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Umland Garbsen Nachrichten In einer Nacht brennen wieder sechs Container
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20:42 23.06.2013
Von Markus Holz
Dies ist einer von sechs Containern, die in der Nacht zum Sonnabend angesteckt wurden – direkt an der Begegnungsstätte. Quelle: Markus Holz
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Garbsen

Es mutet an wie eine Nachricht: „Wir sind da, wir machen weiter.“ „Wir“, das sind mutmaßlich 25 bis 30 junge Erwachsene und Jugendliche verschiedener Nationalität. Bürgermeister Alexander Heuer hatte über sie zum Gespräch gebeten.

Das Treffen war für Anwohner ein Ventil zum Dampfablassen. Wut war zu hören, Verzweiflung und Ratlosigkeit. Verständnis für die „marodierenden Gruppen“ können die wenigsten noch aufbringen. Es fiel das Wort „Bürgerwehr“. Die Stadt besetzt jetzt zwei neue Stellen mit Straßensozialarbeitern; Heuer will Erfolge sehen und weiß, dass Streetworker allein das Problem nicht lösen. Er hofft auch auf den Unternehmer Gregor Baum als neuer Eigentümer von 1300 Wohnungen im Norden der Horst. „In drei, vier Jahren werden wir Veränderungen spüren, Herr Baum ist sich seiner Verantwortung bewusst“, sagte Heuer vor rund 50 Gästen.

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Hauptschulleiter Mustafa Yalcinkaya und die beiden Moscheevereine waren mit Vätern muslimischer Jugendlicher im Gespräch. „Die sind auch sauer über das, was hier läuft“, sagte Yalcinkaya. „Wir bieten Hilfe an, und wir empfehlen keinem Anlieger, auf die Gruppen zuzugehen, wenn etwas passiert - sie haben jeglichen Respekt verloren.“

Sicherheit im Stadtteil Auf der Horst – das Thema hat viele Facetten, jeder erlebt es aus seiner Sicht: Polizei, Feuerwehr, Sozialarbeiter und Anlieger.

Eine Geschäftsfrau, die ungenannt bleiben will: „Ich betreibe mein Geschäft jetzt seit fünf Jahren in der Ladenzeile am Penny-Markt. In vier Jahren waren die Schäden nicht so hoch wie jetzt. Vier Mal sind Gullydeckel in meine Scheibe geflogen. Das ist für uns eine massive Bedrohung. Warum sichert die Stadt diese Deckel nicht? Ich habe 400 Kunden im Monat und will gerne hier bleiben. Aber so kann es nicht weitergehen.“

Dieter Göhns, Stadtbrandmeister: „In dieser Nacht waren es wieder sechs Containerbrände – wie Perlen auf der Schnur quer durch die Horst. Das macht uns Angst, weil aus solchen Bränden mehr entstehen kann und Menschen in Gefahr geraten. 59 Einsätze waren es hier 2012; wenn diese Serie anhält, kommen wir dieses Jahr wieder auf diese Zahl. Die Ortsfeuerwehr Garbsen ist an ihrer Belastungsgrenze.“

Hans-Joachim Elsner, Polizei Garbsen: „Jeder verfügbare Mitarbeiter, der gerade frei ist, wird hier eingesetzt. Aber unsere Personalstärke ist begrenzt und wird auch nicht steigen. Die Kollegen sind aber weiter hoch motiviert, alle Vorfälle laufen bei einem Sachbearbeiter zusammen. Das würden wir uns von der Staatsanwaltschaft auch wünschen, damit Verfahren beschleunigt werden.“

Lale Cakan-Zengin, Leiterin des Pro Aktiv Centers (Pace) Garbsen: „Wir sind seit drei Wochen mit einer mobilen Beratung am Sperberhorst, einmal pro Woche. Die Jugendlichen haben uns für Zivilpolizisten gehalten. Langsam schaffen wir Vertrauen. Die Jugendlichen fühlen sich ausgegrenzt, haben Angst und vermissen Respekt. Wenn das Anliegern und Jugendlichen so geht, haben wir eine Gesprächsbasis.“

Michael Mommertz 19.06.2013
Markus Holz 19.06.2013