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Umland Garbsen Nachrichten Christian Wulff analysiert Medienmacht
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09:00 04.12.2014
Von Markus Holz
Christian Wulff im Gespräch mit der Schülerzeitungsredaktion „Kepler-Times“ Kiril Lavrov, Phil Tobeck, Yann Schmitt und Elham Ahmadzaei.
Christian Wulff im Gespräch mit der Schülerzeitungsredaktion „Kepler-Times“: Kiril Lavrov, Phil Tobeck (v.l.), Yann Schmitt und Elham Ahmadzaei. Quelle: Markus Holz
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Garbsen

Nein, er möchte nicht sein Buch „Ganz oben Ganz unten“ vorlesen, sagt Wulff und hält sich daran. Einige Passagen aus dem Vorwort zum Anwärmen, mehr nicht. Buchhändlerin Petra Wulf hatte den Gesprächsabend arrangiert. RTL Nord stellt Licht, Ton, Kameras und den Moderator Alexander Gurgel.

Rund 270 Gäste sitzen im Auditorium - bereit, Wulffs Innerstes nach der Höhen- und Talfahrt als Politiker zu hören. IGS- und Johannes-Kepler-Schüler sind im Publikum. Sie sind vorbereitet, sie haben ihre Fragen und offensichtlich Interesse am Fall Wulff. Die Schülerzeitungsredaktion „Kepler Times“ wartet am Ende auf ihr Interview mit dem ehemaligen Staatsoberhaupt.

„Wulff hat damals Fehler gemacht“, sagt Bennet Speier vom elften JKG-Jahrgang vor der Veranstaltung. „Er hat ausweichend geantwortet und später erst Fakten auf den Tisch gelegt, als die Medien schon mehr wussten. Das macht misstrauisch.“ Sein Mitschüler Ole Gugla sagt, die Medien hätten ihre Macht eingesetzt mit Spekulationen und einer meinungsmachenden Art der Darstellung. Differenzierter drückt es Wulff unterm Strich später auch nicht aus.

Sein Bild in den Medien, das ist Wulffs Thema. Darüber hat er sich im Buch alles von der Seele geschrieben. Was er über Medien sagt, macht die Zuhörer nachdenklich. Es seien nicht „die Medien“ pauschal verantwortlich dafür, was ihm widerfahren sei. Das Pressewesen in Deutschland sei eines der besten der Welt. Es seien einzelne, aber einflussreiche Journalisten und Chefredakteure gewesen, die ihn wieder „nach unten“ geschickt haben - im Zusammenspiel mit der Staatsanwaltschaft. „Das darf sich in dieser Form nicht wiederholen“, sagt Wulff und mahnt das Auditorium, sich selbst zu informieren, um mediale Stürme wie in seinem Fall selbst zu bewerten. Seine Kritik kommt an. Er erntet kein Mitleid, aber Mitgefühl, wenn er sagt: „Ich habe meinen Frieden geschlossen, andere müssen mit ihrer Schuld selbst fertig werden.“

Markus Holz 03.12.2014
Markus Holz 03.12.2014