Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nachrichten Grüne wollen Kastrationspflicht für Katzen
Umland Garbsen Nachrichten Grüne wollen Kastrationspflicht für Katzen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 15.06.2017
Von Bernd Riedel
Herrenlose Katzen, die unter Singvögeln wildern: ein europaweites Problem.
Herrenlose Katzen, die unter Singvögeln wildern: ein europaweites Problem. Quelle: Archiv
Anzeige
Garbsen

Die Überpopulation von Katzen sei "ein ernsthaftes Problem für den Tier- und Artenschutz", schreibt die Ratsfraktion der Grünen in der Begründung zum Antrag. Die Katzen würden infolge ihrer hohen Zahl unter Futtermangel und Verwilderung leiden, "da die Hauskatze nicht für ein Leben in der Wildnis geeignet ist". Singvogelarten seien bedroht. Unkastrierte Tiere könnten sich zwei- bis dreimal im Jahr fortpflanzen. "Selbst bei einer konservativen Rechnung von drei überlebenden Kätzchen pro Wurf vermehrt sich die Population sprunghaft", heißt es im Antrag. So könnten in sieben Jahren bis 420.000 Tiere geboren werden.

Eine Kennzeichnungspflicht mit Chip und eine Kastrationspflicht sei im Sinne des Tier- und Artenschutzes, argumentieren die Grünen. Dauerhaft könne diese auch eine Entlastung der örtlichen Tierheime bedeuten, "die schon heute an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen". Mit der Kastrations- und Kennzeichnungspflicht sei ein Weg gewählt, "der dem Tier und den Besitzern Respekt zollt".

Mittlerweile gebe es in mehr als 530 Städten und Gemeinden so eine Verordnung, zum Beispiel in Barsinghausen, schreiben die Grünen. Die Verwaltung möge einen Entwurf für Garbsen ausarbeiten. Nach Auffassung der Grünen sollte die Stadt im Rahmen ihrer Zusammenarbeit mit Tierheimen Möglichkeiten einer Kastration für streunende Katzen anbieten.

Nabu-Vorsitzender Waldemar Wachtel unterstützt den Antrag der Grünen: Die Überpopulation von Katzen führe direkt zur Bestandsgefährdung von Singvögeln. "Enorme Mengen werden da weggefangen", sagt Wachtel. Das sei "ein erheblicher Aderlass". Er bekomme jährlich rund 80 Anrufe von Garbsenern, vor allem in den Wintermonaten, wenn  die Vogelfütterung anstehe: "Dann streichen die Katzen um die Futterstellen herum und das Problem zeigt sich in ganzer Breite", sagt Wachtel.

Schon deshalb sollten Katzenbesitzer von sich aus die erforderlichen Schritte, wie eine Kastration vornehmen lassen, sagt Wachtel. "Tierliebe ist eine schöne Sache, wir unterstützen diese selbstverständlich", sagt Wachtel, aber es dürfe dabei der Verstand nicht ausgeschaltet werden. In seiner Nachbarschaft tauchten häufig verwilderte Katzen auf. "Sie werden an der Autobahn ausgesetzt", sagt Wachtel. Er selbst habe schon öfter verwilderte und streunende Katzen eingefangen, um sie im Tierheim kastrieren zu lassen. "Die Tierheime sind überfüllt von Katzen, ebenso von herrenlosen Hunden", sagt Wachtel.

Der Annahme, Katzen könnten sich zwei- oder dreimal im Jahr fortpflanzen, widerspricht Wachtel allerdings: Zwei Würfe könnten vorkommen, seien aber selten, und von drei Würfen habe er noch nicht gehört.

Hauskatzen bejagen Singvögel, Blindschleichen, Zauneidechsen, Kreuzottern und andere Tiere und gefährden so deren Bestand. Quelle: Archiv