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Nachrichten Anwohner sperren sich gegen Flüchtlinge
Umland Garbsen Nachrichten Anwohner sperren sich gegen Flüchtlinge
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00:18 21.02.2015
Von Bernd Riedel
Die Fläche am Südrand von Frielingen, parallel zur Horster Straße gelegen, wird derzeit von der Feuerwehr genutzt. In den Neunzigerjahren lebten hier schon einmal 156 Flüchtlinge. Quelle: Bernd Riedel
Garbsen

Die Spannung löste sich etwas - aber die Zweifel, Sorgen und Ängste der Anwohner am geplanten Containerstandort am Lärchenweg blieben. Das Dilemma ist offensichtlich: Die Stadt muss schnell Standorte finden, um 298 Flüchtlinge unterzubringen, die bis Ende September nach Garbsen kommen. Mit Einzelwohnungen ist das nicht machbar. Frielinger dagegen haben große Vorbehalte aufgrund ihrer negativen Erfahrungen in den Neunzigerjahren.

Aus mehr als 40 möglichen Standorten hat die Stadt einen Katalog von zwei Vorzugsstandorten und acht weiteren erstellt, die einen längeren Vorlauf brauchen. Der Frielinger Standort ist bereits erschlossen, gehört der Stadt und kann schnell nutzbar gemacht werden. 96 Flüchtlinge - 16 Wohneinheiten zu je sechs Personen - sind vorgesehen.

Die rund 40 Frielinger, die gekommen waren, stellten sich nicht alle und rigoros gegen die Unterbringung der Flüchtlinge. Aber viele empfinden sich als gebrannte Kinder. Immer wieder wurde auf die Jahre 1992 bis 1997 verwiesen, als 156 Flüchtlingen am selben Standort lebten. Mehrmals, so die Klagen, seien Schafe gestohlen und geschlachtet worden. Es habe Schäden an Häusern und Autos gegeben, die bis heute nicht beglichen seien. Man habe in Furcht gelebt.

Die Frage am Dienstagabend - das wurde erst allmählich deutlich - war nicht: Kommt der Standort Lärchenweg infrage? Sie lautet: Wie können die Frielinger ihren Frieden damit machen? Bürgermeister Christian Grahl warb um Verständnis und Entgegenkommen und wurde deutlicher, als mehrere Male gefordert wurde, die Anzahl von 96 auf 40 oder weniger zu reduzieren: „Wir sind nicht gekommen, um zu feilschen. Dazu ist das Thema zu ernst“, sagte Grahl.

Der beste Standort - und zwar der Frielinger - kann in etwa sechs Monaten bezugsfertig gemacht werden. Für andere Standorte ist wesentlich mehr Zeit nötig, da das Baurecht geändert oder die Erschließung mit Versorgungsleitungen noch erfolgen muss.

Das sagen die Frielinger

Schlechte Erfahrung: Schroffe Ablehnung zeigte von den rund 40 Frielingern kaum jemand. Es sind zwiespältige Gefühle, die sie plagen: einerseits die schlechten Erfahrungen aus den Neunzigerjahren mit 156 Albanern, andererseits wollen sie nicht den Eindruck erwecken, ausländerfeindlich zu wirken. Das führt zu einiger Verwirrung.

Die Zahl: 96 Flüchtlinge sind ihnen zu viel. Sie hätten sie gern auf die Hälfte oder weniger reduziert.

Standort Garbsen-Mitte: Es ist einer der Standorte, die viel Vorlaufzeit brauchen. Häufige Frage: Warum wird das Grundstück nicht schon längst erschlossen, wenn die Zeit so drängt? Die Antwort der Stadt war ausweichend.

Schäden und Wertverfall: Alle direkten Anwohner haben Angst um ihre Häuser und Gärten. „Wer haftet für mögliche Schäden? Unsere Häuser verlieren an Wert“, sagen sie.

Sicherheit: Was wird unternommen, wenn die Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist?

Zuversicht: Frielingen kann es schaffen, hieß es mehrere Male.

Ablehnung: Syrer seien unfähig, sich zu integrieren, sagte ein Einzelner. Niemand unterstützte diese Wortmeldung.

Das sagt die Stadt

Professionalität: Die Flüchtlinge werden von Sozialarbeitern betreut – einer für 50 Flüchtlinge. Es gibt zwei Hausmeister für drei Gemeinschaftsunterkünfte. Die Flüchtlinge sollen menschwürdig untergebracht sein. Zugleich sollen keine Gettos entstehen. Die Flüchtlinge werden auf alle Stadtteile verteilt. Das betonten die Vertreter der Stadt, Bürgermeister Christian Grahl, Stadtbaurat Frank Hauke, Sozialamtsleiter Dieter Göhns und Yesim Celik, Koordinatorin für die Flüchtlingsarbeit.

Einbettung: Das Sozialprojekt Neuland, ehrenamtliche Integrationslotsen, die gerade ausgebildet werden, und viele Ansprechpartner in Vereinen, sozialen Einrichtungen und Kirchengemeinden – daraus wird ein Netz der Willkommenskultur geknüpft.

Die Standorte: Aus den bisher 40 Vorschlägen sind diejenigen nach gründlicher Prüfung ausgewählt worden, die Erfolg versprechen. Die zehn bisher genannten Standorte sind nicht die endgültige Zahl.

Die Zahl: In diesem Jahr kommen 298 Flüchtlinge, im nächsten noch einmal so viel, und im übernächsten wohl wieder so viel.

Kommentar: Frielinger verdienen Unterstützung bei der großen Aufgabe

Manche Äußerungen und Argumente der Frielinger sind nachvollziehbar. Andere sind es entschieden nicht – etwa wenn eine ganze Volksgruppe pauschal verunglimpft wird. Dieser Einzelstimme mochte sich auch niemand anschließen. In einer Hinsicht haben Frielinger jedes Verständnis verdient: bei ihren schlechten Erfahrungen. Muss ihnen jetzt tatsächlich ein fester Ansprechpartner zur Verfügung gestellt werden, einer, der bei allen Sorgen, Nöten und tatsächlichen Problemen zuhört? Die Antwort ist: Ja. Bürgerscout? Bürgersozialarbeiter? Gleichgültig, wie er heißt. Die Flüchtlinge sind verwirrt nach all dem, was sie hinter sich haben. Aber die Frielinger sind es auch – nach dem, was hinter ihnen liegt. Sie fragen sich: Wer nimmt uns ernst? Das war am Dienstag deutlich zu spüren. Das Dorf fordert Unterstützung bei der großen Aufgabe. Und das ist nicht zu viel verlangt.

Die Spannung vor dem großen Auftritt steigt: Am Sonnabend sind mehrere Klassen aus Wunstorf und Garbsen beim Gesangsprojekt "Klasse! Wir singen" in der Tui-Arena dabei. Ein Besuch bei den letzten Proben.

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