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Nachrichten Willehadi und Wahl: Das war 2013 in Garbsen
Umland Garbsen Nachrichten Willehadi und Wahl: Das war 2013 in Garbsen
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12:30 27.12.2013
Der Brand der Willehadi-Kirche in der Nacht zum 30. Juli beschäftigt die Garbsener wochenlang intensiv. Quelle: Markus Holz
Garbsen

Es ist mitten im Sommer: Die Protestanten haben gerade ihr Gemeindehaus zugunsten eines Neubaus abgerissen, als sie dann auch noch den Rest ihrer Heimat verlieren. Obwohl die Polizei eine Ermittlungsgruppe einsetzt und die Belohnung 15.000 Euro beträgt, ist bis heute nicht bekannt, wer das Feuer tatsächlich gelegt hat. Die Betroffenheit geht weit über die Gemeinde hinaus, auch die Moscheevereine halten Mahnwachen. Der Bürgermeister schmiedet ein Bündnis gegen Gewalt, dessen erster Höhepunkt ein Sternmarsch von fast 2000 Schülern zum Hérouville-St.-Clair-Platz ist.

Willehadi: Die Kirche ist leer, jetzt wird erkennbar, wie groß der Schaden ist - Blick auf die Westfassade. Dahinter stand die Orgel. Hier griff das Feuer vom Gemeindehaus auf die Kirche über. Die Wand muss ganz neu gemauert werden.

Schon wenige Tage nach den nächtlichen Flammen beschließt die Willehadi-Gemeinde, die Kirche wiederaufzubauen – auch dank des grünen Lichts von der Versicherung. Unzählige Menschen rufen trotzdem Spendenaktionen wie Benefizkonzerte für Willehadi ins Leben, damit auch Extras finanziert werden können, die nicht gedeckt sind. Erfolgreich ist dabei auch die Leine-Zeitung mit ihren „Steinen für Willehadi“.

Frank-Walter Steinmeier besucht die Redaktion und die Bibliothek in Garbsen. Er stiftet auch Steine für die Willehadi-Kirche.

Doch für mehr Sicherheit im Stadtteil sorgt das noch nicht. Auf den Kirchenbrand folgen vor allem auch noch weitere Taten. Die Gruppe junger Leute vom Sperberhorst, die zumindest für einen Teil der Unruhe im Quartier verantwortlich gemacht wird, wächst noch und erlebt Triumphe, als die Identifikationsfigur Hamudi nach einem umfangreichen Prozess mit 13 Anklagen das Amtsgericht Neustadt im März als freier Mann verlässt. Auch ein weiteres Verfahren im November veranlasst das Gericht noch nicht, ihn in Haft zu nehmen.

Schon vor dem Kirchenbrand ringt die Politik sich endlich durch, Streetworker einzustellen und so einen neuen Zugang zu der Gruppe zu finden. Nach Willehadi kommt dann aber auch die Überlegung ins Spiel, mit erfahrenen Sozialarbeitern von außerhalb einen besseren Zugang zu den jungen Leuten zu finden.

Die Folgen eines Feuers müssen die sozialen Institutionen im Stadtteil Auf der Horst auch Anfang Februar schon bewältigen, allerdings wegen eines Defekts: Die ehemalige Videothek, ein Treffpunkt vieler Initiativen, brennt aus. Ersatzräume finden sich aber schnell.

Die Verjüngungskur beginnt

Leerstand und Zerfall haben das Planetencenter in den vergangenen Jahren geprägt – nun beginnt ein großer Schritt in die Zukunft. Eine Abrissparty im September ist der Auftakt des Neu- und Umbaus, den der Investor Lüder Ende 2014 abschließen will.

Am Rathausplatz herrscht unterdessen weiterhin Stillstand: Bauherr Sonae Sierra hat zwar keine rechtlichen Hürden mehr vor sich, große Fortschritte werden aber nicht bekannt. Die Stadt verlängert die Frist für einen Bauantrag bis September 2014, Bürgermeister Alexander Heuer spricht erstmals von möglichen Alternativen zum Einkaufszentrum.

Zur Entwicklung der Einzelhandelsszene gehört auch die Pleite der Praktiker-Kette, die ihren Baumarkt in Altgarbsen schließt. Neue Supermärkte öffnen von Aldi in Berenbostel und Edeka in Osterwald. Meyenfeld soll nach letztem Stand nun einen Netto-Markt bekommen.

In aller Kürze

Garbsen wird zur Filmkulisse: Das Team der Kunstinitiative Einfach Genial dreht ab Januar einen Spielfilm, der als Wettbewerbsbeitrag bei der Berlinale eingereicht werden soll. Besonders ist, dass Kinder und Jugendliche dabei ihre eigenen Ideen umsetzen – nur Kameramann Thomas Zettelmann ist ein Profi. Gedreht wird unter anderem auf Straßen, in der Georg-Elser-Hauptschule, in der Redaktion der Leine-Zeitung und am alten Schloß Ricklinger Amtmannshof. Den fertigen Film dürfen die Macher erst nach der Berlinale im Februar öffentlich aufführen.

Fest und Gawi im Doppelpack: Ein neues Konzept führt die beiden Veranstaltungs-Highlights Stadtfest und Garbsener Wirtschaftsschau Gawi zusammen. Das Ergebnis ist durchwachsen – am Sonnabend bleibt es vor den Bühnen und in den beiden Messezelten noch recht leer, doch am Sonntag brummt es. Das Konzept entsteht wegen personeller Schwierigkeiten in der Stadtverwaltung. Ob es für die nächsten Jahre Bestand hat, ist offen. Wegen des späten Stadtfest-Termins hatte der Garbsener SC als Organisator schon entschieden, den Citylauf wieder abzutrennen.

Unibauten bekommen Gesicht: Das Büro Auer + Weber aus München liefert den Entwurf, nach dem die Leibniz Universität ab 2015 den Maschinenbau-Campus in Garbsen bauen will. Eine Jury entscheidet das Ende Juni nach einem Architektenwettbewerb. 39 Büros haben sich beteiligt, acht sind in die engere Wahl gekommen. Das Land steht auch nach dem Regierungswechsel zu der Investition von 90 Millionen Euro. Noch keine Lösung gibt es für die gewünschte Verkehrsanbindung. Ein Anfang ist ein Pendelbus zur Stadtbahn, den Regiobus mit dem Fahrplanwechsel im Dezember einführt.

Bigband räumt ab: Es ist der Lohn für ein starkes Abschneiden der Big Band beim Škoda Jazzpreis: Die Jazzgröße Till Brönner kommt im März ins Geschwister-Scholl-Gymnasium und feilt in einem Workshop mit den jungen, aber ohnehin schon herausragenden Musikern. Der Freundeskreis hat der Big Band zuvor schon seinen Jugendpreis verliehen, später kommt noch der elfte Landestitel in Folge bei „Jugend jazzt“ hinzu. Der Ableger Shift’n’Shuffle sorgt auch für Furore: Zwei der erfolgreichen Stationen sind der Jugendkunstpreis der Stadt und ein renommiertes Festival in Berlin.

Zwei Wahlen und die nächste: Bei der Landtagswahl im Januar ist die SPD in Garbsen stärkste Kraft, doch bei der Bundestagswahl holt die CDU die meisten Erst- und Zweitstimmen. Die Bürgermeisterwahl im Mai 2014 beschäftigt die Garbsener Politiker auch schon: Amtsinhaber Alexander Heuer holt sich nur knapp die SPD-Kandidatur gegen Ulrich Mahner. Die CDU nominiert Christian Grahl zwar einstimmig, muss das dafür aus Rechtsgründen aber wiederholen.

Netrada gerät in die Insolvenz: Überraschende Botschaft im Oktober: Garbsens größter Arbeitgeber Netrada ist insolvent. Der laufende Betrieb gilt aber als gesund, sodass der Verwalter vor allem nach einem Investor suchen muss. Weitere Entwicklungen in der Wirtschaft: Der Energiehändler Thoms geht im Sommer vollständig in der team-Gruppe aus Schleswig-Holstein auf. Die Frielinger High-Tech-Schmiede Laseroptik realisiert den zweiten Bauabschnitt ihres Laserhofs.

Bad wird neugebaut: Es wird die größte städtische Investition der nächsten Jahre: Der Badepark in Berenbostel soll für rund 13,5 Millionen Euro grundlegend saniert werden, das beschließt der Rat im Mai. Bis zuletzt hatten die Parteien und die Verwaltung noch darum gerungen, ob dazu auch die Bürger befragt werden sollen – die CDU unterstützt die Idee erst, nimmt dann aber doch davon Abstand. Die Kämmerei will das Geld ohne neue Schulden bereitstellen.

Ausbau der B6 erreicht sein Ende: Schon die Vorplanung hatte sich über Jahrzehnte erstreckt, und auch die Umsetzung wird zur Geduldsprobe: Im Oktober kommt der Ausbau der B6 nach drei Jahren zum Ende. Kurz vor dem Schluss müssen die Händler an der Roten Reihe noch mit einer Vollsperrung leben. Der Umbau hat einen Mittelstreifen, Radwege und Lärmschutz gebracht. Die Stadt drängt, als Nächstes die Kreuzung mit der Langenhagener Straße anzugehen.

Sven Sokoll

Schlechte Nachrichten für das verkehrsgeplagte Berenbostel: Der seit Jahrzehnten betriebene Lückenschluss der Landesstraße L 382 nach Langenhagen ist offenbar endgültig vom Tisch.

Sven Sokoll 26.12.2013

Ein brennendes Auto hat am frühen Dienstagmorgen in Frielingen zunächst für Verwirrung gesorgt. Der VW Golf war am Farlingsweg frontal gegen einen Baum geprallt, die Rettungskräfte fanden aber niemanden an der Unfallstelle.

26.12.2013

Die Polizei hat eine der spektakulärsten Serien von Autoaufbrüchen aufgeklärt, die es in den vergangenen Jahren in der Region Hannover gegeben hat. Zwei Männer und eine Frau aus Garbsen stehen im Verdacht, insgesamt 350 Straftaten begangen zu haben.

23.12.2013