dazu. „Sportunterricht heißt nicht mehr nur 90 Minuten herumzurennen, bis der Kopf rot ist.“ Dass durch die viele Technik die Bewegung im Unterricht zu kurz kommt, glaubt er nicht. „Der Anteil ist immer noch am größten“, sagt er. Neu sei, dass der Sport immer wieder von Einheiten unterbrochen werde, in denen die Schüler die Übungen am Bildschirm betrachten.

Das ist der Digitalpakt von Bund und Ländern

„Das Einbinden von Tablets in den Unterricht ist ein ständiger Prozess“, sagt Hendrik Anterhaus, Lehrer an der OBS Berenbostel. Sowohl Lehrer als auch Schüler müssten gemeinsam mit der Technik lernen. Die Digitalisierung in den Schulen funktioniere nicht von einem Tag auf den anderen: „Die Oberschule Berenbostel ist da schon sehr weit.“ Kollege Jan Vedder hofft auch auf das Geld aus dem Digitalpakt, den Bund und Länder geschlossen haben – ein Programm, dass die Schulen digital aufrüsten soll. Der Bund gibt im Laufe der kommenden fünf Jahre insgesamt fünf Milliarden Euro an die Länder, um die Schulen für das digitale Zeitalter fit zu machen. Bezahlt werden sollen von dem Geld der Aufbau der digitalen Vernetzung in Schulen, schulisches Wlan und die Entwicklung von Lernplattformen. Für digitale Endgeräte soll es bis zu 25.000 Euro pro Schule geben. Auf das Land Niedersachsen entfallen 470 Millionen Euro. Generell geht es um alle allgemeinbildenden Schulen, also nicht nur Gymnasien, sondern etwa auch Grundschulen und Berufsschulen. ton

Derzeit ist Vedder dabei, weitere Sportkollegen für den Unterricht mit Tablets und Bildschirmen fortzubilden. „Das Interesse ist sehr groß“, sagt er. „Auch bei älteren Kollegen.“ Viele Sportlehrer wünschten sich schon seit Langem Technik, die es ermöglicht, Bewegungen aufzunehmen und später in Zeitlupe zu analysieren. „Die Software dafür kostete 1000 Euro. Jetzt brauchen wir dafür nur unsere mobilen Geräte.“ Auch für andere Einheiten wie Fußball könne das Tablet ein gutes Hilfsmittel sein. Das einzige was noch fehle, sei eine Sporthalle mit Wlan-Strukturen. „Dann könnten wir noch mobiler arbeiten.“

Von Linda Tonn

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