Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Abkehr vom Turboabi: Gymnasien für Sorgfalt
Umland Garbsen Nachrichten Abkehr vom Turboabi: Gymnasien für Sorgfalt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 23.02.2014
Von Sven Sokoll
Die geplante Rückkehr auf das G-9-Abitur sorgt für viel Gesprächsstoff.
Die geplante Rückkehr auf das G-9-Abitur sorgt für viel Gesprächsstoff. Quelle: Symbolbild
Anzeige
Garbsen

Der Leiter des Garbsener Johannes-Kepler-Gymnasiums, Dieter Schwandt, hält die Umkehr für einen richtigen Schritt: „Wir begrüßen es, wenn die Schüler nicht mehr so belastet werden. Sie müssen wieder Freizeit haben.“ Gleichzeitig betont er, dass es kein reines Zurück zu den alten Regeln geben dürfe. Richtig sei zum Beispiel, die Option auf die kürzere Laufbahn am Gymnasium für die stärkeren Schüler zu erhalten. Schwandt fordert, die Umstellung jetzt sehr sorgfältig vorzubereiten - auch wenn er weiß, dass das mit viel Arbeit für die Lehrer verbunden sein wird. „Dafür wünschen wir uns aber alle, dass dann auch mal Schluss mit den Reformen ist.“ Einen Leistungsunterschied zwischen G 8- und G 9-Abiturienten hatte das Kollegium des Kepler-Gymnasiums nicht ausgemacht.

Anne Laukamp-Grimsel, Schulleiterin des Hölty-Gymnasiums Wunstorf, und ihre Kollegen begrüßen die Rückkehr zum G-9-Abitur. Dabei rechne sie jedoch mit neuen Strukturen. „Wenn konkrete Ergebnisse aus dem Kultusministerium vorliegen, werden wir alles erarbeiten, was erforderlich ist - wie schuleigene Arbeitspläne und Stoffverteilungspläne“, sagte Laukamp-Grimsel. Raumprobleme wegen G 9 durch mehr Klassen sieht sie in ihrer Schule nicht, weil die Schülerzahlen seit Jahren rückläufig seien.

In Seelze kritisiert der Leiter des Georg-Büchner-Gymnasiums, Gerold Müller, dass sich die Diskussion wieder nur um Strukturfragen drehe statt um Bildungsinhalte. „Obwohl ich kein Freund von G 8 bin, wäre ich jetzt fast schon eher dafür, G 8 vernünftig zu machen und den Lehrplan zu entschlacken.“ Durch den gesellschaftlichen Druck, etwa von Arbeitgeberverbänden oder Sportvereinen, habe die Expertenkommission, die ja noch tage, kaum noch Handlungsspielraum. „Meine Hauptsorge ist, dass wieder etwas übers Knie gebrochen wird und am Ende nur Halbgares herauskommt.“

In Neustadt üben sich Sprecher der beiden betroffenen Schulen (Gymnasium und Kooperative Gesamtschule) in Zurückhaltung. Stellungnahmen gab es gestern von ihnen nicht. Die Stadtverwaltung immerhin sieht „keine großen Probleme“, so Sprecherin Nadine Schley. Wie bei der Umstellung auf das Abitur nach Klasse 12 vor neun Jahren sei die Organisation „im wesentlichen Sache der Schulen.“

Von Sven Sokoll, Oliver Kühn, Jörg Rocktäschel und Dirk von Werder

19.02.2014
Markus Holz 19.02.2014
Markus Holz 19.02.2014