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Nachrichten Bürgermeister zieht Bilanz
Umland Garbsen Nachrichten Bürgermeister zieht Bilanz
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21:05 09.02.2015
Von Markus Holz
Grundschüler vom Osterberg erkunden das Rathaus und treffen Bürgermeister Christian Grahl. Quelle: Markus Holz
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Garbsen

Aus dem „ernst zu nehmenden Gegner“, der Christian Grahl Anfang Oktober 2013 für Alexander Heuer noch war, ist der neue Bürgermeister geworden. Stationen seines beruflichen Werdegangs sind: Jurist und Anwalt beim Bundesamt für Strahlenschutz, Präsident der Zentralen Polizeidirektion Hannover, Hildesheimer Universitätskanzler und zuletzt Referent im Landwirtschaftsministerium. Ein „Auswärtiger“, keiner mit Stallgeruch. Aufgestellt von der CDU, unterstützt von der FDP, zur Stichwahl auch von den Grünen und den Unabhängigen, richteten sich alle Hoffnungen und Erwartungen auf ihn – nachdem sein Vorgänger offenbar zu viele Menschen enttäuscht hatte. Das kann durchaus belastend sein. Grahl sagt, dass es bei ihm nicht so sei.

Fünf Fragen unserer Redakteure an den Bürgermeister:

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Wie viele Rathausmitarbeiter kennen Sie schon beim Namen?

Viele, aber noch längst nicht alle. Je öfter wir miteinander zu tun haben, desto schneller merke ich mir auch die Namen.

Haben sich Ihre Erwartungen an das Amt bestätigt?

Ja, zu 100 Prozent. Hochkompetente Dezernenten, motivierte Mitarbeiter, ein konstruktiver Stadtrat mit viel Erfahrung und gutem Arbeitsklima, lebendige Stadtteile mit liebenswerten Menschen – da macht die Arbeit einfach nur Freude. Klingt nach Rhetorik, ist aber ernst gemeint.

Was sind zurzeit Ihre größten Herausforderungen, und sind es die, die Sie auf der Agenda hatten?

Südlink, Bäder und Flüchtlinge hatte ich so nicht auf der Agenda. Gegen den Südlink durch Garbsen sind die Bürgerinitiativen ungemein aktiv, alle weiteren zehn Bürgermeister sind meinem Aufruf zur Geschlossenheit gefolgt. Bei den Bädern waren Kostenentwicklung hier, Sanierungsbedarf da und der kontinuierliche Besucherrückgang um bis zu 70 Prozent kaum bekannt, das muss öffentlich diskutiert werden. Für die Flüchtlinge leistet die Verwaltung hervorragende Arbeit, besonders freue ich mich über die große bürgerschaftliche und kirchliche Hilfsbereitschaft.

Ihre Hauptthemen im Wahlkampf waren: Sicherheit, Integration, Stärkung des Ehrenamts und der Uni-Campus. Wie weit sind Sie mit der Umsetzung?

Für ein besseres Sicherheitsgefühl schaffen wir mehr Helligkeit und organisieren noch schnellere Sperrmüllbeseitigung. Die Integration stärken wir durch Begegnung und Verständigung, etwa mit den beiden Moscheevereinen und der Festanstellung von Schulsozialarbeitern. Mit der Freiwilligen Feuerwehr arbeiten wir an einer Entlastung außerhalb der Einsätze, und für den Uni-Campus bauen wir ein wirtschafts- und sozialorientiertes Netzwerk mit Land, Uni, Region und Stadt Hannover auf.

Was hat Sie überrascht in diesen ersten 100 Tagen?

Der faire Umgang von allen Seiten, das ist in der Politik nicht selbstverständlich. Aber leider auch der städtische Haushalt – nach außen noch gesund, aber nicht mehr auf mittelfristige Solidität ausgelegt. Der loyale Kämmerer hat Schlimmeres verhindert. Als steuerschwache Stadt brauchen wir wieder mehr Ansiedlung, um unsere attraktive Wohn- und Lebensqualität zu sichern.

Von Markus Holz, Jutta Grätz und Bernd Riedel