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Umland Garbsen Nachrichten Stöcken: Blutiger Scherz löst Polizeieinsatz aus
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00:18 20.01.2018
Ein Amtsrichter verurteilte Yusuf C. wegen Vortäuschens einer Straftat.
Ein Amtsrichter verurteilte Yusuf C. wegen Vortäuschens einer Straftat. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover/Garbsen

Die beiden an der Ampel wartenden Zeugen waren geschockt: Am Abzweig der Stöckener Straße vom Westschnellweg bog ein Auto Richtung Leinemasch ab und ein blutverschmierter Mann stieg aus. Sie riefen die Polizei und lösten eine große Suchaktion mit Hubschrauber, Spürhunden, diversen Polizeifahrzeugen und 34 Beamten aus. Doch das vermeintlich schwer verletzte Opfer hatte sich mit seinem Cousin, der mit ihm im Auto saß, nur einen üblen Scherz erlaubt. Denn Yusuf C. hatte keineswegs „drei Schüsse gekriegt“, sondern seine Kleidung lediglich mit Kunstblut getränkt. Am Mittwoch wurde der 32-Jährige wegen Vortäuschens einer Straftat zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen à 35 Euro verurteilt.

Zu diesen 2450 Euro Strafe kommen noch 4329 Euro hinzu, die der Lagerist und Fahrer der Polizeidirektion für den aufwendigen Einsatz im Februar 2017 schuldet. Wie sein Verteidiger Jens Klinkert dem Gericht mitteilte, zahlt der Garbsener diesen Betrag seit November 2017 in monatlichen Raten von 100 Euro ab – was ihn noch bis 2021 daran erinnern wird, was er im Vorjahr verbockt hat.

Yusuf C. hatte seinen Cousin an einem frühen Samstagabend aus den Geschäftsräumen einer Garbsener Firma angerufen und ihm mitgeteilt, dass er angeschossen worden sei. Der 28-Jährige raste zu dem Gewerbebetrieb und stieß auf den Verwandten, der sich ein blutiges Kissen vor den Bauch hielt. Doch in eine Klinik fahren sollte er C. nicht: Dieser stöhnte, er wolle zu Hause sterben. Sein Verschwinden in der Leinemasch führte später auch zu Durchsuchungen der Firma und seiner Wohnung. Knapp vier Stunden nach der vermeintlichen Bluttat rief der 32-Jährige bei seinem Cousin an und erklärte ihm, dass alles nur ein „Spaß“ gewesen sei.

Verteidiger Klinkert wies das Gericht darauf hin, dass sein Mandant psychische Probleme habe und bescheinigte C. „erhebliche Unreife“. Als Ergebnis von Verständigungsgesprächen und auf Basis eines Geständnisses wurde der bereits zweimal wegen gefährlicher Körperverletzung vorbestrafte Angeklagte schließlich zu der Geldstrafe verurteilt. Was genau ihn zu der absonderlichen Tat getrieben hatte, verriet er nicht. Auf jeden Fall, so der Richter, sei sein Scherz „komplett daneben gegangen“. 

Von Michael Zgoll