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Umland Garbsen Nachrichten Immer mehr Nichtschwimmer: JKG gründet eine AG
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00:15 15.01.2018
Vissam (11, von links), Adrian (10), Daniel (10) und Izabella (11) lernen in der Arbeitsgemeinschaft schwimmen.
Vissam (11, von links), Adrian (10), Daniel (10) und Izabella (11) lernen in der Arbeitsgemeinschaft schwimmen.  Quelle: Anke Lütjens
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Altgarbsen

  Schon recht flott ziehen Izabella, Vissam, Adrian und Daniel ihre Bahnen im Lehrschwimmbecken der Osterbergschule. Das war nicht immer so, denn die Fünftklässler des Johannes-Kepler-Gymnasiums (JKG) konnten vorher nicht schwimmen. Nun haben sie die Bedingungen für das Seepferdchen-Abzeichen erfüllt. Dazu gehören neben Brust- und Rückenschwimmen auch Tauchen und vom Beckenrand springen.

Immer mehr Nichtschwimmer

Schulen haben in den vergangenen Jahren beobachtet, dass es immer mehr Nichtschwimmer gibt. Das bestätigt neben dem JKG auch die IGS. „Die allgemeine Schwimmfähigkeit der Fünftklässler ist schlechter geworden, die Anzahl der nicht schwimmfähigen Kinder hat zugenommen“, sagte Inga Lazic, Fachbereichsleiterin für Sport an der IGS. Pro Klasse seien es drei bis fünf Nichtschwimmer. Die Schule erteilt im fünften und im 13. Jahrgang jeweils für ein Halbjahr Schwimmunterricht. „Gerne würden wir auch in den anderen Jahrgängen Schwimmunterricht erteilen, damit erworbene Fähigkeiten gesichert, aufgefrischt und vertieft werden können“, sagte Lazic. Doch dafür fehlten ausreichend Trainingszeiten in Schwimmbädern.

Claudia Schreyer, Schulleiterin an der Caroline-Herschel-Realschule und kommissarische Leiterin der Oberschule Garbsen, kann den Trend hingegen nicht bestätigen. „Die Anzahl der Schüler, die als Nichtschwimmer an unsere Schule kommen, ist in den vergangenen Jahren nicht signifikant gestiegen“, sagte sie. Schwimmunterricht werde im zweiten Halbjahr der fünften Klasse und im ersten Halbjahr der sechsten Klasse erteilt. 

Das JKG  hat auf die abnehmende Schwimmfähigkeit der Schüler reagiert und eine Nichtschwimmer-AG unter Leitung von Sportlehrerin Anna-Sophie Marx gegründet. Mit insgesamt sechs Schüler hat sie im Winterhalbjahr ein Mal in der Woche trainiert. Für das nächste Halbjahr hat sie aber bereits 15 Anmeldungen. Marx hatte in der Sportfachgruppe der Schule den Bedarf abgefragt. Auch viele ihrer Kollegen haben beobachtet, dass es immer wieder Schüler gibt, die nicht schwimmen können.  Marx hofft, die AG fortsetzen zu können, wenn die Schwimmhalle weiterhin zur Verfügung steht.

Erschreckendes Ergebnis

Auch am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Berenbostel gibt es eine Nichtschwimmer-AG unter der Leitung von Sportlehrerin Almut Peest. Nach einer Abfrage in den fünften Klassen haben die Sportlehrer alle Schüler mit Seepferdchen getestet. Das Ergebnis der Schwimmfähigkeit sei erschreckend gewesen, sagte Peest. Viele hätten aber zügig das Abzeichen in Bronze erworben. Auch in der AG seien alle zehn bis 15 Teilnehmer gut vorangekommen.

„In den fünften Klassen kommt das Schwimmenlernen eigentlich schon zu spät. Das müsste in den Grundschulen passieren“, sagte Peest. Allerdings würden immer weniger Grundschulen Schwimmunterricht anbieten, und in vielen Familien würde das Schwimmen nicht mehr automatisch gelernt. Wie es mit der AG weitergeht, ist noch ungewiss. Ein Problem stellen auch die Kosten der Busbeförderung von Berenbostel zum Hallenbad Auf der Horst dar, die bislang die Stadt gezahlt hat. 

Bäderschließungen spielen eine Rolle

59 Prozent der zehnjährigen Kinder in Deutschland sind keine sicheren Schwimmer. Das bestätigt eine Umfrage im Auftrag der Deutschen-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Nach deren Auffassung gilt als sicherer Schwimmer, wer die Bedingungen des Jugendschwimmabzeichens in Bronze erfüllt. Diese Forderung unterstützen nach Angaben der DLRG auch Schwimmsporttreibende Verbände und die Kultusministerkonferenz. Die Anforderungen des Seepferdchens seien dafür zu gering.

Gründe für die abnehmende Schwimmfähigkeit sieht die DLRG sowohl im familiären als auch im schulischen Bereich, auch Bäderschließungen spielten eine Rolle. Bei den 14- bis 29-Jährigen haben laut Umfrage nur 36 Prozent der Befragten das Schwimmen in der Grundschule gelernt. Mittlerweile haben bundesweit rund 25 Prozent der Grundschulen keinen Zugang zu einem Bad. „Das ist so nicht hinnehmbar“, beklagt Achim Haag, Vizepräsident der DLRG. 

Von Anke Lütjens