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Garbsen Schulleiter und Elternvertreter mahnen Sanierungsstau an Schulen an
Umland Garbsen

Garbsen: Schulleiter und Elternvertreter mahnen Sanierungsstau an Schulen an

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17:00 22.11.2019
„Es gibt immer etwas zu tun“: Ortsrat Garbsen und Schulausschuss haben mit Mitgliedern der Verwaltung die Grundschule Osterberg besichtigt. Quelle: Linda Tonn
Garbsen-Mitte/Altgarbsen

In der Dunkelheit müssen die Mitglieder des Ortsrates Garbsen und des Schulausschusses ganz genau hinschauen. Doch dann fällt deutlich auf: Die Fassade an der einen Seite der Grundschule Osterberg ist komplett offen. „Die äußeren Platten sind heruntergefallen“, sagt Schulleiterin Hilke Bertram. Dadurch gelange Feuchtigkeit in den Innenraum, gleichzeitig dringe Wärme nach außen. Bei solchen Schilderungen schütteln einige Politiker den Kopf.

Für die Eltern sei das absolut nicht tragbar, fügt Daniela Kippnich hinzu. Sie ist Vorsitzende des Stadtelternrats und hat einen Sohn an dieser Grundschule. „Man kann ja fast durch die Wand schauen“, sagt sie.

Renovierung der Fassade in Planung

Kippnich und Bertram führen durch die Schule, um zu zeigen, was alles getan werden muss: In der Sporthalle fehlen Tore, der Asphalt auf dem Schulhof wölbt sich hoch, und in vielen Klassenräumen sitzen die Schüler auf wackeligen Stühlen. „Wir schauen uns alles genau an und nehmen es auf“, sagt Schuldezernentin Monika Probst. Mit der Renovierung der Fassade werde man beginnen, sobald es die Witterung zulasse.

Wie viel an den Schulen in Garbsen im Argen liegt, wird eine halbe Stunde später im Ratssaal deutlich. Der Schulausschuss will dort diskutieren, wie viel Geld für das kommende Jahr für die Schulen ausgegeben werden soll – 3,6 Millionen Euro sind im Haushalt 2020 für die bauliche Unterhaltung der Gebäude vorgesehen. Dazu kommen Investitionen.

An einer Seite der Schule ist die Fassade komplett offen und unverputzt. „Das ist für uns nicht tragbar“, sagen Elternvertreter. Quelle: Linda Tonn

Viele Fragen an die Verwaltung

Selten ist die Besuchertribüne so gut besetzt wie an diesem Abend. Elternvertreter verschiedener Schulen, Schulleiter und Lehrer haben viele Fragen an die Verwaltung: Wann wird der Brandschutz an der Oberschule Garbsen verbessert? Wie soll die Raumproblematik am Johannes-Kepler-Gymnasium gelöst werden? Wird die Grundschule Garbsen-Mitte im kommenden Jahr einzügig, während andere Schulen aus den Nähten platzen? Werden nach wie vor Schüler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Klassenräume in der James-Krüss-Grundschule besetzen?

„Für den Ganztagsbereich an unserer Schule gibt es keine Aufenthaltsräume“, sagt Axel Dettmer, Schulleiter der Oberschule Berenbostel. Außerdem sei die Mensa nicht ausreichend groß. „Gibt es eine Perspektive, wann der Notstand behoben wird?“, fragt er. Viele Schulen würden Listen führen und alles zusammentragen, was getan werden muss, sagt Kathrin Thiele vom Stadtelternrat. „Wir haben den Eindruck, dass die Listen immer länger werden.“

Lesen Sie auch: Sanierung der IGS Garbsen wäre teurer als ein Neubau

Der Unmut, der den Ratspolitikern und Verwaltungsmitgliedern entgegenschlägt, ist deutlich zu spüren. „Wir haben alles notiert, was an den Schulen getan werden muss“, versucht es Schuldezernentin Probst mit einer Erklärung. „Die Summe im Haushalt hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter erhöht. Wir sind daran, die Listen abzuarbeiten.

Verwaltung setzt Prioritäten

Allerdings müsse man auch immer schauen, welche Maßnahmen am dringendsten seien, sagt Probst. Darüber werde intern beraten und das vorgesehene Budget verteilt. „Wenn das Geld für ein Jahr ausgeschöpft ist, kommen wir einfach nicht weiter“, so Probst. „Außerdem können wir auch nicht so viel Personal an Bord nehmen, wie wir wollten“, sagt Kämmerer Walter Häfele.

Dass Bildung die höchste Priorität hat, will auch in den Reihen der Politiker im Ratssaal niemand bestreiten. „Man muss aber auch sehen, dass das Geld endlich ist“, sagt Wilfried Aick (SPD). Trotzdem dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass auf der einen Seite 80 Millionen Euro für einen Neubau der IGS Garbsen ausgegeben werden und auf der anderen Seite gehungert wird. Der Brandschutz sollte in jedem Fall vor „kosmetischen Maßnahmen“ wie neuen Teppichen oder Stühlen stehen.

„Unhaltbar“ nennt dagegen Andreas Bienstein (Freie Wähler) die Zustände an den Schulen. Auch Günther Petrak (Die Unabhängigen) rät dazu, die Prioritätenlisten für die Bauarbeiten an den Schulen öffentlich zu machen. Die Grünen seien der Meinung, grundsätzlich das Budget für bauliche Maßnahmen an Schulen um eine Million Euro jährlich zu erhöhen, sagt Tibor Sostmann. „Viele Dinge sind seit Jahren nicht abgearbeitet worden.“

„Ein schwieriger Spagat“

Helmut Busjahn (CDU/FDP-Gruppe) wirbt bei den Eltern und Schulleitern um Verständnis. „Es ist ein schwieriger Spagat, den wir in jedem Jahr vollziehen.“ Nicht nur die Schulen forderten mehr Geld, es müssten auch Kitas neu gebaut und Krippenplätze geschaffen werden. Man dürfe nicht das eine gegen das andere ausspielen, sagt er. „Die Wünsche sind immer schnell formuliert, aber oft fehlen der Politik die Möglichkeiten.“

Kommentar von Linda Tonn

Verständnis füreinander ist gefragt

Kaputte Toiletten, undichte Fenster, fehlende Rettungswege, veraltete Technik: An den Schulen in Garbsen liegt einiges im Argen. Das haben die Besucher auf der Tribüne beim Schulausschuss eindrücklich geschildert. 45 Minuten hatten sie für ihre Fragen und Anliegen – zu wenig Zeit, um alles loswerden zu können.

Es ist wichtig, dass Schulleiter, Lehrer und Eltern nicht müde werden, immer wieder auf die Mängel hinzuweisen. „Für uns sind das alles sehr gravierende Dinge, weil unsere Kinder dort zur Schule gehen“, sagt Daniela Kippnich, Vorsitzende des Stadtelternrats. Das ist entscheidend und muss bei der Stadtverwaltung ankommen.

Aber es ist nur die eine Seite des Problems.

Auf der anderen Seite stehen Schuldezernentin Monika Probst und Stadtkämmerer Walter Häfele, die mit 18 Schulen in Garbsen und dementsprechend vielen Mängeln Jahr für Jahr eine Mammutaufgabe zu lösen haben. Denn das Budget ist begrenzt, ebenso die Anzahl an Mitarbeitern. Sie müssen Prioritäten setzen und das Geld sinnvoll verteilen.

Deshalb ist gerade jetzt das Verständnis beider Seiten gefragt: Die Verwaltung muss transparent machen, welche Probleme sie als Nächstes angehen will und welche Themen hintangestellt werden müssen. Gleichzeitig müssen Eltern und Schulleiter geduldig sein.

Fatal wäre es, wenn Schulen gegeneinander ausgespielt würden.

Diese Bauarbeiten sind für 2020 vorgesehen

Bei den Ausgaben für die Schulen wird zwischen Investitionen und baulicher Unterhaltung unterschieden. Als konkrete Pläne für Letzteres nennt Schuldezernentin Monika Probst für 2020 unter anderem eine Modernisierung der Lehrküche an der Oberschule Berenbostel (30.000 Euro). An der Oberschule Garbsen sollen für etwa 200.000 Euro Aufenthaltsräume und der Freizeitbereich renoviert sowie die Ausstattung der Klassenräume für Naturwissenschaften verbessert werden. In der IGS Garbsen werden unter anderem Bodenbeläge erneuert (135.000 Euro), am Johannes-Kepler-Gymnasium Toiletten im dritten Obergeschoss saniert (85.000 Euro). Zudem sollen an mehreren Schulen Räume für eine Übergangslösung für die Umstellung auf G9 hergerichtet werden, und der Brandschutz werde verbessert. Weitere 150.000 Euro sind für die Inklusion vorgesehen. ton

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