Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten 180 Besucher kommen zur Diskussion über Medienerziehung
Umland Garbsen Nachrichten 180 Besucher kommen zur Diskussion über Medienerziehung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:43 22.04.2009
Anzeige

180 Eltern, Lehrer und auch Jugendliche kamen in die Aula am Planetenring – die meisten gingen klüger nach Hause. Das Grundproblem: Das Internet bietet unendlich viele Möglichkeiten, auf jugendgefährdende Seiten zu gelangen. Radikale und rassistische Musikvideos, Hardcore-Angebote, Chatrooms, in denen mehr gepöbelt und beleidigt wird als auf der Straße oder im Bus, weil sich die Pöbler hinter falschen Identitäten verstecken können, darunter auch Pädophile.

Die meisten Eltern kontrollieren Untersuchungen zufolge weder die Surfdauer noch die besuchten Seiten. Warum nicht? Die Frage blieb offen und wird den Stadtelternrat weiter beschäftigen. Vielleicht aus Hilflosigkeit. Guido Büttner vom Freizeitheim am Planetenring kennt die Problematik. „Das Internet ist Teil des jugendlichen Alltags. Und dort gibt es alles, was es im echten Leben auch gibt“, sagte er. Sein Appell: So, wie Eltern ihren Kindern Regeln für den Schulweg und die Disco mitgeben, müssen sie es auch fürs Surfen im Internet tun.

Eltern müssen nicht hilflos bleiben. Der Internettreff SchülerVZ mit fünf Millionen Benutzern hat eine Elternseite eingerichtet und eine Plattform für Erwachsene unter www.meinvz.de. „Melden Sie sich einfach an und lassen sie sich von ihren Kindern erklären, wie es geht“, sagte Maren Gaidies von SchülerVZ. Robert Samaria von der IGS hat gestern eine umfangreiche Elternhilfe ins Internet gestellt unter www.igs-garbsen.de <http://www.igs-garbsen.de> .


Dass es Internetlernprogramme wie www.internauten.de gibt und dass die niedersächsische Landesmedienanstalt (www.nlm.de/Medienkompetenz) ebenfalls umfangreiche Hilfen wie Elternmedientrainer bereitstellt, war den wenigsten im Publikum bekannt. „Es gibt so viele Angebote. Wer sagt uns, welches das richtige ist und wo wir das finden?“, fragte Angelika Barsch, Elternratsvorsitzende am Geschwister-Scholl-Gymnasium. Vielleicht eine akute Aufgabe für den Präventionsrat Garbsen?

Jens Radke und Hans-Joachim Elsner von der Polizei rieten allen Kindern, Jugendlichen und Eltern, im Fall einer Bedrohung Anzeige zu erstatten. „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Wir ermitteln die Leute, die dahinterstehen“, sagte Radke. Im Vorfeld könne die Polizei aber nichts verhindern. Eine gute Medienerziehung sei die beste Prävention, sagte Radke. Aber wer soll diese leisten? Die Schulen? Das Kultusministerium muss eingestehen, dass das Geld für Lehrerfortbildungen zu knapp bemessen ist. „Es gibt einen ungeheuren Nachholbedarf“, sagte Detlef Endeward vom Landesamt für Lehrerbildung. Das Argument, den Schulen fehle die Zeit für Medienerziehung, ließ er nicht gelten. „Verlassen sie ausgetretene Pfade und setzen sie die neuen Medien in jedem Unterrichtsfach ein“, sagte Endeward.

Das setzt eine klassendeckende PC-Versorgung voraus. Die Stadt Garbsen arbeitet an einem Netzwerk aller Schulen. Rolf Doelle von der IGS lobte den Organisator Holger Wohllebe für die Podiumsdiskussion. „Das ist ein Einstieg ins Thema. Wir sollten uns regelmäßig austauschen“, sagte Doelle mit Blick auf Schulen wie Eltern. Beide hätten ihren Teil zur Medienerziehung beizutragen. Das Internet zu verteufeln, sei nicht sinnvoll. „Früher haben die Eltern mir Comics verboten, heute lachen wir darüber“, sagte Jugendpfleger Guido Büttner. Es gelte, die positiven Seiten des Internets zu vermitteln, den Nutzen und das Hilfreiche. Jens Radke, Polizist und Vater, hat seine Entscheidung getroffen: „Ich weiß nicht, was meine Kinder im Leben brauchen, aber das Internet brauchen sie – also sollen sie es nutzen“.

von Markus Holz