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Umland Garbsen Nachrichten Das ist doch wirklich ein Wunder
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00:15 17.05.2017
Szenen aus der gefeierten Revue "Wunders Wirtschaft".
Szenen aus der gefeierten Revue "Wunders Wirtschaft". Quelle: Benjamin Behrens
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Berenbostel

Das erste Lied: Dob's Boogie. Die verkleinerte Version der Big Band Berenbostel hat es sich im linken Bühnenteil gemütlich gemacht. Als Band "Die Tornados" unter Führung von Sohn Peter Wunder (Philipp Paßiel) sind sie Teil der Handlung.

Aber hat Walter Dobschinski das Lied nicht in den Vierzigern geschrieben? Die Revue Wunders Wirtschaft spielt doch viel später. Richtig, aber manche Typen im Deutschland der Nachkriegszeit können sich nur schwer trennen von Märschen und Männerrollen - geschweige denn auf Neues einlassen.

Opa Karl zum Beispiel ist noch gar nicht angekommen. Mit den Kriegskameraden Heinz und Fritz kloppt der einigermaßen entnazifizierte Ex-Soldat in der geerbten Kneipe Skat, nebenbei kommentieren sie das Weltgeschehen. Robert Ulferts spielt das Familienoberhaupt herrlich polterig. Als alle drei zum Lied "Berliner Luft" über die Bühne marschieren, klatschen die Zuschauer mit. Zwischen den vielen gelungenen Einlagen fällt es schwer, einen Höhepunkt zu wählen.

Eben noch Berliner Luft, Sekunden später Schüsse aus russischen Gewehren in Ton und Bild auf Großleinwand. Volksaufstand am 17. Juni in der Ostzone, später Mauerbau, Filmausschnitte mit den letzten Kriegsheimkehrern im Lager Friedland - die Regisseure Christiane Bettels, Volker Schulz (NDR) und Bodo Schmidt streuen die Original-Nachrichten aus der Wochenschau zwischen die Spielszenen. Sie lassen die Wunders diskutieren und verweben so Bühnenspiel mit historischem Kontext. Das macht immer wieder Gänsehaut.

Das Bühnenbild mit Original-Möbeln, Kostümen, Musik, Gesang und Tanz machen die Revue zum Erlebnis - die Zuschauer applaudieren lange und stehend. "Es war toll", sagt Günter Demme. Auch seine Frau Marlis ist begeistert. "Wir haben diese Epoche durchlebt", sagt die 73-Jährige, "das gibt Denkanstöße, wie viele Veränderungen wir schon miterlebt haben." 

Die zweite Vorstellung am Sonnabend war ausverkauft. Die dritte beginnt am Sonntag um 19.30 Uhr in der Aula des GSG. Am Ende werden die überragenden Darsteller, Musiker und Tänzer im Applaus von rund 1000 Zuschauern gebadet haben - und das vollkommen zu Recht. Die Akteure haben sich den Traum erfüllt, die erste völlig eigene Musical-Produktion auf die Bühne gebracht zu haben. Alle anderen stammten aus fremden Federn.

Fotostrecke Garbsen: Das ist doch wirklich ein Wunder

Von Benjamin Behrens

Markus Holz 17.05.2017
Markus Holz 17.05.2017
Markus Holz 17.05.2017