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Garbsen Projekt soll Mädchen für Berufe im Handwerk begeistern
Umland Garbsen

Garbsen: Projekt "Mädchen ins Handwerk" soll Frauen für Berufe im Handwerk begeistern

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14:13 29.10.2019
Die Auszubildende Jenny Bender zeigt den Neuntklässlerinnen der IGS Garbsen, wie ein Radwechsel funktioniert. Quelle: Jutta Grätz
Berenbostel

Bei 23 Prozent liegt der Anteil an Frauen in Handwerksberufen im Bezirk der Handwerkskammer Hannover, im Bereich der Ausbildung sieht es sogar noch schlechter aus. Weniger als jeder fünfte Auszubildende ist weiblich. Auch in den Lehrwerkstätten des Campus Handwerk in Berenbostel am Seeweg stehen noch immer wenige Frauen an der Hobelbank, am Kfz-Prüfstand oder in der Lackiererei in der Autowerkstatt. Das war am Montag anders: 20 Neuntklässlerinnen der IGS Garbsen haben einen Vormittag lang Einblicke in die Ausbildungsberufe in der Auto- und Tischlerwerkstatt bekommen – und auch ganz praktisch mitgearbeitet.

 „Mädchen ins Handwerk“ heißt das Projekt, das der Campus Handwerk in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit und der Region Hannover seit 2016 anbietet. „Ohne Frauen geht es nicht“, sagt Sonja Plötz vom Team Nachwuchsgewinnung der Handwerkskammer. Das Handwerk könne längst nicht mehr alle Ausbildungsplätze besetzen und setze gezielt auf mehr Mädchen und Frauen.

Deshalb stehen Annemieke, Chantelle, Venja und ihre Klassenkameradinnen in der Kfz-Werkstatt. Gemeinsam mit der Auszubildenden Jenny Bender hocken sie vor einem roten Kleinwagen und lösen die Muttern des linken Vorderrades mit einem Schlagschrauber.

Azubis erklären auf Augenhöhe

„Dafür braucht ihr Kraft, aber auch Fingerspitzengefühl“, sagt Bender. Sie lernt im zweiten Lehrjahr den Beruf der Kfz-Mechatronikerin, zeigt den Mädchen den Umgang mit Wagenheber und Werkzeug. Es klappt: Elenie Alexia und die anderen Mädchen aus der Klasse 9.08 montieren das Rad ab und wieder dran.

„Das ist spannend“, sagt Venja aus Havelse, „sonst gucke ich dabei immer nur meinem Vater zu.“ An einem Prüfstand nebenan wechseln die Neuntklässlerinnen mit der Auszubildenden Sanja Borchers Zündkerzen. „Hierbei müsst ihr sehr sauber und ordentlich arbeiten“, sagt die 21-Jährige, „die Gewinde sind sehr empfindlich.“

Lesen Sie mehr: Das ist der Campus Handwerk in Garbsen

Vorbilder für Frauen in Handwerksberufen liefert der Campus Handwerk gleich mit: Meisterinnen und Auszubildende erklären die Abläufe. In der Tischlerwerkstatt zeigen Ausbilderin Sabine Grimmelmann und die Auszubildende Svenja Borsuk den Mädchen, wie sie mit Hobel, Feile und Raspel umgehen, um ihr persönliches Frühstücksbrett aus Holz zu gestalten. „Es war toll, das auszuprobieren“, sagt Anastasia (14). Aber sie wolle doch eher ein Praktikum in einem Bürojob machen.

Geschlechter spielen bei Berufswahl eine Rolle

„Sich auszuprobieren und Fragen zu stellen, das steht im Mittelpunkt des Projektes“, sagt Lena Wilke vom Team Beschäftigungsförderung der Region. Geschlechter-Stereotype würden bei der Berufswahl nach wie vor eine große Rolle spielen, sagt Heike Döpke, Leiterin der Arbeitsagentur Hannover. Auch deshalb gäbe es Projekte wie dieses.

Am Dienstag und Mittwoch lernen zehn weitere Schülerinnen der IGS Garbsen, sowie 20 Mädchen von der Leonore-Goldschmidt-Schule, der Otto-Hahn-Schule Wunstorf, der Caroline-Herschel-Realschule Garbsen und der IGS Südstadt jeweils zwei Handwerksberufe kennen. In einer Nachbereitungsphase in der Schule bekommen sie Unterstützung für die Suche nach einem Praktikums- oder Ausbildungsplatz.

Die Berufsorientierung gehe in der neunten Klassen in die Entscheidungsphase, sagt Claus Kansersky, Ausbildungslotse an der IGS Garbsen. Die Schülerinnen seien in den vergangenen Jahren sehr viel offener für eine Ausbildung im Handwerk geworden, hat er beobachtet.

Nur 18,5 Prozent der Azubis im Handwerk sind weiblich

Zum Stichtag 31. Dezember 2018 haben im Bezirk der Handwerkskammer Hannover waren 18,5 Prozent der Auszubildenden im Handwerk weiblich. Das sind bei 8366 Auszubildenden 1549 Frauen. „Diesen Prozentsatz gilt es deutlich zu erhöhen“, sagt Handwerkskammerpräsident Karl-Wilhelm Steinmann. Der Frauenanteil habe sich seit 2015 sogar verringert, erläutert Christine Seeger, Sprecherin der Handwerkskammer. Damals waren es noch 20,4 Prozent.

„Gerade aus diesem Grund lassen wir nicht nach, gerade Mädchen für das Handwerk zu gewinnen“, sagt Seeger. Ziel des Projekts „Mädchen ins Handwerk“ sei es, Mädchen und junge Frauen schon früh für eine handwerkliche Berufsausbildung zu begeistern, ihnen Karrieremöglichkeiten aufzeigen und sie auf ihrem Weg in die handwerkliche Berufsausbildung eng zu begleiten. „Und bei Angeboten für leistungsstarke Bewerber wie das Berufsabitur und zwei triale Studiengänge sprechen wir explizit auch Schülerinnen an, die in der Regel in der Schule etwas besser abschneiden als ihre männlichen Kollegen.“

Frauen sind in den Lehrwerkstätten des Campus Handwerk in Garbsen eher eine Seltenheit. Am Montag war das anders: „Mädchen ins Handwerk“ heißt das Projekt, das Frauen für Handwerksberufe begeistern soll.

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Von Jutta Grätz

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