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Garbsen Sozialprojekt Neuland besteht seit 15 Jahren
Umland Garbsen Sozialprojekt Neuland besteht seit 15 Jahren
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00:17 22.09.2018
"Jeder weiß, was Neuland ist": Neuland-Mitgründerin Bärbel Smarsli (links) und Koordinatorin Kathrin Osterwald bereiten die Feier zu 15 Jahren ökumenisches Sozialprojekt vor. Quelle: Linda Tonn
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Berenbostel

„Trau dich“, steht auf einer Postkarte, die im Nachbarschaftsladen in Berenbostel an die Wand gepinnt ist – ein Mutmacher. Am Tisch davor sitzen Kathrin Osterwald und Bärbel Smarsli, um eine ganz besondere Geburtstagsfeier vorzubereiten: Das ökumenische Sozialprojekt Neuland, das in den Räumen eine wichtige Anlaufstelle für die Anliegen der Bewohner im Quartier Kronsberg bietet, besteht seit 15 Jahren. „Mein Kind ist mittlerweile ein Jugendlicher“, sagt Smarsli, Gemeindereferentin in der katholischen Gemeinde St. Raphael und eine der Gründerinnen des Projekts. Um das gebührend zu würdigen, wird am kommenden Sonnabend das ganze Quartier auf den Beinen sein.

Das ökumenische Sozialprojekt Neuland besteht seit 15 Jahren. Am Wochenende wird der Geburtstag auf dem Franziskusfest im Quartier gefeiert.

Nachbarschaftsladen öffnete am 22. September

Mit Mut und einer kühnen Idee habe es 2003 angefangen, erinnert sich Smarsli. In einer Sitzung zum Förderprogramm Soziale Stadt, von dem auch das Sanierungsgebiet Kronsberg profitiert, sei der Satz gefallen: „Vielleicht kann man da mal was für die Bewohner machen.“ Ausgesprochen wurde er von Robert Kulle von der Wohnungsbaugesellschaft GBH, die viele Häuser in Berenbostel-Kronsberg gebaut hat. Gemeinsam mit Bärbel Smarsli und dem ehemaligen Pastor der evangelischen Silvanusgemeinde, Christian Voigtmann, entwickelte er das Konzept für den Treffpunkt mitten im Quartier. „Wir wollten als Kirche raus zu den Menschen“, sagt Smarsli. Am 22. September 2003 war aus der kühnen Idee ein Nachbarschaftsladen geworden. Bis heute ist er ein kleiner Raum mit großen Fenstern an der Wilhelm-Reime-Straße. Träger sind die katholische Kirche St. Raphael und die evangelische Silvanusgemeinde. „Kirche stand hier aber nie im Mittelpunkt“, sagt Smarsli. Der Laden sollte auch keine Beratungsstelle sein, sondern ein Ort, an dem Bewohner zusammenkommen. Mit Ehrenamtlichen aus beiden Gemeinden und Sozialarbeiter Kai Schiewek wurde diese neue Anlaufstelle mit Leben gefüllt – mit Hausaufgabenhilfe, Kochgruppe und Fahrradwerkstatt.

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Mit Flüchtlingen kommen neue Aufgaben

Über die Jahre haben sich die Angebote und Gruppen verändert – „je nach Bedarfen und Talenten der Ehrenamtlichen“, sagt Kathrin Osterwald, die seit 2013 der Kopf des Projekts ist. Das Jahr 2015 und die ankommenden Flüchtlinge hat die Arbeit des kleinen Nachbarschaftsladens auf den Kopf gestellt. Plötzlich brauchte man Deutschkurse, Hilfe bei der Wohnungssuche und bei Asylfragen. Auch das hat das Team mit der Hilfe von Integrationslotsen und Ehrenamtlichen gestemmt. Schnell gründete sich eine Willkommensgruppe, es fanden sich Lehrer für Deutschkurse und Freiwillige für Behördengänge. Für die Initiative „Mit Neuland auf Wohnungssuche mit Geflüchteten“ wurde das Projekt 2017 mit dem Elisabethpreis der Caritas ausgezeichnet. „Ich kann oft gar nicht genau sagen, was mein Job ist und was nicht“, sagt Osterwald. Ist der PC kaputt, muss sie sich ebenso kümmern, wie um ein unverständliches Formular.

Was sich seit der Gründung vor 15 Jahren nicht verändert hat, ist das Ziel eines wertschätzenden Miteinander auf Augenhöhe – für alle Menschen. Osterwald sitzt im Nachbarschaftsladen, hat in Sprechstunden ein offenes Ohr, koordiniert, plant. „Ich bin direkt bei den Menschen, bin Ansprechpartnerin und gebe Hilfe zur Selbsthilfe.“ Sie mag das „Projekthafte“, das der Laden noch immer inne habe und dass einer vom anderen lerne. Flexibel könne man sich immer auf neue Situationen einstellen und helfen, wo geholfen werden muss. Das sei kein Selbstläufer, sagt Osterwald. „Es braucht Arbeit, um das Vertrauen der Menschen zu bekommen.“ Das hat sich die energische Frau durch ihre Präsenz vor Ort und in Netzwerken aufgebaut. Einmal sei ein Bewohner zu ihr gekommen und habe gesagt: „Zu Neuland kann ich kommen, ohne Angst zu haben.“ Dafür sei es wichtig, dass auch langfristig eine Kontinuität gesichert sei, sagt Osterwald. Gerade wurde ihr Vertrag verlängert – bis Ende 2021 wird sie als Hauptverantwortliche in jeden Fall bleiben. Es habe ein bisschen gedauert, sagt Bärbel Smarsli rückblickend: „Aber nach 15 Jahren haben viele Garbsener Neuland im Blick und man muss niemandem mehr erklären, was wir hier eigentlich tun.“

Geburtstagsfeier auf dem Franziskusfest

15 Jahre ökumenisches Sozialprojekt Neuland sollen am Sonnabend, 22. September, beim Franziskusfest auf dem Kronsberg in Berenbostel gefeiert werden. Ab 14 Uhr wollen die katholische Kirche in Garbsen gemeinsam mit der Silvanusgemeinde, mit Ehrenamtlichen, Projektgründern, Bewohnern und Neuland-Verbundenen feiern. Entlang des Franziskuswegs gibt es Mitmach-Aktionen, eine Fotowand zum Thema „Neuland tut Gutes“, eine Fotoaktion mit rotem Teppich und wechselnde Livemusik. „Jeder soll etwas zu essen mitbringen, das man gut teilen kann“, sagt Bärbel Smarsli. „Das gibt dann ein riesiges Büffet.“ Sie selbst bringt in einem Erzähltheater Kindern die Geschichte des Heiligen Franziskus näher, das Neuland-Team gestaltet einen Fahrradparcours. Den Höhepunkt des Festes bildet eine Menschenkette, zu der sich alle Festbesucher zusammenfinden sollen. Entlang des Franziskuswegs wollen sie sich aufstellen – als ein Zeichen für das Miteinander im Stadtteil. ton

Von Linda Tonn