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Garbsen Kita Schloß Ricklingen: Grupe-Hee übernimmt Regie
Umland Garbsen Kita Schloß Ricklingen: Grupe-Hee übernimmt Regie
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06:15 02.04.2019
Und jetzt ist Schluss, Prost: Thomas Kühne steht noch einmal im Mittelpunkt. Quelle: Markus Holz
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Schloß Ricklingen

Wer mit so viel Hingabe 37 Jahre lang einen Kindergarten geführt hat, muss vielleicht einen so harten Schlussstrich ziehen. Weicher Abschied ist manchmal viel härter. Thomas Kühne zieht nach der offiziellen Verabschiedung in der Kita Schloß Ricklingen um Punkt 12.30 Uhr den Stecker, verlässt die WhatsApp-Gruppe des Teams, nimmt die letzten persönlichen Reste aus seinem Büro und geht. Das war’s. Die Ära Kühne ist am Freitagmittag beendet. Denkt Kühne...Um 15 Uhr begann die Überraschungsgartenparty mit dankbaren Begleitern, Kollegen und Partnern.

Das Kind steht im Zentrum

Mit Thomas Kühne verlässt ein Kita-Leiter von besonderem Schlag die Szene. Kühne hat praktisch wie theoretisch gearbeitet. Der Autor von Fachbüchern und freiberufliche Kita-Berater ist ein glühender Verfechter des „Offenen Kindergartens“. Die Kurzform des Konzeptes: Kinder stehen ohne wenn und aber im Zentrum; sie gestalten eigenständig ihre Entwicklung. Und die Erzieher gestalten den Raum dafür, geben Anreize, sind die Leitplanken und sicheren Netze. So eine Kita ist ständig offen für Kinderwünsche und -bedürfnisse. In einer solchen Kita muss keiner gerade tun, was die anderen machen. Das ist anspruchsvoll fürs Team und das braucht Eltern, die zuhause nicht das ganze pädagogische Konzept auf den Kopf stellen, sondern es mittragen und mitgestalten.

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Der Kindergarten lernt

Kühne hat in diesem Konzept 37 Jahre lang die Fäden in der Hand gehabt. Heutige Mütter sind seine damaligen Kita-Kinder. Was nicht bedeutet, dass heute alles so ist wie vor 37 Jahren: Offene Kindergärten sind lernende Kindergärten, sie entwickeln sich. Das hat Superintendent Michael Hagen vom Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf lernen müssen, das haben Pastor Meinhard Bunkus, seine Nachfolgerin Susanne Sander und der Kirchenvorstand lernen müssen. Und das hat die Stadtverwaltung lernen müssen: Als sie die Kita 2013/14 vergrößerte, saß ihr mit Kühne ein Partner gegenüber, der genau wusste, wohin die Reise gehen musste. Die Stadt hat das damals verstanden. Architekt Joachim Berle hat so lange gezeichnet und gerechnet, bis fast jeder Wunsch einen Platz hatte. Die heutige Kita ist Kühnes Erbe.

Alexandra Grupe-Hee übernimmt

Alexandra Grupe-Hee übernimmt die Regie. Quelle: Markus Holz

Erbin ist Alexandra Grupe-Hee. 39 Jahre alt, Mutter aus Osterwald. Vor 18 Jahren war sie noch Praktikantin bei Kühne und vom ersten Moment an Feuer und Flamme vom Konzept. Sie hat nach ihrer Ausbildung sofort unterschrieben, war für sechs Jahre die Elternzeitvertretung, hat später den Hort im Gemeindehaus aufgebaut und vier Jahre lang geleitet. Seit 2013 war sie Kühnes Stellvertreterin, ab August 2018 hat er ihr immer mehr Verantwortung übertragen. „Und jetzt blicke ich zufrieden zurück und kann beruhigt gehen“, sagt Kühne vor großer Runde. Das ist auch ein Kompliment an Grupe-Hee.

Auch in SchloRi fehlen Krippenplätze

68 Kindergartenkinder, 32 Horties, 15 Krippenkinder und 20 Mitarbeiter unterliegen ihrer Verantwortung. „Ich bin katholisch und darf einen evangelischen Kindergarten leiten – das spricht doch sehr für diesen Träger, oder? Ich will nirgendwo anders arbeiten“, sagt sie mit einem überzeugenden Lächeln im Gesicht. Sie wird das Lächeln brauchen, wenn sich die Kita weiterentwickeln soll und bei der Stadt um Geld für einen Anbau bitten geht. Wie überall fehlen in Schloß Ricklingen Krippenplätze. Eltern von 25 Kindern hat die Kirchengemeinde 2018 wegschicken müssen. Und wie überall brauchen Schloß Ricklinger Eltern in vielen Dingen mehr Rat und Begleitung als früher. „Mein Traum ist deshalb ein Familienzentrum“, sagt Grupe-Hee. Die Stadtverwaltung weiß das. Grupe-Hee weiß nur noch nicht, ob ihr Wunsch dort Unterstützung findet.

Von Markus Holz