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Garbsen So werden die historischen Waggons bei Hesse abtransportiert - mit Video
Umland Garbsen

Garbsen: So werden die historischen Waggons bei Möbel Hesse abtransportiert

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19:31 26.09.2019
Historische Waggons bei Möbel Hesse werden abtransportiert Quelle: Foto: Linda Tonn
Berenbostel

Um 6 Uhr hätte die Aktion starten sollen, um 11.42 Uhr schallt ein kurzes lautes Knacken über den Parkplatz – und dann hebt sich der erste tonnenschwere Speisewaggon Zentimeter für Zentimeter in die Luft. Nach stundenlanger Vorbereitung sitzen die orangefarbenen Riemen passend um den wuchtigen Wagen. Alle Arbeiter sind auf Position, die Kranfahrer schieben langsam den Schalthebel nach vorn. Vorsichtig und beinahe in Zeitlupe wird der Waggon auf einen Schwerlastwagen gehoben.

Die Vorbereitungen beginnen

Ab Donnerstagmorgen 8 Uhr haben eine Spezialfirma und die Stiftung Deutsche Eisenbahn (SDE) die historischen Eisenbahnwagen vom Möbel-Hesse-Gelände für den Transport vorbereitet. Zahlreiche Zaungäste und viele Mitarbeiter verfolgen das Spektakel. „Das bekommt man auch nicht jeden Tag zu sehen“, ist zu hören, als der erste der beiden 40 Tonnen schweren Waggons in etwa vier Metern Höhe an den Trageriemen baumelt.

Die Vorarbeiten hatten schon Tage vorher begonnen. Die SDE ist mit neun Ehrenamtlichen in Berenbostel. Etwa zehn Mitarbeiter und fünf Schwerlastwagen hat das Transportunternehmen Kahl aus Moers geschickt. Von Hesse stehen alle Haustechniker parat, assistieren, räumen weg, was Wege versperrt. Die Firma Schwarze Krane aus Berenbostel ist mit drei Mann vor Ort. Der zweite 100-Tonnen-Kran von BKL nimmt gegen 10 Uhr seine Position auf dem Hof ein. Der morgens noch leere Parkplatz vor der Wohnwelt ist plötzlich voll bis an den Rand mit technischem Gerät, Großfahrzeugen und Menschen.

Halten die Waggons?

Die spannendste Frage ist für alle: Halten die Waggons? Die Mitropa hat die Speisewagen Nummer 1221 und 1222 nach Angaben der SDE vor 84 Jahren bauen lassen. Nummer 1220 rollt schon wieder im Lippischen Land. Seit 50 Jahren stehen 21 und 22 bei Hesse als Speisezug auf dem Abstellgleis. Rost hinter den Blechen, unter dem Dach, in der Karosserie. Halten sie ihr eigenes Gewicht noch aus? Es sieht phasenweise kritisch aus. Als die Kräne den ersten Wagen anheben und alle das Knacken hören, wird es für einen Moment sehr still.

Tonnenschwere Lasten, fragile Waggons: So war das Verladen des Restaurantzuges bei Hesse.

Am Haken hängen historische Werte

Rudi und Hartmut, Bernd und Volker, Klaus und Hendrik von der SDE – alle eingeschworene Eisenbahner vom Niederrhein – geben Entwarnung. Die Kranführer arbeiten langsam und präzise weiter, achten auf Rufe und Handzeichen. Was da an ihren Haken hängt, hat für die Eisenbahner unschätzbaren Wert. Es gibt deutschlandweit nur noch ein einziges Exemplar, das innen so original erhalten ist wie der 1221.

Der Bremszylinder muss weg

Auch die Treppe zum Küchenwagen muss weg. Quelle: Markus Holz

Zaungäste filmen

Anders als beim Transport der Lok nach Berenbostel über den Flughafen Langenhagen wird es von dieser Aktion unzählige Fotos und Videos geben. Zaungäste filmen und fotografieren, lassen Erinnerungen an Firmen- und Familienfeiern im Speisewagen wach werden und erzählen von ihrer eigenen Eisenbahnerzeit in Hannover. Jeder Zuschauer hat eine Verbindung zu den Waggons. Und wer sie nicht hat, ist fasziniert vom perfekten Zusammenspiel von Mensch und Technik an diesem Tag.

Bis zum Abend soll alles verladen sein, inklusive der Gleise. Um 22 Uhr werden die ersten beiden Tieflader mit ihrer schweren Fracht zum Niederrhein aufbrechen dürfen. Der letzte startet gegen Mitternacht. Sie fahren mit Polizeibegleitung um den Kreisel an der Robert-Hesse-Straße über die Flemmingstraße und Langenhagener Straße auf die B6 und A2. Nadelöhr wird der Kreisel.

Waggons werden restauriert

Die beiden über 40 Tonnen schweren historischen Waggons und der kleine Packwagen, der als Küche diente, hat das Möbelhaus der Stiftung Historischer Eisenbahnpark Niederrhein geschenkt. Dort werden sie restauriert und sollen wieder auf Fahrt gehen. „Alles eine Frage des Geldes und unserer Zeit“, sagt Klaus Tillmann. Die schwarze Dampflokomotive P8 sowie ihr Tender stehen aber auch in Zukunft weiterhin auf dem Gelände. Die Waggons müssen weichen, weil 2020 das Restaurant L’Osteria eröffnen wird.

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