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18:12 16.07.2015
Von Bernd Riedel
Hartmut Büttner lässt das Thema Stasi und Stasi-Opfer nicht mehr los. Quelle: Bernd Riedel
Garbsen

Ein Multispion, ein Funker, eine Agentenzelle von vier Frauen, geführt von einem Mann, viele Opfer: Das Ministerium für Statssicherheit der DDR (Stasi) hat in Garbsen und seinen Ortsteilen von den Sechzigerjahren bis zum Ende der DDR rege Spionageaktivitäten entfaltet. Es ist das Verdienst des Ratsvorsitzenden Hartmut Büttner, diese Vorgänge untersucht und ans Licht gebracht zu haben.

In Heitlingen operierte eine Zelle, die ein gewisser Günter G. gründete und für die er seine Frau, seine Schwägerin, seine Tochter und eine Freundin anwarb. Noch 1989 versuchte G.s Ehefrau unter dem Decknamen „Marga“ der Stasi Informationen zu überbringen - es interessierte sich nur niemand mehr dafür. Sie wurde später zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Ein vater der Gauck-Behörde

Ratsvorsitzender Hartmut Büttner (63) saß von 1974 bis 1990 für die CDU im Rat der Stadt Garbsen. Auf Bitten der CDU Schönebeck kandidierte er im Wahlkreis Magdeburger Börde für den Bundestag und wurde gewählt. Bis 2005 war er Bundestagsabgeordneter. Im Jahr darauf wurde er wieder in den Rat der Stadt Garbsen gewählt. Als Vorsitzender des Ausschusses zur Gründung einer Stasi-Unterlagen-Behörde (später Gauck-Behörde) bekam er öfter Opferberichte zu lesen, in denen es Hinweise auf Stasi-Aktivitäten in Garbsen gab. Seitdem lässt ihn das Thema nicht mehr los. Er ist Mitglied einer Enquete-Kommission des Niedersächsischen Landtages, die die Stasi-Aktivitäten in Niedersachsen untersuchen lassen will.

In Altgarbsen, Havelse und Schloß Ricklingen war der nach außen als seriöser Geschäftsmann auftretende Karl-Heinz Hedtke als Stasi-Spion aktiv. Er gründete und leitete verschiedene Firmen in Garbsen, die auch der Nachrichtentätigkeit dienten. Hedtke war nachweislich von 1967 bis 1981 in Garbsen als Agent und Spitzel tätig und nahm dabei Kontakte zu Unternehmen und Behörden wie dem Verfassungsschutz auf. Büttner nennt ihn einen „Multispion“ und seinen Fall „beispiellos“. Schon 2009 hatte Büttner die Geschichte der Garbsener Stasi-Opfer und -Agenten in der Broschüre „Der lange Arm der Stasi“ aufgearbeitet. 2012 bekam Büttner von der damaligen Birthler-Behörde weitere umfangreiche Unterlagen, die er akribisch auswertete. „Diese neuen Details haben mich richtig umgehauen“, sagte Büttner. Er fand heraus, dass Hedtke viermal von der Stasi angeworben und dreimal wieder rausgeworfen wurde. „Ich kenne keinen vergleichbaren Fall“, sagt der Experte für Stasi-Unterlagen.

Die neue Broschüre ist in einer Auflage von 500 Exemplaren erschienen. Sie wird zum Preis von 5 Euro vor allem im Umfeld der Feierlichkeiten zum 25-jährigen Jubiläum der Wiedervereinigung verkauft werden.

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